„Das Prinzip Stören“ – ein neues journalistisches Buch zur AfD

Von Armin Pfahl-Traughber
23.04.2021 -

Die beiden Journalistinnen Katja Bauer und Maria Fiedler legen mit „Die Methode AfD“ ein neues Buch zur Partei vor. Es beschreibt hauptsächlich die Entwicklung der Partei und ihr demokratietheoretisch problematisches Vorgehen. Es gibt aber auch immer wieder analytisch interessante Aspekte.

Die AfD ist mittlerweile in vielen Büchern ein Thema. Um daher eine besondere Aufmerksamkeit auszulösen, bedarf es einer besonderen Problemstellung. „Die Methode AfD“ als Titel legt eine solche nahe. Indessen geht es in dem Buch doch nicht primär und systematisch um das Vorgehen. Eher liegt eine Art Chronologie der Ereignisse vor. Gleichwohl reichern der beiden Autorinnen Katja Bauer und Maria Fiedler ihre Monographie immer wieder mit reflexionswürdigen Thesen und Zuspitzungen an. Beide arbeiten als Journalistinnen für die „Stuttgarter Nachrichten“ bzw. den „Tagesspiegel“.

So haben sie auch die Entwicklung in den letzten Jahren verfolgt, welche dann bezogen auf bestimmte Aspekte in den jeweiligen Kapiteln den inhaltlichen Kern ausmacht. Am Beginn steht dabei die Bundestagswahl 2017, gab es an deren Abend doch bereits martialische Verkündigungen. Danach wollte Alexander Gauland die Kanzlerin Merkel „jagen“ und man wollte sich „das Land“ zurückholen. Dies seien keine rhetorischen Ausrutscher gewesen.

Entwicklungsprozess immer weiter nach rechts

Dementsprechend zeichnen die Autorinnen auch im ersten Kapitel einen Radikalisierungsprozess nach. Dabei veranschaulichen sie an einzelnen Ereignissen und Personen, dass die Anhänger des rechten „Flügel“ immer mehr Relevanz verbuchen konnten. Der offensichtlichste Ausdruck davon war, dass gemäßigtere Führungskräfte die Partei verließen. Bei diesen Ausführungen gelangen Bauer und Fiedler indessen kaum über eine Nacherzählung des Prozesses hinaus.

Angereichert werden diese Ausführungen indessen noch durch Exkurse, wo Aussagen von frustrierten Ehemaligen dokumentiert werden. Sie zeichnen unabhängig voneinander ein ähnliches Bild: Demnach kam es zu einem schrittweisen Entwicklungsprozess immer weiter nach rechts. Die Autorinnen veranschaulichen dessen Bedeutung gegen Ende noch anhand von zehn Thesen. Und hier offenbaren sie auch ihre analytischen Kompetenzen, die im Buch indessen bei den Darstellungen noch einen viel höheren Stellenwert hätten einnehmen können.

Das „Prinzip Stören“

Danach geht es um das „Prinzip Stören“, womit die Arbeit im Bundestag gemeint ist. Gleichwohl ist eine solche Formulierung womöglich schief, denn von einer konstruktiven Tätigkeit kann kaum gesprochen werden. Deutlich machen die Autorinnen, dass von Anfang an der Bundestag mit Inszenierungen als bloße Propagandabühne genutzt wurde. Dies ließ sich auch im nicht-öffentlichen Bereich konstatieren, berichten doch Mandatsträgerinnen von anderen Parteien über sexistische Sticheleien.

Bauer und Fiedler beschreiben danach anhand von Programmen und Reden, wie sich die AfD ein anderes Land vorstellen würde. Indessen hätte hierbei auch manche Äußerung hinsichtlich ihrer realen Konsequenzen weiter gedacht werden können, denn der AfD geht es keineswegs um eine Gesellschaft wie in den 1950er Jahre. Und schließlich thematisieren die Autorinnen die Handlungsorientierung der Partei, wobei sie auch auf die internen Konflikte um die richtige Strategie eingehen. Hier hätte indessen stärker thematisiert werden können, ob es sich um grundsätzliche Differenzen oder nur um taktische Fragen handelt. Für die Gesamteinschätzung ist das wichtig.

Gut lesbare Überblicksdarstellung

Das anschaulich geschriebene Buch schließt mit einigen Thesen, welche genauere Erörterungen nach sich ziehen sollten. Es heißt etwa: „Die AfD ist erfolgreich, wenn andere ihre Themen oder Begriffe übernehmen“ oder: „Es kommt weniger darauf an, was die AfD tut, sondern mehr darauf an, was die anderen tun“. Beides sind zutreffende Einsichten, die gegen eine mitunter auszumachende Erstarrung gegenüber diesem politischen Phänomen hervorgehoben werden sollten. Das Buch liefert in der Gesamtschau den Kennern der Materie wenig neues, es erinnert an die Berichte aus den Medien in der letzten Zeit.

Demgegenüber hätten die Autorinnen mehr analytische Einschätzungen präsentieren können. Ihre einschlägigen Kompetenzen dokumentieren sie mit den erwähnten zehn Thesen. Damit formulieren Bauer und Fiedler differenzierte und exakte Postulate zum gemeinten Zusammenhang. Darüber hinaus ist der Eindruck auch ein wenig vom Erwartungshintergrund des Lesers abhängig, eine gute journalistische Darstellung liegt aber auf jeden Fall vor.

Katja Bauer/Maria Fiedler, Die Methode AfD. Der Kampf der Rechten: Im Parlament, auf der Straße und gegen sich selbst, Stuttgart 2021 (Klett-Cotta), 326 S., 20 Euro

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