Rechte Russlanddeutsche pro AfD

Von Theo Schneider
14.03.2017 -

Eine neue rechte Gruppierung aus bekannten Aktivisten will in russlanddeutschen Kreisen für die AfD mobilisieren. Für Ende März plant der Zusammenschluss einen Kongress in Thüringen.

Russlanddeutscher Aktivist Heinrich Groth in Berlin bei der Kundgebung am 21. Dezember vor dem Kanzleramt; Photo: Th.S.

Rechte Russlanddeutsche haben unter Beteiligung von AfD-Funktionären bei Detmold in Nordrhein-Westfalen am 21. Januar ein so genanntes „Koordinierungszentrum der Russlanddeutschen“ mit dem Namen „Für die deutsche Heimat!“ gegründet. Ziel dieser Vereinigung sei „die größtmögliche Unterstützung der patriotischen Kräfte des Landes“, als deren führende Organisation derzeit die AfD gesehen wird. Man wolle die Partei bei den „kommenden Landtags- und besonders bei den Bundestagswahlen mit allen zur Verfügung stehenden Kräften [...] unterstützen“, heißt es in einer Mitteilung dieses „Zentrums“.

Die Initiative zur Gründung ging vom „Internationalen Konvent der Russlanddeutschen“ um Heinrich Groth aus. Der Konvent fiel im Januar vergangenen Jahres durch den „Fall Lisa“ auf, bei dem eine erfundene Vergewaltigung zur flüchtlingsfeindlichen Mobilisierung vor allem in der russischsprachigen Community verwendet wurde. Groths Verein streute mit als erstes die Gerüchte, die auch von russischen Medien massiv verbreitet wurden. In mehreren Städten kam es daraufhin zu Protestaktionen: In Berlin versammelten sich bei Groths Kundgebung rund 700 Menschen gegen „Emigrantengewalt“ vor dem Kanzleramt, darunter Anhänger von „Bärgida“ und NPD-Funktionäre. (bnr.de berichtete)

„Das Deutsche Volk am Rande des Abgrunds“


In seiner Rede auf der Gründungsveranstaltung sprach Groth von der „totalen Unterjochung der BRD durch die USA“ und dass „die Strategen aus den USA geplant haben“ das deutsche Volk abzuschaffen. In dem Zusammenhang lobte er das rechtspopulistische, pro-russische „Compact-Magazin“ von Jürgen Elsässer, „wo die Vasallen-Rolle der BRD regelmäßig thematisiert“ werde, aber auch die Zeitschrift der „Russlanddeutschen Konservativen“ von Andreas Triller und Johann Thießen. Das neue Zentrum soll „der AfD den Rücken stärken, indem sie die Russlanddeutschen-Heimkehrer, Aussiedler und Spätaussiedler in ihrem Sinne mobilisiert“. Man wolle „zusammen mit der AfD dafür sorgen, dass Deutschland nie wieder gegen Russland aufgehetzt“ und  der „Zustrom von fremden Völkern nach Deutschland ab sofort“ gestoppt werde.

Zum Schluss zeichnete Groth, wie üblich in rechten Kreisen, ein düsteres Bild vom nahen Untergang: „Das Deutsche Volk steht wirklich am Rande des Abgrunds. Es fehlt nur ein kleiner Stoß, um es aus der Geschichte endgültig zu tilgen.“ Unterstütze man jetzt die AfD, „kann es zu der gewünschten Rettung kommen“, so Groth.

AfD-Funktionäre unterstützen Gründung

Groth fiel bereits in der Vergangenheit bei rechten Gruppierungen auf. 2006 kandidierte er für die ultrarechte „Offensive D“ im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf, gab in der Vergangenheit dem NPD-Blatt „Deutsche Stimme“ sowie dem flüchtlingsfeindlichen „Compact-Magazin“ Interviews. Bis heute läuft der „Schulverein zur Förderung der Russlanddeutschen in Ostpreußen e.V.“, der in vergangenen Jahren mehrfach das „Lesertreffen“ des extrem rechten „Zuerst!“-Magazins organisierte (bnr.de berichtete), auf seinen Namen. Im Mai 2016 marschierte er neben dem Berliner NPD-Landesvorsitzenden Uwe Meenen hinter dem Transparent der neurechten „Ein Prozent“-Initiative beim flüchtlingsfeindlichen „Merkel muss weg“-Aufmarsch mit. (bnr.de berichtete) Groth rühmt sich nach Angaben von „Spiegel Online“ auch mit Kontakten zur russischen Regierung.

