JA-Jubiliäum mit spärlicher Resonanz

Von Andrea Röpke
31.07.2018 -

Die Feier zum fünfjährigen Bestehen der „Jungen Alternative“ fällt eher bescheiden aus. Von der Öffentlichkeit wird sie nicht wahrgenommen, obwohl sich extreme Rechte unter den Gästen befinden.

JA-„Sommerfest“ im bescheidenen Rahmen; Photo: Otto Belina

Der schwarze Wagen mit Berliner Kennzeichen fährt langsam vor. Er wendet und parkt. Vier durchtrainierte Personen steigen aus. Einer trägt gut sichtbar eine Waffe im Holster. Sie gehen zum Kofferraum, dort kleiden sie sich mit schusssicheren Westen ein. Dann gesellt sich ein Glatzkopf mit Nickelbrille zu ihnen. Es ist Andreas Kalbitz, Chef der „Alternative für Deutschland“ in Brandenburg. Kalbitz hat eine dubiose rechte Vergangenheit, will angeblich nur neugierig 2007 ein Lager der neonazistischen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ besucht haben. Das „Sommerfest“ der „Jungen Alternative“ (JA) in Bottmersdorf nahe Magdeburg soll eigentlich am Sonntag um 11.00 Uhr starten, noch zwei Stunden später stehen die Gäste auf dem Innenhof oder an der Straße herum. Zum Telefonieren und Rauchen verlassen sie wie Kalbitz das Gelände.

Seit Freitag schon feiern erstaunlich wenige Personen das fünfjährige Bestehen der Bundes-JA. Während am Samstag auf dem Dorfsportplatz Fußball gespielt wurde und das Team „Lützower Freibierjäger“ den ersten Platz belegte, fand am Abend die „JA-Party“ mit DJ und „Partyspielchen“ statt. Sonntagmorgen gab es zunächst anscheinend Frühsport. Es ist sehr heiß. Der Boden flimmert. Die Teilnehmer beginnen allmählich sich umzuziehen, auch direkt an ihren Fahrzeugen. Einer steht dort in Unterhose und begrüßt Anreisende. Auf dem Anwesen des Landtagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt in Bottmersdorf ist ein weißes Zelt errichtet worden. Der alte verwinkelte Hof ist abgeschirmt, zum Teil von hohen Mauern umgeben. Der Haupteingang ist versperrt. Ein „Bissiger Hund“-Schild soll unliebsame Besucher abschrecken.

„Jubiläumsfeier mit hochkarätigen Gästen“

Nur eine Gasse entfernt liegt ein Gasthof mit dem Namen „Germania“. Der Parkplatz dort ist gut gefüllt, auch Autos aus Polen und Ungarn stehen dort.  Aber mehr als 60 Personen dürften sich am Sonntag nicht bei der „Jubiläumsfeier mit einigen hochkarätigen Gästen“ aufhalten. Der neue Vorsitzende der AfD-Jugend Damian Lohr prahlt in einem bei YouTube veröffentlichtes Video zum fünfjährigen Jubiläum, die JA sei 2013 von nur 50 Leuten in Darmstadt gegründet worden und verfüge heute über 16 Landesverbände. „Wir haben starke Strukturen“, sagt Lohr da. Das Video wurde nur knapp über 500 Mal angeklickt.

Politischen Protest gibt es in Bottmersdorf, einem Ortsteil von Wanzleben, keinen. Auch von der regionalen Polizei ist während der rechten Feierlichkeiten am Sonntag nichts zu sehen. Kein unauffällig abgeparktes Fahrzeug ist an einer der kleinen Dorfstraßen zu sehen. Daher verwundern die vier bewaffneten Berliner Personenschützer. Ist ihr Einsatz, so hoher personeller Aufwand gerechtfertigt? Sie kamen scheinbar ohne Schutzperson im Wagen, und hatten es auch nicht eilig auf das Festgelände zu kommen, ließen sich Zeit, plauderten. Die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch ist auf dem Innenhof zu sehen. Einer der Bewaffneten, besonders auffällig mit Sonnenbrille und geschlossenem Anzug, postiert sich in ihrer Nähe. Sie wird eine Rede halten, ebenso Damian Lohr sowie der verurteilte mutmaßliche frühere Hooligan und jetzige AfD-Parlamentarier, Sebastian Münzenmaier, Vorsitzender des Tourismusausschusses des Bundestages. Bei ihm waren bei einer Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit einem Überfall auf Ultras des FSV Mainz Teleskopschlagstock und Sturmhaube gefunden worden.

