Brauner 1. Mai in Wismar

Von Rike Schröder
03.05.2019 -

Unter dem Motto „Arbeit – Zukunft – Heimat“ hat der NPD-Landesverband seinen diesjährigen 1. Mai-Aufmarsch in Wismar durchgeführt. Nahezu ungestört marschierten die Rechtsextremisten auf ihrer Route von rund neun Kilometern durch die Hansestadt.

Unter dem Motto „Arbeit – Zukunft – Heimat“ marschierte die NPD durch Wismar; Photo: Ronny Wolff

Die NPD in Mecklenburg-Vorpommern marschierte in diesem Jahr unter dem Motto „Arbeit – Zukunft – Heimat“ am 1. Mai durch Wismar. Mit Ausnahme des vergangenen Jahres veranstaltet die NPD jährlich ihren 1. Mai-Aufmarsch in wechselnden Städten. In diesem Jahr war die Wahl auf die Hansestadt Wismar gefallen.

Ab der Mittagsstunde versammelten sich bis zu 300 NPD-Anhänger am  Startpunkt in der Nähe des Wismarer Bahnhofes. Ein Großteil reiste mit dem Zug an. Neben einigen NPD-Mitgliedern aus Mecklenburg-Vorpommern und Anhängern der lokalen rechten Strukturen gesellten sich auch Neonazis aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Brandenburg und Niedersachsen hinzu. Auffällig war das Fehlen einiger Kader der Szene. 

Nachdem die NPD aus dem Landtag Mecklenburg-Vorpommerns ausgeschieden ist, zeigen sich vor allem ehemalige Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion nur noch selten oder gar nicht mehr in der Öffentlichkeit bei Parteiveranstaltungen. Nachdem sie als NPD-Angestellte ein ruhiges Leben hatten, müssen sich einige wieder verstärkt um ihren Lebensunterhalt kümmern. Weniger überraschend war hingegen das Fehlen großer Teile der kameradschaftsähnlichen Struktur „Dorfgemeinschaft Jamel“. Mit unter den fehlenden NPD-Kadern waren die Jameler Sven Krüger oder Tino Streif, die in der Vergangenheit kommunale Mandate der NPD inne hatten.  

Zwischenkundgebung mit Udo Pastörs

Der NPD-Aufmarsch zum 1. Mai verlief überwiegend ungestört. Nachdem der Anmelder und NPD-Landesvorsitzende Stefan Köster die Auflagen verlesen hatte, setzten sich die NPD-Anhänger in den üblichen, geordneten Reihen in Bewegung. Die Route führte entlang des historischen Hafens über die Hauptverkehrsader zum Wismarer Brennpunkt-Viertel Friedenshof bis zum Markt. Insgesamt hatte die  Aufmarschroute eine Länge von rund neun Kilometern.

An der ersten Zwischenkundgebung in der Nähe des Gebetsraums der muslimischen Gemeinde bestritt der frühere Vorsitzende der NPD-Landtagsfraktion Udo Pastörs die erste Rede. In altbewährter Manier referierte der geübte Redner Pastörs unter anderem über einen „Angriff auf die Identität“ oder eine „biologische Kriegsführung“. Pastörs, der 2014 auch NPD-Bundeschef war, strapazierte knapp eine halbe Stunde die Nerven der Zuhörer. Vor allem Neonazis, die sich eher in den so genannten „Freien Kräften“ strukturieren, zogen es vor, sich mit ihren Umstehenden zu unterhalten oder Eis im nahe gelegenen Spaßbad zu holen.

Redner aus der „Reichshauptstadt“

Die Hauptkundgebung der NPD fand auf dem Markt umgeben vieler Wahrzeichen und Touristenattraktionen Wismars statt. Ein großes Transparent mit der Aufschrift „Welcome“ in verschiedenen Sprachen hieß den NPD-Aufmarsch willkommen. Auch das Bündnis „Wismar für alle" hatte drei Transparente am Markt aufgehängt. Stefan Köster, der den Tag zu dem Zeitpunkt schon längst als Erfolg feierte, amüsierte sich über den Slogan. Nach seiner Aussage schließe ein „Wismar für alle" die NPD nicht aus. Er kündigte Sebastian Schmidtke als Redner aus der „Reichshauptstadt“ an. Im Anschluss redete Köster selbst. Wie bereits bei der Zwischenkundgebung zogen auch hier etliche Neonazis es vor, sich anderweitig zu beschäftigen.

Zeitgleich zu Beginn des NPD-Aufmarsches hatte sich eine Demonstration unter dem angemeldeten Motto „Internationaler 1. Mai –Kundgebung und Umzug für den Frieden und Völkerverständigung“ positioniert. Die Demonstration reihte sich ein in mehrere Veranstaltungen des Bündnisses „Wismar für alle“. Mit rund 1100 Personen war die Anzahl für Wismarer Verhältnisse ungewöhnlich hoch. Die demokratischen Parteien, die sich mitten im Wahlkampf befinden, nutzen die Chance auf Fotos in den ersten Reihen. In der ersten Reihe der Friedens-Demo lief der Wismarer Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) am Fronttransparent.

Der NPD den symbolträchtigen Platz überlassen

Trotz der hohen Teilnehmerzahl bei der Friedens-Demo konnte die NPD nahezu ungestört durch die Straßen der Hansestadt marschieren. Aufgrund der entgegengesetzten Richtung der Friedens-Demo zum NPD-Aufmarsch und der zeitlichen Taktung wartete man vergeblich auf Protest in Sicht- und Hörweite. Nur vereinzelt befanden sich in Altstadt-Nähe kleine Personengruppen am Rand, die gegen die NPD protestierten.

Nach der Zwischenkundgebung der Friedens-Demo auf dem Markt verließ diese ihn wieder Richtung Hafen und überließ der NPD den symbolträchtigen Platz. Die strategische Positionierung der Polizeifahrzeuge lässt darauf schließen, dass die Einsatzleitung den unmittelbaren friedlichen Protest auf dem Markt geduldet hätte. Doch ein Großteil der 1100 Teilnehmer/innen der Friedens-Demo hatte sich scheinbar in Luft aufgelöst. Anscheinend war der direkte Protest seitens der „Wismar für alle“-Organisatoren nicht gewollt.