Seit vergangenem Jahr wendet sich Groth mit seinem Konvent immer offener der AfD zu. Regelmäßig wurde auf der Homepage in den letzten Monaten für die Partei geworben. Im Juli sagte Groth in einem ARD-Interview, das man das Gespräch mit der AfD über mögliche Kooperationen suche. Im Dezember beteiligte sich Groth nach dem Anschlag vom Berliner Breitscheidplatz an der Kundgebung der neurechten Initiative „Ein Prozent“ und der AfD vor dem Kanzleramt. (bnr.de berichtete) Wenige Tage zuvor, am 14. Dezember hatte sich Groth und sein Konventskollege Reinhold Haun im Landtag Brandenburg mit dem AfD-Bundesvize Alexander Gauland sowie den niedersächsischen AfD-Funktionären Armin Paul Hampel und Waldemar Herdt getroffen, um Formen der Unterstützung auszuloten und die Gründung des „Koordinierungszentrums“ zu besprechen.

Eine „neue gesunde Weltanschauung“

Zur Gründungsveranstaltung kamen dann auch Vertreter der AfD: Armin Paul Hampel, Vorsitzender der AfD-Niedersachsen und Mitglied im Bundesvorstand hielt eine Begrüßungsrede,  Waldemar Herdt, Landeslistenkandidat der AfD-Niedersachsen und Eugen Schmidt, Sprecher des Netzwerkes „Russlanddeutsche für die AfD NRW“ warben für die Unterstützung der AfD durch Russlanddeutsche. 

Bei dem Treffen war auch Heinrich Daub, Chefredakteur der rechtslastigen russlanddeutschen Zeitschrift „Ost-West-Panorama“ anwesend. Daub fiel in der Vergangenheit mehrfach durch die Unterstützung entsprechender russlanddeutscher Gruppierungen auf. (bnr.de berichtete) Zuletzt trat er im Februar 2016 als Redner auf einer Kundgebung der extreme rechten Kleinstpartei „Arminius-Bund“ in Düren auf. In seiner Rede bei der Gründungsveranstaltung des „Koordinierungszentrums“  ließ er auch keine Zweifel an seiner Gesinnung:  Man solle „nicht nur die Alternative für Deutschland an die Macht bringen, sondern ein alternatives Deutschland aufbauen, neue gesunde Weltanschauung entwickeln und neue volkstreue Menschen für die politische Verantwortung vorbereiten“ um Deutschland von den „antideutschen Kräften zurückerobern“ zu können, die „Anhänger der Religion des Volkstodes“ seien.

Extrem rechte Russlanddeutsche finden zusammen

Geführt werden soll das „Koordinierungszentrum der Russlanddeutschen“ durch einen „siebenköpfigen Rat“ den Heinrich Groth anleitet und der Vorschläge zur Tätigkeit der Vereinigung „in Absprache mit der Parteiführung der AfD“ ausarbeiten will. Das erste gemeinsame Projekt soll ein Kongress am 25./26. März im Hotel Hufhaus-Harzhöhe in der Nähe von Nordhausen (Thüringen) sein. Interessierte sollen sich bei den Organisatoren melden. Neben Groth sind das laut der Seite des Konvents Willi Muntaniol, Philipp Buchmiller,  Wilhelm Liebert, Viktor Kasper und Andrej Triller.

Triller und Kasper sind alte Bekannte in der extrem rechten Russlanddeutschen-Szene. Beide waren im „Arbeitskreis der Russlanddeutschen in der NPD“, Triller sogar deren Vorsitzender. Kasper erhielt breitere öffentliche Beachtung, als er auf dem AfD-Gründungsparteitag 2013 mit einer Deutschland-Fahne um Aufmerksamkeit buhlte. Triller ist derzeit Vizechef des „Arminius Bundes“ und mit Videos und Beiträgen auf der Seite des Konvents um Groth vertreten. Mit Heinrich Daub und Johann Thießen, dem Arminius-Bundesvorsitzenden, diskutierte er auch zusammen im Februar 2008 beim Berliner „Kulturfonds der Russlanddeutschen“.

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