Das Frauenproblem der AfD

Von Kai Budler
20.12.2019 -

Weil die „Alternative für Deutschland“ (AfD) bei Frauen „Sympathieprobleme“ registriert, versucht die Partei, verstärkt Frauen als Wählerinnen und Mitglieder rekrutieren. Auch eine Frauen-Selbstorganisation in der AfD will stärker in die Öffentlichkeit drängen.

AfD-Frauenverein will mit einer Veranstaltung im Februar auf sich aufmerksam machen; © K.B.

Wie kann der Stimmanteil für die „Alternative für Deutschland“ (AfD) bei Frauen erhöht werden? Diese Frage stellt sich die AfD wahrscheinlich nach jeder Wahl, denn die Partei wird von deutlich weniger Frauen als Männer gewählt. Bei der jüngsten Landtagswahl in Thüringen wurde die AfD bei den männlichen Wählern mit 29 Prozent stärkste Kraft, mit 18 Prozent avancierte sie bei den Wählerinnen nur zur dritten Kraft. Diese Differenz zeigte sich auch bei der Bundestagswahl 2017. Der Stimmenanteil für die AfD lag bei Männern bei 16,2 Prozent, bei Wählerinnen waren es sieben Prozentpunkte weniger.

„Defizit der AfD bei den weiblichen Wählern als Problem erkennen“

Doch nicht nur bei den Wahlen ist die AfD für Frauen weniger attraktiv als für Männer, auch der Anteil von Frauen als Parteimitglieder spricht Bände: So gelang es der Partei in den fünf Jahren ihrer Existenz, den Frauenanteil lediglich um 1,7 Prozent zu steigern. Unter den im Bundestag vertretenen Parteien hatte die AfD mit 17,1 Prozent Ende 2018 die wenigsten Frauen als Mitglieder: nicht einmal jedes fünfte Parteimitglied ist weiblich. Bei den fünf anderen Parteien liegt der Frauenanteil durchschnittlich bei 30 Prozent. Zwar dränge sich der Eindruck auf, „dass es manchem in der Partei egal ist, ob die AfD auch bei weiblichen Wählern hohe Resonanz findet“, schnaubt der AfD-Politiker Georg Pazderski. Und ergänzt, dieses „Defizit der AfD bei den weiblichen Wählern muss von einigen überhaupt erst als ein Problem erkannt werden, da es dem weiteren Aufstieg der AfD zur Volkspartei im Wege steht“. Der Passus findet sich auf Seite 15 des insgesamt 72-seitigen Papiers „Strategie 2019-2025. Die AfD auf dem Weg zur Volkspartei“, das Padzerski, Berliner Landesvorsitzender der AfD und Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, vorgelegt hatte, als er noch einer von drei stellvertretenden AfD-Bundessprechern war. Im Juli 2019 wurde das insgesamt 72-seitige Strategiepapier vom AfD-Bundesvorstand verabschiedet. Neben Rentnern und Erstwählern werden darin auch bei Frauen aus Sicht der AfD „Sympathieprobleme“ registriert, sie seien „die größte, in der Wählerschaft der AfD unterrepräsentierte Gruppe“.

Partei attraktiver für Frauen machen

Dies sorgte innerhalb der Partei bereits für einige Diskussionen, doch eine Reihe von eingebrachten Lösungsvorschlägen zeuge „eher vom Wunschdenken und Gefühlen als von einer an den Fakten orientierten Vorgehensweise“, heißt es in dem Papier. Für die Lösung des Problems ist in dem Maßnahmenplan des Papiers vorgesehen, eine „(Sub-)Strategie“ zu entwickeln, „wie der Stimmanteil der AfD bei den weiblichen Wählern insbesondere in ihren Zielgruppen erhöht und die Partei für weibliche Mitglieder attraktiver werden kann“. Dabei könnte die Partei eigentlich auf die eigenen Strukturen zurückgreifen. Immerhin gibt es seit dem von Leyla Bilge, Mitarbeiterin eines AfD-Abgeordneten, im November 2018 im Bundestag initiierten „Alternativen Frauenkongress“ den eingetragenen Verein „FridA – Frauen in der Alternative für Deutschland“ mit der Schirmherrin und Bundestagsabgeordneten Nicole Höchst. Der Verein solle, so Höchst, „die Schwelle etwas herabsetzen, die viele Frauen daran hindert, uns Alternative für Deutschland zu kontaktieren, weil sie der üblen Propaganda aufgesessen sind, die ja über uns kursiert“.

Unter den 13 Gründungsmitgliedern des Vereins war die Vorsitzende Anja Markmann, die schon zu Beginn klarstellte, worum es ging: „Wir sind eben keine linksgrünen männerhassenden Frauen, die gegen ein vermeintliches Patriarchat kämpfen wollen, sondern Frauen, die allesamt mitten im Leben stehen und sich für eine vernünftige alternative Politik einsetzen – das unterscheidet uns von den Frauenorganisationen der Altparteien“. Weiter schrieb Markmann schon vor der Gründungsveranstaltung: „Mit Hilfe gezielter Aktionen (Seminare, Vorträge, Konferenzen, Umfragen) soll zukünftig die Stimme der Frauen in der AfD lauter und hörbarer werden. Zu wenige Frauen engagieren sich derzeit aktiv in der Politik, klagen aber auf der anderen Seite darüber, dass für sie wichtige Themen nicht ausreichend Beachtung finden“. Doch nicht einmal ein Jahr später ist von „FridA“ nichts mehr zu hören, im Sommer 2019 ging die Vereins-Homepage offline.

