Landtagswahlen: Wer wählte die AfD?

Von Armin Pfahl-Traughber
17.03.2021 -

Bei den letzten Landtagswahlen verlor die AfD jeweils ein Drittel ihrer Wähler. Dazu gehörten insbesondere jüngere Wähler. Ansonsten änderte sich an der sozialen Zusammensetzung ihrer Wählerschaft nicht viel. Interessant ist, wohin ihre früheren Wähler sich wandten.

Einen Großteil der früheren Wähler blieben diesmal zuhause und wählten gar nicht.

Am 14. März musste die AfD erstmals bei Landtagswahlen massive und nicht nur partielle Verluste hinnehmen, denn ein Drittel ihrer früheren Wähler stimmte nicht mehr für die Partei. In Baden-Württemberg erhielt man 9,4 Prozent und verlor demnach 5,4 Prozent, in Rheinland-Pfalz kam die AfD auf 8,3 Prozent und verlor 4,3 Prozent der Stimmen. Daher ist der Blick auf die soziale Zusammensetzung ihrer verbliebenen Wähler interessant. Auskunft darüber geben die Analysen der Forschungsgruppe Wahlen und von infratest dimap, worauf sich auch die folgenden statistischen Daten beziehen.

Eine besonders interessante Frage ist, wohin sich die früheren AfD-Wähler wandten. In Baden-Württemberg gingen 70.000 an die CDU, 40.000 an die FDP, 10.000 an die Grünen und 5.000 an die SPD. 110.000 gingen gar nicht mehr zur Wahl. In Rheinland-Pfalz gingen 7.000 an die SPD, 5.000 an die FDP, 4.000 an die CDU und 3.000 an die Grünen. 49.000 gingen gar nicht mehr zur Wahl. Demnach hatte die AfD auch ein Mobilisierungsproblem gegenüber früheren Wählern.

Weiterhin überdurchschnittlich viele Männer als Wähler

Blickt man auf die Daten zur sozialen Zusammensetzung, so ergeben sich keine besonderen Überraschungen. Die bekannten Auffälligkeiten konnten erneut bei beiden Landtagswahlen ausgemacht werden. Um die Einordnungen besser nachzuvollziehen, sei hier noch einmal an die Endresultate von 9,4 Prozent für Baden Württemberg und von 8,3 Prozent für Rheinland-Pfalz erinnert. Auch hier votierten Männer stärker als Frauen für die Partei, waren doch die Potentiale 12,1 zu 6,4 und 10,3 zu 6,0 Prozent, womit man es mit erkennbar großen und ungewöhnlichen Differenzen zu tun hat.

Bei den Altersangaben fiel auf, dass die Jüngeren und Älteren unterdurchschnittlich und die Wählergruppe zwischen 30 und 59 Jahren überdurchschnittlich stark für die AfD votierten. In Baden-Württemberg lagen die Werte einerseits zwischen 7,6 und 8,5 und andererseits zwischen 10,5 und 11,3 Prozent, in Rheinland-Pfalz lagen die Werte einerseits zwischen 5,5 und 6,3 und andererseits zwischen 10,2 und 10,8 Prozent, wobei es sich ebenfalls um deutliche Unterschiede handelt.

Weiterhin viele geringer Gebildete als Wähler

Gleiches gilt dann auch für den Gesichtspunkt formale Bildung, wobei hier die Ergebnisse für Hochschulreife und Hochschulabschluss unterdurchschnittlich und die Ergebnisse für Hauptschulabschluss und Mittlere Reife überdurchschnittlich waren. Sie bewegten sich in Baden-Württemberg einerseits zwischen 12,9 und 13,1 Prozent und andererseits zwischen 5,7 und 8,5 Prozent und in Rheinland-Pfalz einerseits zwischen 9,3 und 10,3 Prozent und andererseits zwischen 5,8 und 8,6 Prozent der Stimmen. Demnach gab es in der Gruppe mit Hochschulabschluss die geringste Zustimmung.

Bei den Berufsgruppen waren demnach auch die Arbeiter überproportional stark vertreten: In Baden-Württemberg waren es 26 Prozent und in Rheinland-Pfalz 12,2 Prozent, womit die AfD unter den Arbeitern die stärkste bzw. zweitstärkste Partei war. Damit entsteht in der Gesamtschau ein idealtypisches Bild von einem AfD-Wähler, der dann einer mittleren Altersgruppe angehört, eher Arbeiter ist, eine formal geringere Bildung hat und männlichen Geschlechts ist.

Kaum soziale Spezifika bei den verbliebenen AfD-Wählern

Da die erwähnten Eigenschaften die AfD-Wählerschaft auch bei früheren Wahlen kennzeichnete, ließen sich bei der in den beiden Landtagswahlen geschrumpften Wählerschaft keine Spezifika ausmachen. Allenfalls fiel auf, dass in der jungen Wählergruppe die Verluste besonders hoch ausfielen. Indessen war die AfD in dieser Altersgruppe ohnehin weniger mit höheren Zustimmungswerten präsent. Darin besteht übrigens ein Gegensatz zur NPD-Wählerschaft in den 2010er Jahren, votierten doch seinerzeit noch überdurchschnittlich viele jüngere Wähler für eine rechtsextremistische Partei.

Aus den Daten lässt sich übrigens nicht ableiten, wie der doch deutliche Rückgang in der Wählerzustimmung erklärbar ist. Belege für entsprechende Deutungen, die dafür auf eine mögliche Beobachtung durch die Verfassungsschutzbehörden oder ein in Corona-Zeiten fehlendes Mobilisierungsthema verwiesen, liefern sie nicht. Indessen dürften sich die aktuellen AfD-Wähler stärker mit der Partei identifizieren als die womöglich weggefallenen Protestwähler.

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