Martialische „NS Black-Metal“-Töne

Von Horst Freires
09.10.2017 -

In Kiew in der Ukraine findet kurz vor Weihnachten unter dem Titel „Asgardsrei“ ein Spektakel mit sechs NSBM-Bands statt, organisiert von dem Szene-Label „Militant-Zone“. Mit dabei ist auch die einschlägige Kultband „Absurd“.

Umtriebig rund um den NSBM-Bereich; (Screenshot)

Am 16. Dezember soll es in Kiew zu einem europäischen „Gipfeltreffen“ von sechs einschlägigen NSBM-Bands kommen. Wie bereits im Vorjahr versammeln sich dort Musiker der Richtung „National Socialist Black Metal“ unter dem Veranstaltungstitel „Asgardsrei“, der identisch ist mit einer Veröffentlichung der Thüringer Band „Absurd“ aus dem Jahr 1999.

Es verwundert nicht wirklich, dass „Absurd“ dieses Jahr zum dortigen Line-Up gehört. Hendrik Möbus als Ikone der Band besuchte vergangenes Jahr ebenfalls kurz vor Weihnachten das eintägige Festival in der ukrainischen Hauptstadt. Ihm zu Ehren spielten Bands auf der Bühne „Absurd“-Stücke. Die Thüringer Combo hat sich in den vergangenen Jahren sehr rar gemacht, spielte nur sehr selten live. Seit langem wird daher auch immer wieder über die häufiger wechselnde Besetzung spekuliert, ob Hendrik Möbus nun der Kopf ist, oder doch sein älterer Bruder Ronald das Sagen hat.

Der heute 41-jährige Hendrik Möbus, als „Satansmörder von Sondershausen“ bekannt, war in der Vergangenheit rechtskräftig zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Er wurde zunächst vorzeitig mit der Auflage einer Bewährung aus der Haft entlassen, fiel dann mit neonazistischen Handlungen und rassistischen Äußerungen auf, weshalb die Bewährung widerrufen wurde. Hendrik Möbus flüchtete vor seiner erneuten Inhaftierung zu William Pierce von der rechtsextremen „National Alliance“ in die USA. Mit einem Asylantrag dort scheiterte er, wurde nach Deutschland ausgeliefert und saß dann eine Reststrafe ab.

Öl in ein lodendes Feuer gießen

Neben dem eigenen Musizieren mit „Absurd“ haben die Möbus-Brüder, teils auf getrennten Wegen, nun schon viele Jahre ein geschäftliches Netzwerk rund um die NSBM-Szene aufgebaut: Label, Tonstudio, Versandhandel und Konzertagentur gehören dazu. Etliche Musiktitel von „Absurd“ sind von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert worden. Für einen ihrer Videoclips verwendete „Absurd“ beispielsweise Bilder aus dem Nazi-Film „Der ewige Jude“. Medienberichten zufolge soll Hendrik Möbus in Berlin leben. Aus einem Interview, das vom neurechten Portal „Zentropa“ im Vorjahr veröffentlicht wurde, geht hervor, dass Möbus den unter anderem auch von den „Identitären“ vertretenen kulturelitären Ansatz von Rückeroberung (Reconquista Europe) beziehungsweise Verteidigung (Defend Europe) teilt und über den nationalen deutschen Tellerrand hinaus argumentiert. Seine Kernaussage lautet dabei: „Ich halte es für sehr wichtig, dass Dispute über Ländergrenzen bald kein Thema innerhalb der europäischen ‚nationalen Bewegung‘ mehr sind.“

In Kiew suchen Möbus und „Absurd“ den Schulterschluss zu anderen sich militant und martialisch gebenden Bands, die sich alle bestens darauf verstehen zu provozieren und Öl in ein loderndes Feuer zu gießen. Die anstehende Veranstaltung ist aber weit mehr als  nur ein mehrstündiger brauner Kultur-Act der musikalischen Art vor 1200 fanatischen Besuchern. Im Vorjahr wurde das Konzert flankiert von der tags zuvor angesetzten Konferenz namens „Pact of Steel“. Dort kam es unter internationaler Beteiligung zu Diskussionen über einen gelähmten bis gefangenen und zu befreienden europäischen Kontinent. Diverse rechte Splittergruppen sehen sich im Stil von Befreiungsbewegungen berufen zu handeln, und wenn nötig, auch mit den Mitteln von Gewalt und Krieg. Aus Sicht der ukrainischen Rechten ist Russland dabei ein Feind. 

