Spendensammeln ganz weit rechts

Von Andreas Speit
04.01.2017 -

Die „Alternative für Deutschland“ wirbt in den „Burschenschaftlichen Blättern“ um Unterstützung für den Wahlkampf.

Spendenaufruf der AfD auch in der Zeitschrift der „Deutschen Burschenschaft“; (Screenshot: Werbebanner AfD-Seite)

Mehr als zwei Millionen Euro konnte die AfD in den letzten Wochen des vergangenen Jahres als Spenden einnehmen. Knapp 2,3 Millionen, mehr als die Bundessprecherin Frauke Petry und -sprecher Jörg Meuthen selbst als Ziel der Spendenkampagne genannt hatten. Mit einem Flyer werben sie um die zusätzlichen Geldeinnahmen. „Ihre Spende bringt die AfD in den Bundestag“ verspricht die rechtspopulistische Partei in dem Spendenflyer „Auf die Plätze, spenden – los!“ und versichert: „Ihr helft uns da rein und wir machen den Kahn wieder flott! Abgemacht!?“. Die AfD scheut sich beim Spendensammeln auch nicht, ganz weit rechts anzufragen, nicht ohne auf die steuerliche Absetzbarkeit zu verweisen.

In den aktuellen „Burschenschaftlichen Blättern“ ist der Spendenaufruf der AfD in Farbe und Gänze abgedruckt. „Wir alle haben ein gemeinsames Ziel: Die AfD muss 2017 mit einer möglichst starken Fraktion in den Bundestag“, kann nun auch in der Zeitschrift der „Deutschen Burschenschaft“ (DB) gelesen werden. Die „Blätter“ haben nach eigenen Angaben des Dachverbandes von Burschenschaften in Deutschland und Österreich eine Auflage von rund 6000 Exemplaren. Eine gezielte Ansprache, die sicher nicht unbeachtet geblieben seien dürfte. Einzelne Landesparlamentarier der AfD, Joachim Paul in Rheinland-Pfalz, wie auch Alexander Wolf in Hamburg kommen aus Burschenschaften, die der DB angehören.

Kein allgemeiner Unvereinbarkeitsbeschluss gegen Burschenschaften

Die Nähe zu den weit rechten Studentenverbindungen waren schon unter dem Mitbegründer der AfD, Bernd Lucke, kein Problem.  2014 erklärte der AfD-Pressesprecher Christian Lüth, dass es keinen allgemeinen Unvereinbarkeitsbeschluss gegen Burschenschaften geben würde. Keine drei Jahre zuvor hatte die „Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ mit einem Ausschlussantrag gegen die Burschenschaft „Hansea Mannheim“ die Radikalisierung des Dachverbandes beschleunigt. Die „Raczeks“, der Joachim Paul angehört, wollten die „Hansea“ ausschließen, weil einer ihrer Burschenschaftler chinesischer Abstammung war.

Der Antrag wurde nicht beim „Deutschen Burschentag“ der DB verhandelt. Die Debatte führte aber mit zu dem Austritt vieler einzelner Burschenschaften aus dem Dachverband. Vor dem Streit gehörten rund 120 Burschenschaften zur DB, heute sind es knapp 70 Verbindungen. Ein weiter Grund für die Austritte  war die Aussage des ehemaligen Chefredakteurs der „Blätter“, Norbert Weidner, dass die Verurteilung des Widerstandskämpfers und Theologen Dietrich Bonhoeffer durch die Nationalsozialisten „rein juristisch gerechtfertigt“ und Bonhoeffer „zweifelsfrei ein Landesverräter“ gewesen sei.

In dem Spendenflyer erklärt die AfD auch, wie Ehepaare die Spende steuerlich gelten machen könnten. Die rechtspopulistische Partei betont, dass sie die „einzige ernstzunehmende Kraft für einen grundsätzlichen Politikwechsel“ sei, „besonders“ bei den Fragen: „Asyl, Einwanderung, Islam und Identität, EU und Euro-Rettung, Schutz und Sicherheit ...“. In der DB wird diese Selbsteinschätzung auf wenig Widerspruch stoßen – was die Spendenbereitschaft erhöhen dürfte.

Weitere Artikel

Stramm rechte Burschen

26.06.2014 -

Verschiedene Burschenschaften fallen immer wieder durch rechtslastige Aktivitäten auf. Mindestens drei Mitgliedsbünde des Dachverbands „Deutsche Burschenschaften“ (DB) stehen gar im Visier der Verfassungsschützer. Die SPD hat jetzt einen Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der DB gefasst.

Farbenwechsel bei den Burschen

26.11.2012 -

Auf dem „Sonderburschentag“ am 23. und 24. November in Stuttgart haben sich die extrem rechten Kräfte durchgesetzt – bis zu 20 gemäßigte Bünde könnten dem Dachverband DB jetzt den Rücken kehren.

AfD-Politiker: „Merkels Tote“

28.12.2016 -

Hochrangige Vertreter der  „Alternative für Deutschland“ instrumentalisieren den schrecklichen Terroranschlag in Berlin für Attacken auf die Bundeskanzlerin – auch der vorgeblich „liberale“ Ko-Vorsitzende Meuthen gibt sein Plazet.

Brandherde im Gebälk der AfD

30.03.2016 -

Die AfD-Chefin Frauke Petry ist dabei, sich selbst parteiintern zu isolieren – in der AfD-Spitze entwickeln sich indes andernorts neue Gemeinsamkeiten.