Nach Waffenfund in Österreich: Wer ist Peter B.?

Von Anton Maegerle / Hans Stutz
14.12.2020 -

Die österreichische Polizei beschlagnahmte vergangene Woche eine große Menge Waffen. Der Hauptverdächtige, ein bekannter Neonazi, soll sie für deutsche „Kameraden“ besorgt haben.

Mit unzähligen Waffen wird Peter B. in Verbindung gebracht - mal wieder. Foto: Zsolt Vajda (Symbolfoto), CC BY-NC-SA 2.0

Waffenfunde bei Rechtsextremen sind nichts Außergewöhnliches, gehört ja die Gewaltakzeptanz zu den Grundpfeilern ihrer Weltanschauung. Außerordentlich ist diesmal die Menge der beschlagnahmten Waffen, mehr als 70 voll- oder halbautomatische Gewehre, dazu Maschinenpistolen, Handgranaten, Sprengstoff, Zünder und über 100.000 Schuss Munition. Eingesammelt vergangene Woche bei Hausdurchsuchungen in Österreich. In Gewahrsam sitzen nun sieben Personen, zwei in Bayern, fünf in Österreich, darunter eine Frau.

Gemäß österreichischen Medienberichten handelt es sich beim Hauptbeschuldigten um den knasterfahrenen 53-jährigen Österreicher Peter B. Er ist bereits Anfang der 1990er-Jahre als Neonazi aufgefallen, stand unter Briefbomben-Verdacht und ist vorbestraft wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung. Im Juni 2018 wurde er in Wiener Neustadt zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Wiederbetätigung und Vergehen nach dem Waffengesetz verurteilt. Zuvor wurde Binder im Januar 2018 vom Amtsgericht Passau wegen Einfuhr von Waffen und Suchtmitteln verurteilt.

Bereits Ende der 80er Teil der rechtsextremen Szene geworden

In Vernehmungen durch die Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit im Januar 1994 führte der 1967 geborene B., dass er 1988/89 in die rechtsextreme Szene kam. Tondokumente aus der NS-Zeit, insbesondere "Führerreden" und "alle Arten von Geschützlärm" und das "Kettengeräusch von rollenden Panzerfahrzeugen hätten ihn begeistert. Im Freundeskreis wurde die Symbolik des Ku Klux Klan (KKK) imitiert: Holzkreuze angezündet und selbstgemachte Kapuzen getragen. Aufmarschiert wurde im Tarnanzug und mit Stahlhelm.

1990 lernte B. im Wiener "Paulinerstübl", dem damaligen Stammlokal der "Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition" (VAPO), den österreichischen Neonazi-Führer Gottfried Küssel kennen. An den Stammtischrunden nahmen unter anderem Neonazis wie Franz Radl und Günther Reinthaler teil. Unmittelbar vor Jahresende 1990 war B. bei der Eröffnungsfeier des VAPO-Klublokals in der Wiener Hornpostelgasse zugegen. Stark vertreten bei der Eröffnungsfeier waren Gleichgesinnte aus der Bundesrepublik, darunter Bendix Wendt und Arnulf Priem aus Berlin, Ewald Althans aus München und Rene Wittmann aus Zittau.

1993: größtes Waffenlager der Nachkriegszeit entdeckt

Im Sommer 1991 robbte er bei einem paramilitärischen VAPO-Ausbildungslager durch die Weinberge bei Langenlois. Mit illegalen scharfen Waffen hatte B. erstmals Mitte März 1992 zu tun. Von einem aus dem Jugoslawienkrieg zurückgekehrten Neonazi-Söldner erwarb der Rechtsextreme eine Handgranate.

Während seiner VAPO-Zugehörigkeit hielt sind Binder immer wieder bei Bendix Wendt in Berlin auf. Mit diesem grub er am Randgebiet von Berlin Kriegsrelikte wie Panzerfäuste und Munition aus. Für 800 DM erwarb B. auf einem Berliner Flohmarkt eine Pistole der Marke "P1". Arnulf Priem überspielte ihm NS-Filme wie "SA-Mann Brandt" und "Hans Westmar".

Ende 1993 wurde B. an der tschechisch-österreichischen Grenze verhaftet. Im Kofferraum hatte er dreizehn Gewehre, fünf Pistolen, ein Bajonett sowie literweise Ingredienzen für Nitroglycerin - den Sprengstoff der Briefbomben. Bei den Schwiegereltern B.s stellten Ermittler das damals größte Waffenlager der österreichischen Nachkriegszeit sicher: Hunderte von Bazookas (Panzerbüchsen), Hand-und Mörsergranaten, 20 Kilo Sprengstoff TNT und jede Menge Munition.

Waffen seien auch für Deutschland bestimmt gewesen

Nach seiner Verurteilung wegen NS-Wiederbetätigung wurde B. von der mittlerweile verbotenen Neonazi-Truppe "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG) betreut. Er selbst meldete sich mehrfach in den "Nachrichten" der HNG zu Wort und entbot dort der Vorsitzenden Ursel Müller die "besten Heilsgrüße" im "neuen Kampfjahr!" Im Juli 1998 gratulierte der HNG-Vorstand B. zur Geburt seiner zweiten Tochter. Im Jahr zuvor hatte der Anstaltspsychologe der Justizanstalt Garsten dem dort Inhaftierten attestiert, dass es sich bei ihm "eher um einen Mitläufer" handele, "denn um einen politisch Radikalen". Der "Mitläufer" nahm im September 2002 in Berlin an der 20-Jahresfeier der "Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft" teil.

In einer Medienkonferenz erklärte der österreichische Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Samstag, die Waffen seien für die rechtsextreme Szene in Deutschland bestimmt gewesen, „möglicherweise“, um eine „rechtsradikale Miliz“ aufzubauen. Er stützte sich dabei auf Aussagen des mutmaßlichen Haupttäters. Der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl erklärte, die Entdeckung der Waffen zähle „zu den grössten Funden der letzten Jahrzehnte“. Bei den Waffen handle es sich in vielen Fällen um Kriegsmaterial.

Der Gruppe auf die Spur gekommen ist die Polizei bei Ermittlungen in einem größeren Geschäft mit illegalen Drogen. Mit dem Verkaufserlös soll der Hauptverdächtige die Waffen beschafft haben. Pikantes Detail: Er saß bereits in Haft in Wien-Simmering und erledigte seine Waffengeschäfte mit bayerischen Motorrad-Rockerklubs während des Freigangs. Auftraggeber sollen Rechtsextreme aus Nordrhein-Westfalen gewesen sein.

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