Polizisten und Soldaten in rechtsextremistischen Zusammenhängen

Von Armin Pfahl-Traughber
03.02.2021 -

Jüngst wurde durch engagierte Medienberichte immer wieder veranschaulicht, dass auch Polizisten und Soldaten in rechtsextremistischen Zusammenhängen aktiv waren. Der Dokumentarfilmer Dirk Laabs hat jetzt seine Eindrücke dazu in einem Buch verarbeitet. Es beschreibt anschaulich einzelne Ereignisse, hätte aber durch eine genauere Gesamtbewertung noch an Qualität gewonnen.  

Dirk Laabs, Staatsfeinde in Uniform. Wie militante Rechte unsere Institutionen unterwandern

Dass Angehörige der Bundeswehr oder Polizei als Rechtsextremisten aktiv sind, führte in den letzten Jahren nachvollziehbarerweise zu öffentlichen Skandalen. Denn die Gemeinten sollten doch eigentlich zur Sicherheit beitragen und nicht Unsicherheit bewirken. Genau dies geschah indessen, sei es durch Bedrohungen einer Juristin aus dem NSU-Verfahren, sei es durch ein Engagement in gewaltbereiten Netzwerken, sei es durch Kontakte zu „Reichsbürgern“ oder Waffenhändlern. Für all das stehen Einzelne wie Franco A. und André S. oder Gruppen wie „Nordkreuz“ und „Uniter“.

Über deren Aktivitäten wurde in den Medien auch intensiv berichtet. Einer der besonders engagierten Journalisten ist Dirk Laabs, der dazu diverse Dokumentarfilme insbesondere für das ZDF erstellt hat. Diesen ließ er nun ein eigenes Buch nachfolgen: „Staatsfeinde in Uniform. Wie militante Rechte unsere Institutionen unterwandern“. Man könnte es bezogen auf die formale Gestaltung mitunter als „Film in Prosa“ wahrnehmen, merkt man im Buchautor doch immer wieder den Filmemacher.

Planungen für einen „Tag X“ als Thema

Er reiht darin Beispiele an Beispiele, wobei die Darstellung an einzelnen Personen orientiert ist. Deutlich zeigt sich, dass in den Bereichen besonderer „Mischszenen“ diverse Szenarien für einen „Tag X“ entwickelt wurden. Derartige Gedankenspiele schließen dann auch Morde an Politikern mit ein. Deutlich machen will der Autor in der Gesamtschau, „dass sich besonders viele Soldaten, darunter Kommandosoldaten, sowie Polizisten von Spezialeinheiten einer solchen Bewegung verschrieben haben und punktuell gemeinsame Sache mit Straßenschlägern und organisierten Nazi-Banden machen, unterstützt – von Fall zu Fall – von Reservisten der Bundeswehr, Waffenhändlern, Schießausbildern sowie Ex-Soldaten“.

Bei dieser Aussage handelt es sich indessen um eine der wenigen Einschätzungen, dominieren doch die Beschreibungen von einzelnen Fällen die Seiten. Dies geschieht jeweils meist fixiert auf einzelne Personen, wobei deren Agieren in unterschiedlichen Kontexten die gemeinten Vernetzungen veranschaulichen sollen.

Wie das Buch zu einem Dokumentarfilm

Diese Darstellungsform erklärt sich wohl auch dadurch, dass eben ein Filmemacher hier geschrieben hat. Das erleichtert und erschwert die Lektüre gleichzeitig. Denn einerseits werden anschaulich konkrete Ereignisse, Organisationen und Personen vorgestellt, andererseits verliert man durch die Fülle an Informationen auch den Überblick. So kommt etwa Franco A. eine besondere Relevanz beim Thema zu. Aussagen zu ihm finden sich aber über das ganze Buch verstreut. Dies gilt dann in weitaus höherem Maße auch noch für andere Sachverhalte.

Der geschilderte Inhalt wird nicht in einer klaren Systematik vermittelt. Gleichzeitig fehlt es meist auch an konkreten Bewertungen und Einschätzungen. Sie kommen erst am Ende in einem Schlusswort, wo es dann Aussagen darüber gibt, warum man hier nicht von einer „Schattenarme“, sondern eher von einer Zellenstruktur sprechen sollte. Dies ist eine beachtenswerte Deutung, die aber dann nur auf zwei bis drei Seiten ausgeführt wird. Gerade derartige Einsichten wären aber für eine Gesamteinschätzung wichtig.

Offene Fragen zu den Gründen für die Entwicklung

Darüber hinaus stellen sich auch viele Fragen zu den Hintergründen der geschilderten Sachverhalte. Gab es wirklich, wie der Untertitel nahelegt, eine Unterwanderung? Oder bestanden bereits vorher derartige Einstellungen bei den späteren Polizisten und Soldaten? Oder erfolgte gar eine Radikalisierung in diesen beruflichen Zusammenhängen? Recht ausführlich wird etwa der Fall des früheren KSK-Kommandanten Reinhard Günzel behandelt. Wie muss etwa seine Entwicklung in diesem Sinne eingeschätzt werden?

Ähnliches könnte zu drei ehemaligen Bundeswehrgenerälen gefragt werden, die nach ihrer Dienstzeit in rechtsextremistischen Kontexten publizierten. Sie kommen als Beispiele aber leider gar nicht vor. Beachtenswert sind immer die Aussagen darüber, wie gut oder schlecht die Sicherheitsbehörden über solche Zusammenhänge informiert waren. Auch wenn es sich Laabs hier mit Pauschalisierungen gelegentlich zu einfach macht, stellt er berechtigte Fragen, die Antworten auch in Richtung einer konstruktiven Selbstkritik nötig machen.

Dirk Laabs, Staatsfeinde in Uniform. Wie militante Rechte unsere Institutionen unterwandern, Berlin 2021(Econ-Verlag), 445 S., 24 Euro

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