Beiträge zum ideologischen Selbstverständnis

Von Armin Pfahl-Traughber
12.06.2019 -

Im Verlag Antaios ist eine neue „kaplaken“-Staffel zum „Kulturkampf von rechts“ erschienen. Inhaltlich geht es dabei unter anderem um Linken-Bashing sowie Relativierung der Kriegsschuldfrage des NS-Regimes.

Grundpositionen zum politischen Selbstverständnis der Neuen Rechten; (Screenshot, Verlagsseite)

Dem Komplex um das Institut für Staatspolitik lässt sich nicht nur das Publikationsorgan „Sezession“, sondern auch der Verlag Antaios zurechnen. In ihm erscheinen kontinuierlich Bücher von Repräsentanten der Neuen Rechten oder ideologisch verwandten Richtungen. Dazu gehören auch Nachdrucke literarischer Werke, sofern sie in den Diskursrahmen des Instituts passen. Eine Besonderheit stellt die Schriftenreihe „kaplaken“ dar, wo mittlerweile über 60 Bände erschienen sind. Es handelt sich jeweils um gebundene Bücher von 15,5 cm- mal 11 Zentimeter-Größe mit einem Umfang von knapp unter 100 Seiten. