Umfrage: AfD-Anhänger neigen stark zu Verschwörungsideologien

Von Armin Pfahl-Traughber
10.01.2021 -

Eine erneute Befragung zu Corona-Verschwörungsanhängern bestätigt, dass insbesondere AfD-Anhänger eben auch zu derartigen Konspirationsvorstellungen neigen. Auch wenn die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz gesunken ist, gibt es immer noch einen relativen hohen Anteil von Verschwörungsgläubigen in der Gesellschaft.

Eine Teilnehmerin der Demo am 18. November in Berlin, Foto: Thomas Witzgall

AfD-Anhänger neigen besonders stark zu Verschwörungsideologien. Dies ist nur ein interessantes Ergebnis, das auf eine repräsentative Befragung von Infratest dimap zurückgeht. Der Berliner Soziologe Jochen Roose wertete die Daten im Auftrag der Konrad Adenauer- Stiftung aus und veröffentlichte die Ergebnisse in der Studie „Verschwörung in der Krise. Repräsentative Umfragen zum Glauben an Verschwörungstheorien vor und in der Corona-Krise“.

Dabei konnten Daten aus zwei unterschiedlichen Entwicklungsphasen miteinander verglichen werden, einmal vor der Corana-Krise zwischen Oktober 2019 und Februar 2020, einmal in der Corona-Krise zwischen August und September 2020. Der Dual-Frame-Ansatz bildete dabei die Erhebungsmethode, wurde die Befragung doch zu 60 Prozent über Festnetz und zu 40 Prozent über Mobilfunk durchgeführt. Im ersten Fall befragte man 3.250 Personen und im zweiten Fall 1.521 Personen. Insofern sind die Ansprüche auf eine Repräsentativität erfüllt, was gewisse Verallgemeinerungen möglich macht.

Zwei Drittel Akzeptanzwerte unter AfD-Anhängern

Am Beginn steht der Blick auf die Parteianhängerschaft: Der Auffassung „Es gibt geheime Mächte, die die Welt steuern“ waren in der zweiten Erhebung 24 Prozent (fortan jeweils Summe von „sicher richtig“ und „wahrscheinlich richtig“), womit knapp ein Viertel der Bevölkerung zu derartigen Konspirationsvorstellungen neigt. Auffällig ist dabei der hohe Anteil von AfD-Anhängern, die auf 64 Prozent kommen, also knapp zwei Drittel der Anhänger dieser Partei stehen Verschwörungsideologien positiv gegenüber.

Die Anteile sind bei anderen Parteien erkennbar niedriger, sodass man hier von einer Besonderheit bei dieser Parteianhängerschaft ausgehen kann. Bei den Anhängern der FDP liegt der Anteil mit 26 Prozent leicht überdurchschnittlich hoch, ist aber in der bilanzierenden Gesamtschau als zweithöchster Wert bedeutend geringer. Demgegenüber neigen die Anhänger von CDU/CSU, SPD und Grünen nur jeweils zu vier Prozent zu Konspirationsvorstellungen.

Akzeptanzen für besondere Corona-Verschwörungsvorstellungen

Andere Ergebnisse vermitteln einen Eindruck davon, wie viele Menschen potentiell für Verschwörungsvorstellungen empfänglich sein könnten. Der Auffassung „Das Corona-Virus ist nur ein Vorwand, um die Menschen zu unterdrücken“ waren fünf Prozent, weitere neun Prozent hielten dies für wahrscheinlich. Dabei lässt sich deutlich feststellen, dass die formale Bildung hierbei eine wichtige Rolle spielt. Absolventen einer Hauptschule waren zu 31 Prozent dieser Auffassung, Abiturienten nur zu vier Prozent.

Auch hier ragten die AfD-Anhänger mit 65 Prozent am stärksten heraus, wovon 24 Prozent „sehr richtig“ meinten. Deren Anteil stieg in der zweiten Erhebung sogar um 8 Prozent, während er bei anderen Befragten rückläufig war. Dafür lässt sich indessen keine eindeutige Erklärung vortragen. Dubios und unklar blieb indessen auch hier bei den Konspirationsgläubigen, wer denn die jeweiligen Verschwörer genau sein sollten. Mal wurden „Eliten“ oder „Geheimdienste“, mal „Geheimgesellschaften“ oder „Reiche“ genannt.

Kontexte von Lebenslagen und Verschwörungsvorstellungen

Die Befragung erhob auch einige Daten, die Auskünfte über den Kontext von Lebenslagen und Verschwörungsideologien vermitteln. Demnach sind insbesondere die Befragten anfällig für Konspirationsvorstellungen, die eine besondere finanzielle Belastung durch die Corona-Entwicklung erfahren haben wollen. Der Auffassung „Das Corona-Virus ist ein Vorwand, um die Menschen zu unterdrücken“ waren hier 29 Prozent, indessen immer noch bedeutet weniger als AfD-Anhänger mit 65 Prozent.

Und dann fiel auch auf, dass die Anhänger einer Corona-Verschwörung gegenüber den öffentlich-rechtlichen Medien eine große Skepsis haben. Die Angaben zur Antwort „eher nicht glaubwürdig“ lagen bei 64 Prozent. Damit liegen erneut zu den Akzeptanzpotentialen für Verschwörungsvorstellungen wichtige Informationen vor. (Es ging dabei um eine repräsentative Datenerhebung zu Einstellungen. Eine zeitgleich herausgekommene Studie des Soziologen Oliver Nachtwey kommt teilweise zu anderen Ergebnissen, ist aber auf Demonstranten bezogen und nicht repräsentativ.)