Pleite für „Die Rechte“ in Erfurt

Von Kai Budler
06.07.2017 -

Zu einem groß angelegten Aufmarsch der Partei „Die Rechte“ in die thüringische Landeshauptstadt kam gerade einmal ein Viertel der erwarteten Teilnehmer. Die Redner sparten nicht mit Reminiszenzen an den Nationalsozialismus.

Nur wenige Teilnehmer beim DR-Aufmarsch in Erfurt; Photo: K.B.

Der seit vier Monaten beworbene Aufmarsch des Thüringer Landesverbandes der Neonazi-Partei „Die Rechte“ (DR) am 1. Juli in Erfurt entpuppte sich für die Organisatoren als Rückschlag. Von den angemeldeten 200 Teilnehmern waren gerade einmal rund 40 Personen zu dem Aufzug mit dem Motto „Volkswirtschaft statt Finanzlobbyismus“ erschienen. Starten sollte er ursprünglich vor dem Gewerkschaftshaus im Erfurter Süden, was dort eine Kundgebung der DGB-Jugend auf den Plan rief. In deren Pressemitteilung heißt es: „In ihrem Aufruf hetzen die Neonazis gegen Gewerkschaften und wollen eine ‚Volkswirtschaft statt Finanzlobbyismus‘ aufbauen. (…) Die Rattenfänger der rechten Kleinstpartei benutzen soziale Missstände um ihre rassistische und antisemitische Hetze zu verbreiten“. Die Versammlungsbehörde verlegte stattdessen den Platz der DR-Auftaktkundgebung vor den Erfurter Hauptbahnhof, wo Gegendemonstranten den Neonazis mit lauten Sprechchören und Musik zeigten, was sie von ihnen halten.

Parallel dazu versuchte der Organisationsleiter des Thüringer DR-Landesverbandes, Michel Fischer, die behördlichen Auflagen zu verlesen. Knapp 300 Meter später stoppte der Aufmarsch für eine Zwischenkundgebung. Doch waren im Vorfeld noch neun Redner angekündigt, traten während des gesamten Aufmarschs nur fünf Neonazis an das Mikrofon. Der DR-Bundesvorsitzende Christian Worch war zwar am Hauptbahnhof erschienen – er nahm aber weder an dem Aufmarsch Teil noch trat er als vorher angekündigter Redner auf. Dafür ergriffen unter anderem der sächsische Landesvorsitzende Uli-Carsten Bayer und der Thüringer DR-Bildungsbeauftragte, Roy Schuster, das Wort. Der Jugendbeauftragte der DR in Thüringen, Pascal Bluhm, fand in seiner Rede unumwunden deutliche Worte. Er endete mit dem Satz „Denn nur unter einer freien, souveränen, deutschen und nationalsozialistischen Fahne können wir eine intakte Volkswirtschaft im Sinne der Volksgemeinschaft des zukünftigen großdeutschen Reichs schaffen“.

„Eine nationalsozialistische Kraft“

Während des weiteren Aufmarschs setzten die Veranstalter offenbar auf das Motto „Relevanz durch Redundanz“ und spielten über die Lautsprecher immer wieder das eingelesene Parteiprogramm ab. Zur eigentlich geplanten Abschlusskundgebung auf dem Domplatz kam es nicht mehr, weil knapp 100 Personen den Weg der Neonazis auf den Platz verhinderten. Im Einmündungsbereich einer kleinen Zufahrtsstraße sprachen noch Enrico Biczysko als DR-Landesvorsitzender Thüringen und Michel Fischer. Der langjährig aktive Neonazi nannte DR eine „nationalsozialistische Kraft“ und forderte einen „nationalistischen Vernichtungsfeldzug gegen diese linksversiffte Landesregierung“.

Anschließend geleiteten die Polizisten die Neonazis zu einer Straßenbahnlinie, um sie so Richtung Bahnhof zu begleiten. Trotz der geringen Teilnehmerzahl nennen die Organisatoren den Aufmarsch „eine sehr gelungene Demonstration“ und rufen für den 7. Oktober zu einem weiteren Aufmarsch in Gera im Osten Thüringens auf.

„Hobbypatrioten“ von „Thügida“

Einen Beitrag zu der geringen Teilnehmerzahl am Samstag dürften die zeitgleich stattgefundene „Merkel muss weg“ -Demonstration in Berlin und das Rechtsrock-Open Air „Rock für Deutschland“ in Gera gehabt haben. Der äußerst schwach besuchte Aufmarsch ist jedoch nur eine weitere Schlappe der Neonazi-Partei „Die Rechte“ in Thüringen in der jüngsten Zeit. Bereits ein Wochenende zuvor war sie mit ihrem geplanten zweiten „Familienfest für hilfsbedürftige deutsche Familien“ im Erfurter Norden gescheitert. Stattdessen fand an dem geplanten Ort ein Fußballturnier mit dem Motto „Mit Fairplay für Vielfalt“ statt.

Und auch das Verhältnis der DR zum Neonazi-Netzwerk „Thügida“ ist inzwischen merklich abgekühlt. Waren „Die Rechte“-Anhänger noch am 5. November 2016 in Magdeburg hinter dem „Thügida“-Transparent gelaufen, glänzten sie im April dieses Jahares bei einer von David Köckert und Alexander Kurth initiierten „Thügida“-Aktion in Erfurt durch Abwesenheit. Kurz darauf schrieb Enrico Biczysko auf seinem Facebook-Profil: „Ich unterstütze ThüGIDA nicht! Mir tun die Herren leid und ich wünsche ihnen gute Besserung!“. Er bezeichnete „Thügida“ als „Hobbypatrioten“ und „Spalter“, mit denen keine Zusammenarbeit mehr möglich sei, so der DR-Landesvorsitzende und schrieb: „Du musst mal zu so einem Treffen gehen und dir alles mal anhören. Und wer die AfD und Le Pen verteidigt, hat eh’ nix im nationalen Lager zu suchen.“

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