Völkische tagen, Neonazis provozieren

Von Julian Feldmann
18.04.2017 -

Im niedersächsischen Dorfmark (Heidekreis) sind am Osterwochenende die völkischen „Ludendorffer“ zusammengekommen. Militante Neonazis marschierten in dem kleinen Ort in der Lüneburger Heide ebenfalls auf.

Aggressiv auftretende Neonazis im Dorfmarker Neubaugebiet; Photo: Julian Feldmann

Von Karfreitag bis Ostermontag traf sich der extrem rechte „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff)“ (BfG) im Dorfmarker Gasthaus „Zur Post“. Rund 80 Rechtsextremisten reisten zur 45. „Ostertagung“ des BfG an. Während im vergangenen Jahr noch rund 150 „Ludendorffer“ nach Dorfmark kamen, schien die Tagung damit schlecht besucht. Zusammenhängen dürfte dies auch damit, dass es in diesem Jahr an drei Tagen Proteste vor dem Tagungshaus gab. Dabei feiern die „Ludendorffer“ in diesem Jahr den 140. Geburtstag ihrer ideologischen „Schöpferin“ Mathilde Ludendorff (1877-1966). Bei den Vorträgen der Tagung wurde nicht nur über Ludendorff referiert, sondern auch über aktuelle politische Themen gesprochen.
Prominente Rechtsextremisten konnten in diesem Jahr bei der Tagung nicht beobachtet werden. Nur kurz ließen sich Hartmut Klink, der Ehemann der BfG-Vorsitzenden Gudrun Klink, und BfG-Vize Hans Roloff außerhalb der „Post“ sehen. Die Teilnehmer kamen aus der gesamten Bundesrepublik, so etwa aus Waltershausen, Garmisch-Partenkirchen, Nordfriesland, von der Insel Rügen und aus Ingelfingen in Baden-Württemberg. Eine Familie reiste aus Schweden zur „Ostertagung“ an. Rund ein Dutzend Teenager, der Nachwuchs der „Ludendorffer“, zogen durch den Ort, nun wenige trugen dabei traditionelle Kleider. Ansonsten kamen vor allem ältere Semester zur Tagung des völkischen „Bundes“.

Neonazis fotografieren Antifa-Demonstranten

Seit 2007 schlägt den „Ludendorffern“ Protest auf der Straße entgegen. Anders als an den meisten Orten, wo sich die Ludendorff-Anhänger treffen, protestieren in Dorfmark regelmäßig Bürger gegen die Rechtsextremisten. An Mahnwachen am Karfreitag und Samstag beteiligten sich jeweils knapp 100 Menschen. „Es ist schon interessant, dass wir ein Tanzverbot haben am Karfreitag, aber Holocaust-Leugnung scheint ganz normal zu sein“, kritisierte der Landtagsabgeordnete Michael Höntsch (SPD) am Ostersamstag. „Da müssen wir mehr den Finger in die Wunde legen“, so Höntsch.

Als am Ostersonntag rund 60 Antifa-Demonstranten am Bahnhof eintrafen, wurden sie von zwei polizeibekannten Neonazis fotografiert. Gegenüber Beamten gaben sie an, für ein Internetprojekt Fotos machen zu wollen. Christopher S. aus Nienburg an der Weser betreibt die Seite „Recherche Nord 2.0“, die sich als „unabhängiges Recherche- und Medienprojekt zum Themenfeld des militanten und organisierten Linksextremismus“ vorstellt. Mit der Namensgebung versucht S. offensichtlich, das antifaschistische Projekt „Recherche Nord“ in Misskredit zu bringen. Auf der Internetseite von S. heißt es weiter: „Wir setzen uns aus freien Fotographen, Journalisten sowie Einzelpersonen aus den nördlichen Raum Niedersachsen zusammen und konzentrieren uns auf die investigative Recherche linksextremer Netzwerke.“ (Fehler im Original) Mit einem Verband versuchte S. in Dorfmark eine tätowierte „Schwarze Sonne“ auf seiner Wade abzudecken.

Regenschirme mit Hammer und Kreuz

Neben S. fotografierte auch der Göttinger Verbindungsstudent Jan Philipp Jaenecke die linken Demonstranten. Jaenecke ist beim „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ aktiv, der sich jüngst mit dem Neonazi-Netzwerk „Thügida“ aus Thüringen verbunden hat. (bnr.de berichtete) Die beiden Fotografen waren nicht die einzigen Neonazis, die sich in Dorfmark aufhielten. Als die Antifa-Demo durch ein Neubaugebiet zog, in dem zwei Aktivisten aus der regionalen rechtsextremen Szene wohnen, starteten rund 25 Neonazis eine Kundgebung. Vor dem Haus standen Neonazis auf der Straße – vermummt und mit Regenschirmen, auf denen Hammer und Kreuz abgebildet sind, das Symbol des Strasser-Flügels in der NSDAP. Bei der Versammlung der Neonazis dröhnte aus einem Lautsprecher Rechtsrock der Band „Gigi & die braunen Stadtmusikanten“.

Nach Informationen, die bnr.de vorliegen, wusste die Polizei im Vorfeld von der Neonazi-Aktion. Trotzdem konnten die Rechtsextremisten einen Reporter der Lokalzeitung bedrängen und einen Fotografen angehen. Der Neonazi Jens Wilke vom „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ hielt bei der nicht angemeldeten Versammlung eine Rede. Am Haus des braunen Paares hingen Banner von Neonazi-Gruppen, auch des „Freundeskreises“. Vor Ort waren neben den „Freundeskreis“-Kameraden auch Neonazis des „Kollektivs Nordharz“.

„Der Kumpel vom Staatsschutz“

Auf dem Dach des Carports „wachten“ drei Vermummte, einer zündete eine Leuchtfackel. Einer der Neonazis hielt eine Zwille griffbereit – was auch Polizeibeamte bemerkten. Kontrolliert wurden die Neonazis, unter ihnen Gewalttäter aus Südniedersachsen, nicht. Der „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ berichtete nach der Versammlung auf Facebook, dass die Polizei sie bei der Abreise noch kontrollieren wollte: „Nachdem wir dem Kumpel vom Staatsschutz klar machten, dass wir aufgrund dieser lächerlichen Schikane gleich ne Spontandemo anmelden und die Polizei dann den ganzen Tag noch Spass mit uns hätte, war auch dieser Quatsch schnell beendet und wir konnten weiter fahren.“ (Fehler im Original) Mehrmals wurden in der Vergangenheit bei Angehörigen des „Freundeskreises“ Waffen gefunden, gegen einige Mitglieder wird wegen der Bildung bewaffneter Gruppen ermittelt.

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