Wer wählte die AfD warum im Saarland?

Von Armin Pfahl-Traughber
05.04.2017 -

Die AfD scheint noch über keine feste Stammwählerschaft zu verfügen – punkten konnte die rechtspopulistische Partei bisher mit der „Flüchtlingspolitik“.

Der Höhenflug der AfD scheint gebremst; Symbolbild © J.F.

Bei den Landtagswahlen im Saarland am 26. März konnte die „Alternative für Deutschland“ (AfD) 6,2 Prozent der Stimmen verbuchen (32 935 Wähler/innen) Damit gelang es zwar der AfD einerseits, bereits bei der ersten Kandidatur direkt in das Parlament einzuziehen, andererseits blieb sie hinter den weitaus höheren Erwartungen zurück. Betrachtet man dieses Ergebnis in der Gesamtschau, so kann doch von einem Rückgang gesprochen werden. Dies gilt insbesondere beim Blick auf die Resultate in den ostdeutschen Ländern, wo die AfD bis zu einem Viertel der Wähler/innen erreichte. In den westdeutschen Ländern bewegten sich die bisherigen AfD-Ergebnisse auf einem deutlich niedrigeren Niveau, was auch dem Resultat im Saarland entspricht. Dies belegt keinen Aufwärtstrend in Kontinuität, von einer Etablierung als Wahlpartei kann noch nicht gesprochen werden. Insofern verdienen nicht nur die Ergebnisse selbst, sondern auch ihre Hintergründe größeres Interesse. Aussagen dazu liefern die Daten, die von Infratest dimap zur Verfügung gestellt wurden.

Als erstes sei der Blick auf das Geschlechterverhältnis geworfen: Fünf Prozent der Frauen, aber acht Prozent der Männer stimmten für die rechtspopulistische Partei. Das passt zu dem üblichen Wahlverhalten bei Kandidaturen von Parteien „rechts der Union“. Bezogen auf das Alter fällt auf, dass die Gruppe der 35- bis 44-Jährigen mit neun Prozent den größten Anteil hatte, dem folgten die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen mit acht Prozent und die Gruppe der 45- bis 59-Jährigen mit sieben Prozent. Von den 18- bis 24-Jährigen stimmten nur sechs Prozent für die AfD, was dem Durchschnitt entspricht. Gleichwohl ist es beachtenswert, weil diese Altersgruppe bei den letzten Wahlen besonders stark für Parteien „rechts der Union“ gestimmt hatte. Die geringsten Erfolge mit vier Prozent erhielt die AfD bei Menschen, die älter als 60 Jahre waren. Bezogen auf die formale Bildung gab es erwartbare Ergebnisse: Für die „Alternative für Deutschland“ stimmten vier Prozent mit hoher, sieben Prozent mit mittlerer und acht Prozent mit niedriger Schulbildung, was für einen eindeutigen Zusammenhang steht.

Großer Anteil an früheren Linke-Wählern

Hinsichtlich der Berufstätigkeit lässt sich sagen, dass neun Prozent der Arbeiter und sieben Prozent der Arbeitslosen für die AfD votierten. Die Selbständigen waren mit sieben Prozent nur leicht überdurchschnittlich in der AfD-Wählerschaft vertreten. Bei den Beamten lag mit fünf Prozent der Wert niedriger. Beachtenswert sind auch die Angaben zur Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage. Von den Unzufriedenen machten 13 Prozent, von den Zufriedenen fünf Prozent ihr Kreuz bei AfD. Eine Gewerkschaftsmitgliedschaft immunisiert offenbar nicht vor einer AfD-Wahl: So gaben 6,7 Prozent der Mitglieder gegenüber 6,1 Prozent der Nicht-Mitglieder ihre Stimme der AfD. Die konfessionelle Bindung spielte demgegenüber keine Rolle: 5,2 Prozent der katholischen und 4,9 Prozent der evangelischen Wähler/innen votierten für die AfD. Von den Konfessionslosen waren es mit 8,5 Prozent deutlich mehr. Aber auch in diesen Punkten gab es keine Überraschungen. Die Besonderheiten entsprechenden den Daten zu den Ergebnissen der Kandidaturen früherer Parteien „rechts von der Union“.

Beachtenswert ist auch die Herkunft der Wählerschaft: Der größte Anteil kam mit 8000 von früheren Nichtwählerinnen und -wählern. Aber auch jeweils 4000 frühere Anhänger/innen der CDU und der Partei Die Linke stimmten für die AfD. Da die Linke aber eine weitaus geringere Wählerschaft hat, kam der größte Anteil im Verhältnis eben von dieser. Demgegenüber verlor die SPD 3000 Wähler/innen an die AfD. Von der Grünen-Wählerschaft hingegen wechselte kaum jemand zu dieser Partei. Eine derartige Dominanz von ehemaligen Linken-Wähler/innen in der AfD-Wählerschaft ist ansonsten nur aus den ostdeutschen Ländern bekannt. Dabei muss allerdings festgehalten werden, dass Die Linke im Saarland für ein westdeutsches Land immer besonders stark war.

Aus eigener Kraft kaum Wahlerfolge

Auffällig ist darüber hinaus, dass bei der Frage nach den Gründen für die AfD-Wahl die Betreffenden zu 42 Prozent deren politische Forderungen und zu 53 Prozent den „Denkzettel für andere Parteien“ nannten. Dies spricht nicht für eine engere Bindung an die AfD, die somit noch keine feste Stammwählerschaft gefunden zu haben scheint.

Auch der Blick auf das Interesse an den politischen Themen macht dies deutlich: Mit weitem Abstand nannten die AfD-Wähler/innen hier mit 29 Prozent die „Flüchtlingspolitik“. Bei der Wählerschaft der CDU führten dies lediglich vier und bei der SPD drei Prozent als Grund an.  Berücksichtigt man nun, dass das Flüchtlingsthema in den letzten Monaten vor der Wahl immer mehr an öffentlicher Relevanz verloren hat, erklärt sich wohlmöglich so auch der nur begrenzte AfD-Erfolg bei den Landtagswahlen. Denn folgt man den Angaben zur Sonntagsfrage zu den Landtagswahlen, dann hätte die rechtspopulistische Partei im Mai 2016 noch elf und im Januar 2017 noch neun Prozent der Stimmen verbuchen können. Demnach scheint die Entwicklung bei Wahlen für die AfD aktuell sehr stark mit der öffentlichen Relevanz der Flüchtlingsthematik zusammen zu hängen. Durchaus zutreffend, wenn auch zynisch hatte seinerzeit AfD-Bundesvize Alexander Gauland die Flüchtlingsentwicklung als ein „Geschenk“ für seine Partei angesehen. Aus eigener Kraft erlangt man kaum Wahlerfolge.

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