Sonderausstellung: „Deserteure und andere Verfolgte der NS-Militärjustiz“

„Deserteure und anere Verfolgte der NS-Militärjustiz“ heißt eine Sonderausstellung, die noch bis zum 30. April in der Gedenkstätte Lager Sandbostel gezeigt wird.  Auf Schautafeln wird im Bernard-Le-Godais-Saal über „Die Wehrmachtsgerichtsbarkeit in Hamburg“ informiert. Die von den Historikern Detlef Garbe, Magnus Koch, Lars Skowronski und Claudia Bade konzipierte Ausstellung ist eine Leihgabe der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Mit Texten, Fotos und Dokumenten werden Lebensläufe und „Fallgeschichten“ von Juristen und Beschuldigten nachgezeichnet. Die Ausstellung fragt nach Motiven, reflektiert Urteilsgründe und „sucht nach Antworten auf die Frage nach den Hintergründen einer furchtbaren Urteilsbilanz“, wie es in der Einleitung heißt. Die Verantwortlichen seien nicht belangt worden und hätten ihre Karrieren nach Kriegsende fortgesetzt. Überlebende und Angehörige hätten lange Zeit vergeblich für die ihre Rehabilitierung und um Entschädigung gekämpft. Der Deutsche Bundestag habe Deserteure und „Kriegsverräter“ erst zwischen 1998 und 2009 als Opfer der nationalsozialistischen Unrechtsjustiz anerkannt.

Insgesamt ließen die deutschen Wehrmachtsgerichte während des Zweiten Weltkrieges über 30 000 Soldaten und Zivilisten, Frauen und Männer auch aus den besetzten Ländern in Europa, hinrichten. In Hamburg gab es allein 13 Gerichte. Der polnische Offizier Wladyslaw Muzyka (1895-1942), als Kriegsgefangener im Lager Sandbostel, musste sich „wegen Zersetzung der Wehrkraft“ vor Gericht verantworten. Er war als Kommandeur eines polnischen Infanteriekommandos in Gefangenschaft geraten und ihm und 13 weiteren Offizieren wurde vorgeworfen, „eine Untergrundorganisiation mit dem Ziel gegründet zu haben, die Lagerleitung zu beseitigen“, so der Wortlaut im Ausstellungskatalog. Die Beschuldigten wurden wegen mangelnder Beweise freigesprochen. Trotzdem beging Muzyka wenige Tage später im Hamburger Untersuchungsgefängnis Suizid. Über die Gründe ist nichts bekannt. Möglicherweise habe er gewusst, „dass dem Freispruch weitere Repressionen folgen konnten“, etwa die Überstellung in ein Konzentrationslager.
Muzykas ist nur eine von vielen „Fallgeschichten“ und Lebensläufen, die anschaulich nachgezeichnet werden.

Die Ausstellung ist wochentags von 9.00 bis 16.00 sowie an Sonn- und Feiertagen von 11.00 bis 17.00 Uhr noch bis zum 30. April zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

Ort: Ort: Bernard Le Godais-Saal, Gedenkstätte Lager Sandbostel

Informationen

Termin: 
17.04.2019 18:00