Beziehungsarbeit ist sinnvoll

Von Horst Freires
10.10.2010 - Jungen Gewaltstraftätern aus dem rechtsextremen Spektrum sollte bei der Haftentlassung eine Lebensperspektive mitgegeben werden.

Die Arbeit mit Straftätern aus dem rechtsextremen Spektrum war der Schwerpunkt einer Tagung des Schleswig-Holsteinischen Verbandes für soziale Strafrechtspflege, Straffälligen- und Opferhilfe e.V. in Kiel. Im Blickpunkt standen dabei die Erfahrungen des in mehreren Bundesländern laufenden Gewaltpräventionsprogramms unter dem Titel Violence Prevention Network (VPN) vom gleichnamigen Verein, der in Berlin ansässig ist.

Aus Sicht des Alltags der Pädagogen und Sozialarbeiter aus dem Projekt mit ideologisierten jungen Gewaltstraftätern ist der Resozialisierungseinsatz sinnvoll, um eine Rückfälligkeit in das ursprüngliche Milieu zu verhindern und bei der Haftentlassung eine Lebensperspektive mit auf den Weg zu geben. Einer der Bausteine des Konzepts beinhaltet in der ersten Phase zurück in der Freiheit eine Begleitung, um die bereits in Haft antrainierten Verhaltensmuster zu stabilisieren.

Voraussichtlich weniger neue Opfer

Die Rückfallquote inhaftierter jugendlicher Gewalttäter liegt generell bei 78 Prozent. Eine durchschnittlich zweijährige erneute Inhaftierung würde laut VPN 73 000 Euro je Haftplatz verursachen. Für eine intensive Betreuung dieses Personenkreises spricht aber nicht nur eine Kostendiskussion, sondern auch der Gedanke daran, dass es voraussichtlich weniger neue Opfer geben dürfte. Mit Selbstreflexion und Empathieschulung, durch individuelles Aufarbeiten der eigenen noch jungen Biografie ist es Ziel der Verantwortungspädagogik, bei den bisherigen Gewaltdelinquenten eine Verhaltensänderung zu erreichen.

Ein wichtiges Augenmerk liegt darauf, dass möglichst mit der bisherigen Clique aus der rechten Szene gebrochen wird, dafür neue Bezugspersonen und -gruppen in das Leben eintreten, was über eine Horizonterweiterung im Freizeitbereich geschehen kann.

Dezentrale Unterbringung von Aktivisten der rechten Szene

Heribert Ostendorf, Landesvorsitzender im Verband für soziale Strafrechtspflege, sprach sich vor Vertretern aller im Landtag sitzenden Parteien dafür aus, dass trotz angespannter Finanzlage im schleswig-holsteinischen Haushalt diese Arbeit eigentlich auch im nördlichsten Bundesland Eingang finden muss in die Resozialisierungsarbeit, zumal sie maßgeblich auch aus EU-Fördergeldern gestützt wird. Bislang wird nach dem VPN-Prinzip in einzelnen Vollzugsanstalten in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Baden-Württemberg gearbeitet.

Bei der Zusammenkunft war zu erfahren, dass derzeit in den Gefängnissen Schleswig-Holsteins zehn Straftäter, die dem harten Kern des Rechtsextremismus angehören, ihre Haft verbüßen. Zum Vollzugsalltag gehört beispielsweise eine dezentrale Unterbringung von Aktivisten und Anhängern der rechten Szene. Briefkontrolle und eine genaue Prüfung von Besuchserlaubnissen sind weitere Instrumente des Vollzugspersonals.

Weitere Informationen: www.violence-prevention-network.de