AfD-Frauenverein aus Bayern

Dafür gibt es nun den Verein „FrauenAlternative“ (FAlter e.V.) mit Sitz im bayrischen Schmiechen. Die Vereinssatzung wurde im März errichtet, die Eintragung des Vereins erfolgte vier Monate später. Vorsitzende des Vereins ist die bayrische AfD-Politikerin Heike Themel. Sie ist nach eigenen Angaben stellvertretende Landesvorsitzende des AfD-Mittelstandsforums und Schriftführerin der im April 2019 in Würzburg gegründeten „Friedrich-List-Gesellschaft zur Förderung der heimischen Wirtschaft e.V.“. Nach eigenen Angaben versteht sich der Verein „als überparteiliche, wirtschaftsliberale und unternehmernahe Denkfabrik, die sich in erster Linie deutschen Interessen verpflichtet fühlt“. Als Themels Stellvertreterin fungiert Alexandra Kloß aus Thüringen, die bereits bei der Gründung von „FridA“ als Vorstandsmitglied aufgeführt worden war und als Chefredakteurin des Blattes „Klartext aus dem Bundestag“ des Thüringer AfD-Parlamentariers Stephan Brandner genannt wird.

Auch Beate Prömm tauchte bei der Gründung von „FridA“ als Vorstandsmitglied auf und wird nun als zweite stellvertretende Vorsitzende von „FAlter e.V.“ gelistet. Prömm war ursprünglich Mitglied der Piraten-Partei in Bremen, kandidierte 2016 als AfD-Direktkandidatin für das Berliner Abgeordnetenhaus und arbeitet mittlerweile als Büroleiterin eines Thüringer AfD-Bundestagsabgeordneten. Im März 2019 war sie in Erfurt bei der „Jungen Alternative“ (JA) zu Gast und referierte über Positionen und die Arbeit von Falter. Als Referentinnen werden neben der Vereinsspitze Leyla Bilge und Christiane Christen genannt, die fremdenfeindliche „Frauenmärsche“ oder Demonstrationen von „Kandel ist überall“ organisiert haben. Wegen ihrer Zusammenarbeit mit dem ehemaligen NPD-Funktionär Sascha Wagner stand Christen, ehemalige Vize-Vorsitzende der AfD in Rheinland-Pfalz, bereits vor dem Rauswurf.

„Frauenkongress“ im Februar an geheimem Ort

Ebenso wie „FridA“ erhielt „FAlter“ bislang auch innerparteilich wenig Aufmerksamkeit. Dies will der Zusammenschluss nun offenbar ändern und drängt mit seiner Veranstaltung „Frauenkongress“ verstärkt in die Öffentlichkeit. Anberaumt ist die achtstündige Veranstaltung, die auch unter dem Titel „Unsere Stimme für die Zukunft“ beworben wird, für den 8. Februar in München. Angeblich waren Mitte Dezember nur noch wenige Plätze frei. Der genaue Ort muss per Mail bei Heike Themel erfragt werden, sie selbst redet von „einem absoluten Hotspot“ und einer „geschichtsträchtigen Location“, in der „Moderne auf Geschichte“ trifft. Die „FAlter“-Vorsitzende will über „Handwerksfamilien und Selbstständigkeit im Wandel“ referieren, ihre Vorstandskollegin Christen soll über „Die konservative Frauenbewegung gestern und heute“ sprechen und von Bilge ist ein Vortrag zum Thema „Die Macht der Frau in der Politik“ angekündigt.

Unter dem Titel „Wirtschaftlichkeit und Weitsicht“ soll die AfD-Fraktionsvorsitzende im bayrischen Landtag, Katrin Ebner Steiner, über „Eine Ökonomie aus weiblicher Perspektive“ informieren, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Vizechefin der AfD in Brandenburg Birgit Bessin, wird mit einem Vortrag „Schule und Gender: Wissensvermittlung oder ideologisierte Erziehung“ angekündigt. Sie gehörte zu den Erstunterzeichnern der „Erfurter Resolution“, dem Gründungsdokument des völkischen Netzwerks „Der Flügel“ und trat mehrfach als Rednerin bei der fremdenfeindlichen Gruppierung „Zukunft Heimat“ in Cottbus auf. Auch die AfD-Politikerin und früher für die „Bild“-Zeitung tätige Journalistin Linda Amon ist als Rednerin angekündigt. Sie war Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Dachau-Fürstenfeldbruck, bis im April 2017 bekannt wurde, dass sie maßgeblich an einer Schleichwerbungs-Aktion einer Privatklinik und ihres Leiters beteiligt gewesen war. Amon zählt zum Organisationsteam des Netzwerks „Kandel ist überall“ und trat bei Pegida in Dresden als Rednerin auf. Beim Kongress in München ist sie für das Thema „Freiheit, Schutz und Sicherheit der Frau in unserem Land“ zuständig. Der einzige männliche Referent ist der AfD-Politiker Wolfgang Dörner, der 2016 in den Vorstand des „Mittelstandsforums“ in Bayern gewählt wurde. Der Chemiker und langjährige AfD-Bezirksvorsitzende Mittelfranken kandidierte für die AfD bei der Landtagswahl in Bayern 2018. In München referiert er Anfang Februar über „Frauen im Mittelstand“.