Braune Sport-Events mit Hassmusik

Von Horst Freires
22.02.2019 -

Die rechte Szene hat Kampfsport-Veranstaltungen fest in ihr Aktionsportfolio eingebunden. Im In- und Ausland starten Neonazis bei Turnieren oder bieten Trainingsseminare an. Häufiger finden diese martialischen Meetings im Zusammenspiel mit Rechtsrock-Konzerten statt.

KdN hat in der rechten Kampfsport-Bewegung eine Pionierrolle; (Screenshot)

Für den 23. März kündigt die Kampfsport-Organisation „Kampf der Nibelungen“ (KdN), die sich als Erkennungslogo ein Lindenblatt verordnet hat, ein Selbstverteidigungsseminar im „Raum Ruhrgebiet“ an. Durch die Beobachtungen der vergangenen Jahre hat sich gezeigt, dass sich das KdN-Umfeld speziell aus Aktivisten der Region Dortmund zusammensetzt. Für die anvisierte Schulung richtet sich das Augenmerk auf „Grundlagen Selbstverteidigung, Straßenkampf und klassisches Kickboxen“.

Im Jahreskalender der rechtsextremen Kampfturniere taucht auch die mittlerweile fünfte Veranstaltung von „Pro Patria“ in Athen auf, dieses Jahr für den 6. April terminiert. Im Vorjahr nahm unter anderem ein Kämpfer der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ (JN) an den internationalen Wettkämpfen in Griechenland teil, wie die JN anschließend selbst mitteilten. Das Motto im Vorjahr lautete „Söhne Mazedoniens“ und war eine Anspielung auf den schwelenden Namenskonflikt zwischen Griechenland und Mazedonien. Bei entsprechenden nationalistischen Protesten im Vormonat in Athen gab es gewalttätige Straßenkämpfe mit Angriffen auf die Polizei, involviert waren dabei neben Hooligans offenbar auch kampferprobte Neonazis. Vor diesem Hintergrund bekommt der KdN-Hinweis auf Straßenkampftraining durchaus eine besondere Bedeutung.

Kampfgruppen mit eigenem Modelabel

Gekoppelt ist das „Pro Patria“-Kampfsportmeeting in Athen mit dem Auftritt von drei Rechtsrock-Bands. Angekündigt werden neben den „Battle Dogs“ aus Griechenland noch „Green Arrows“ aus dem italienischen Südtirol, die Tonträger über die deutschen Labels PC Records (Chemnitz) und Rebel Records (Cottbus) veröffentlichen, sowie die deutsch-österreichische Combo „Terrorsphära“, von der die besondere Anbindung zur rechten Kampfsport-Szene bekannt ist. „Terrorsphära“ stand erst vergangenen Dezember beim „Asgardsrei“-Festival in Kiew auf der Bühne.

Als Unterstützer für das Athener Turnier treten diverse Kampfgruppen mit eigenem Kampfsport-Modelabel auf, darunter „White Rex“ von Denis Nikitin aus Russland, „Pride France“ um Tomasz Skatulsky sowie KdN und „Tiwaz“ aus Deutschland, die sich alle mit ihrem jeweiligen Logo auf dem Veranstaltungsplakat wiederfinden. „Tiwaz“ leitet sich vom Buchstaben des nordischen Runenalphabets her, der mit seinem Pfeilzeichen genauso Speer wie Kampf symbolisiert.

KdN-Team beim „Schild & Schwert“-Festival eingebunden

Die „Tiwaz“-Gruppierung lädt für den 8. Juni zu ihrem zweiten eigenständigen Turnier ein. Die Premiere gab es im Vorjahr am 9. Juni mit rund 250 Kämpfern und Besuchern aus dem In- und Ausland in einer gemieteten Location in der sächsischen Provinz des winzigen Ortes Grünhain-Beierfeld, vorbereitet vornehmlich von Neonazis aus Chemnitz und der Erzgebirgsregion. Dazu gehörten Aktivisten wie etwa die inzwischen verstorbene Mary-Ann R. oder Michel S. aus den Reihen der Splitterpartei „Der III. Weg“. S. ist auch bekannt als Bandmitglied von „Killuminati“ und „Heiliges Reich“. In Grünhain-Beierfeld stieg er selbst in den Kampfring.

Am 21. und 22. Juni soll es dann beim neuerlichen „Schild & Schwert“-Festival von NPD-Bundesvize Thorsten Heise wie bereits im Vorjahr auch wieder Duelle im Kampfring geben. Organisatorisch eingebunden ist dafür das Team um KdN. Als Ort dafür ist wieder das sächsische Ostritz direkt an der polnischen Grenze ausgeguckt. Auch hier trifft man auf die Kombination mit Rechtsrock.

Selbst propagiertes „Kampfjahr 2019“

Die neonazistische Kleinstpartei „Der III. Weg“ will da offenbar nicht zurückstehen und bietet für den 6. Juli zum zweiten Mal das Treffen „Jugend im Sturm“ an. Neben Kampfsport ist auch hier wieder Rechtsrock inbegriffen. Ausgerufen ist die Zusammenkunft für „Mitteldeutschland“, im Vorjahr fand sie im thüringischen Kirchheim im Veranstaltungszentrum „Erfurter Kreuz“ statt. Einer der teilnehmenden Kämpfer dort war S.  aus dem „Tiwaz“-Umfeld. Innerhalb der Partei „Der III. Weg“ existiert die „AG Körper & Geist“, in der Kampfsport ein zentrales Element darstellt. Das „Jugend im Sturm“-Treffen findet übrigens parallel zu dem aus NPD-Kreisen angekündigten Rechtsrock-Happening „Tage der Nationalen Bewegung“ statt, das im thüringischen Themar über die Bühne gehen soll.

Ein gemeinsames Auftreten bei Veranstaltungen zeigt, dass KdN und „Tiwaz“ sich nicht als gegenseitige Konkurrenz verstehen. Für KdN begann das selbst propagierte „Kampfjahr 2019“ am 19. Januar mit einem Besuch eines Turniers des NS Fight Clubs im bulgarischen Sofia. Nach eigenen Angaben bedauerte man es aber, nur als Zuschauer und nicht auf der Kampfmatte in Bulgarien dabei gewesen zu sein. KdN hat in der rechten Kampfsport-Bewegung eine Pionierrolle inne, so wurde mit Hilfe von „Hammerskin“-Aktivisten 2013 erstmals ein Turnier dieser Machart auf deutschem Boden durchgeführt, zunächst noch unter dem Namen „Ring der Nibelungen“.

„Wardon 21“ für gesundheitsbewussten Lebensstil

Die Professionalisierung rund um die prosperierende rechte Kampfsport-Szene wird auch dadurch dokumentiert, dass sich weitere Modelabels und Kampfgruppen auf der Bildfläche präsentieren. So die Marke „Greifvogel Wear“ von Sebastian Raack aus dem südbrandenburgischen Lindenau, der zugleich Chef des Rechtsrock-Labels und Onlinedienstes Opos-Records ist, sowie „Black Legion“, von der die Zusammenarbeit mit Rebel Records von Martin Seidel bekannt ist. Ebenfalls hat sich „Wardon 21“ als Szenemarke etabliert, die einen gesundheitsbewussten und drogenfreien Körperkult und Lebensstil propagiert. Für die „Wardon“-Kampfgruppe trat 2017 beispielsweise der bayerische Führungskader Kai Zimmermann vom „III. Weg“ ins Seilgeviert.