Sympathien für die „Identitären“

Einem Wagen aus Teltow im Fläming entsteigt Martin Reichardt, ebenfalls Bundestagsabgeordneter. 2018 übernahm der ehemalige Zeitsoldat aus Goslar als Nachfolger von André Poggenburg den AfD-Landesverband in Sachsen-Anhalt. Etwas nervös inspiziert Stefan Träger seinen auf dem Gras geparkten gepflegten BMW. Der Ex-NPDler arbeitet im Wahlkreisbüro des  Hausherrn des „Sommerfestes“ Jan Wenzel Schmidt. Der ebenfalls anwesende Geschäftsführer der AfD, Robert Farle, war in der Vergangenheit lange Jahre Mitglied der DKP in Nordrhein-Westfalen. 2016 erzielte er für die AfD ein Direktmandat im Saalekreis. Aus Nordrhein-Westfalen kommt ein weiterer Gast, der Kölner AfDler Rainhard Krasson. Ein Mitarbeiter der „Alternative für Deutschland“ aus Erfurt kutschiert zwei sehr junge Männer zum Anwesen, einer von ihnen trägt ein JA-Shirt.

Felix Koschkar aus dem Vorstand der JA in Sachsen, machte in der Vergangenheit laut Medienberichten keinen Hehl aus seiner Sympathie für die neurechte „Identitäre Bewegung“. Aus deren Reihen sind junge Leute aus Magdeburg angereist. Einer von ihnen ist den Recherchen des antifaschistischen Blogs LSA-rechtsaußen.net zufolge Sänger einer Magdeburger Band, die beim Neonazi-Label Opos veröffentlichte. Gegen eine Abgrenzung von den „Identitären“ plädierte auch der langjährige mecklenburgische JA-Landesvorsitzende Robert Schnell. Er hatte in der Vergangenheit erklärt, dass es von seinem Verband keine Distanzierung zu den extrem Rechten geben werde. Schnell steht auf dem Hof und unterhält sich.

Männerdominierte Kaderveranstaltung

Aus dem Altmarkkreis kommt eine Gruppe von JA-Gästen, die sich nicht – wie zum Beispiel der ebenso eitle wie umstrittene JAler Lars Steinke aus Göttingen – in Schale geschmissen haben. Einer von ihnen wird Experten zufolge der regionalen rechten Szene zugeordnet. Das Konterfei des Reichskanzlers Otto von Bismarck prangt auf dessen schwarzem Shirt. Darüber hängt eine dicke Kette. Bismarcks Zitat „Wo das Müssen beginnt, hört das Fürchten auf“ gestaltet auch die improvisierte Bühne auf dem Festzelt, das ist auf Fotos bei Facebook erkennbar. Ungeniert pinkeln einige der Gäste unweit des Eingangs an die alten Wände des Anwesens.

Alles in allem entsteht nicht der Eindruck, als sie die kleine Feierlichkeit irgendeiner Gefahr von außen ausgesetzt. Man ist unter sich in Bottmersdorf. Der Frauenanteil an diesem Sonntag ist gering. Die wenigen jungen Damen, die dabei sind, tragen betont festliche Kleider. Wie auch Anna Leisten, die stellvertretende Vorsitzende der JA in Brandenburg. Auf den von der JA veröffentlichen Fotos sind sie dann nur ganz am Ende der beiden Tischreihen im Zelt wieder zu finden. Die dreitägige Zusammenkunft ist ohne Zweifel eine männerdominierte Kaderveranstaltung. Es scheint vorrangig ums Feiern und den Aufbau interner Strukturen zu gehen, von den Inhalten der Reden sickerte bislang nichts durch.

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