„Töten für Wotan“

Die Veranstalter und Organisatoren des Szene-Labels „Militant-Zone“ stehen deshalb nicht zufällig an der Seite der ausschließlich mit Freiwilligen bestückten nationalistischen Kampfverbände vom Asow-Regiment, in dem auch national gesinnte Paramilitärs aus anderen Nationen wie etwa Kroatien, Schweden, Italien oder Griechenland anzutreffen sind. Mitte Oktober 2016 hat sich als politischer Arm von Asow die Partei „National Corps“ gegründet, die damit trotz ideologischer Schnittmengen in Konkurrenz zu „Swoboda“ und dem „Rechten Sektor“ tritt. „National Corps“ plädiert geopolitisch für ein Staatenbündnis „Intermarium“, dass mindestens alle osteuropäischen Länder außer Russland mit Zugang zur Ostsee und zum Schwarzen Meer einbeziehen soll, also Weißrussland, Polen, Lettland, Litauen, Estland und eben die Ukraine.

Die militante rechtsextreme Gruppierung „Misanthropic Division“ (MD) agiert ebenfalls unter dem Asow-Dach. Sie hat sich als eigenständige Organisation in deren Truppen eingegliedert und verkörpert den Schlachtruf „Töten für Wotan“. MD verfügt über Sympathisanten in verschiedenen europäischen Staaten und angeblich auch in Nord- und Südamerika sowie in Australien. Auch deutsche Neonazis haben sich bereits mit MD-Banner gezeigt. Was im Zuge des Propagandakrieges zwischen Russland und der Ukraine bezüglich der MD-Aktivitäten, über die berichtet wird, allerdings Wahrheit und Mythos ist, lässt sich nur schwer herausfinden.

Werbung für Asow bei „Rock gegen Überfremdung“

Asow-Vertreter waren Ende Februar 2016 zu Gast bei der Neonazi-Partei „Die Rechte“ in Dortmund. Überliefert ist ebenso eine Stippvisite von Asow-Aktivisten im Juni 2016 in München. Sie besuchten dort Mitglieder vom „III. Weg“. Bei der internationalen Rechtsrock-Veranstaltung „Rock gegen Überfremdung“ am 15. Juli dieses Jahres im thüringischen Themar tauchten bei den über 6000 Besuchern auch Flyer in deutscher Sprache auf,  in denen für eine Mitarbeit bei Asow geworben wurde.

Geld für Asow trägt unter anderem ein umtriebiger Versand- und Onlinehandel zusammen. „Misanthropic“ wird dabei mit Modeartikeln ebenso als Marke propagiert wie „Walknvt“. Ebenfalls eingespannt in dieses Umfeld ist das Portal „Militant-Zone“, das sich vornehmlich rund um den NSBM-Bereich betätigt. Als Bindeglied zum NSBM fungiert dabei Alexey Levkin, Kopf der Band „M8L8TH“, die wie im Vorjahr auch bei der erneuten „Asgardsrei“-Auflage aufspielen soll. Levkin ist Russe, hat sich aber in die Ukraine abgesetzt, weil er in seinem Heimatland wegen seiner massiven rechtsextremen Betätigungen verfolgt wurde.

NSBM-Combos aus mehreren Ländern

Genau wie 2016 ist auch „Kommando Peste Noire“ (KPN) aus Frankreich für das Programm im Dezember vorgesehen. Die Band hat in diesem Jahr eigens Asow einen Videoclip gewidmet, den sie in Kiew aufgenommen hat und der den Titel „Der letzte Putsch“ trägt. KPN-Kopf Famine hat im Übrigen sowohl eine Split-CD mit „Absurd“ wie auch mit der finnischen NSBM-Band „Goatmoon“ angekündigt. Letztere gehören beim neuerlichen „Asgardsrei“ ebenso zum Line-Up. Dort taucht zudem die seit 1994 bestehende Band „Naer Mataron“ aus Griechenland auf. Deren Bassist und Sänger Giorgos Germenis ging  2012 als Mandatsträger der rechtsextremen Partei „Chrysi Avgi“ (Goldene Morgenröte) in die Politik. Die NSBM-Combo hat 2012 auch einen Tonträger beim Label World Terror Committee von Sven Z.  in Tangerhütte veröffentlicht. Z. war eine Weile Mitglied der Band „Absurd“. „Asgardsrei“-Vertreter in diesem Jahr ist auch die ukrainische Combo „Burshtyn“, die seit 2015 auf der Bildfläche ist.

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