Topographie des Terrors eröffnet

Von Theo Meier-Ewert
07.05.2010 - Das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors – ein Ort der Täter – ist seit dem 7. Mai der Öffentlichkeit zugänglich. Die bisherige provisorische Dauerausstellung wurde grundlegend überarbeitet und erweitert.
Ausstellungsgraben und Baudenkmal Berliner Mauer, April 2010. Foto: Stefan Josef Müller/Stiftung Topographie des Terrors

„Ich sage ausdrücklich: endlich!“ – Berlins Regierendem Klaus Wowereit war die Freude darüber, dass der Neubau des Dokumentationszentrums Topographie des Terrors nach einer „langen Zeit der Irrungen und Wirrungen“ am 7. Mai eröffnet wird, deutlich anzumerken. Die Dauerausstellung auf dem Areal an der Niederkirchnerstraße hat jährlich etwa 500 000 Besucher.

1987 wurde auf dem vermeintlich geschichtslosen Freigelände, auf dessen einzigartige historische Bedeutung zuerst engagierte Bürgerinnen und Bürger mit eigenen Grabungen aufmerksam machten, eine provisorischen Ausstellung über den Terror während der NS-Zeit eingerichtet. Denn hier, in unmittelbarer Nähe zum politischen Zentrum in der Wilhelmstraße und in aller Öffentlichkeit, befanden sich die Befehls- und Verwaltungszentralen der NS-Unterdrückungs- und Verbrechenspolitik, standen die Schreibtische der Organisatoren und Täter: 1933 etablierte sich das Geheime Staatspolizeiamt in der ehemaligen Kunstgewerbeschule in der damaligen Prinz-Albrecht-Straße, 1934 folgte die SS-Führung und 1939 das Reichssicherheitshauptamt. 1941 wurde das Prinz-Albrecht-Palais zum repräsentativen Dienstsitz für dessen Chef Reinhard Heydrich ausgebaut.

Rundweg mit 15 Stationen

Das Gelände also ist wesentlicher Bestandteil der Ausstellung. Deshalb wurden auch die materiellen Spuren und Überbleibsel der verschiedenen historischen Schichten, die sich hier abgelagert haben, sichtbar gemacht und die übrige Fläche mit Grauwacke belegt. Ein Rundweg mit 15 Stationen, der sich an den Resten der historischen Bebauung orientiert, informiert über die einstige Nutzung und den Umgang mit dem Ort in der Nachkriegszeit. Und das kubische, eingeschossige neue Dokumentationszentrum wird von einem Netz aus feinen transparenten Metallgewebe umhüllt, um von jedem Punkt der Ausstellung aus den ungehinderten Blick nach draußen zu ermöglichen. Es vermeidet jede ästhetische Überhöhung und verzichtet darauf, den Eigenwert der Architektur hervorzuheben. Der Bau ist vielmehr bewusst zurückhaltend gestaltet, um die Konzentration auf das Wesentliche zu fördern: die Ausstellung und die historischen Spuren. Im Sockelgeschoß, der Vertiefungsebene, befinden sich die Bibliothek sowie Arbeits- und Seminarräume.

Die Eskalation des Terrors nachgezeichnet

Die bisherige Dauerausstellung wurde grundlegend überarbeitet und erheblich erweitert. Im Mittelpunkt stehen die zentralen Institutionen SS und Polizei, nachgezeichnet wird anhand von eindringlichen Fotos, ausgewählten Dokumenten, Medien- und Vertiefungsstationen die Eskalation des Terrors, von der Machtergreifung bis zum Kriegsende, von der „Schutzhaft“ in den Konzentrationslagern bis zu den Todesfabriken von Auschwitz. Neu erarbeitet wurden die Dokumentation der Ausstellung (430 Seiten, 15 Euro) sowie ein Begleitband über den Geländerundgang und die Geschichte des Areals und seiner früheren Gebäude. (103 Seiten, 8 Euro).

Im bisherigen Ausstellungsgraben entlang der freigelegten Kellermauern an der ehemaligen Prinz-Albrecht-Straße wird ab August dieses Jahres eine weitere Ausstellung über die Hauptstadt Berlin in der NS-Zeit eingerichtet. Noch bietet sich also ein Blickwinkel, der vor der mächtigen Kulisse des einstigen Reichsluftfahrtministeriums die Fundamente des Gestapogebäudes mit dem Teil der Berliner Mauer direkt dahinter wie in einem Brennglas zusammenfasst – und damit historische Zusammenhänge – Ursachen und Folgen – ganz unmittelbar und einprägsam anschaulich macht.

Mehr Informationen zum Dokumentationszentrum Topographie des Terrors unter: www.topographie.de
 
Der Text ist auf vorwaerts.de erschienen http://www.vorwaerts.de/artikel/im-zentrum-des-ss-staates

 

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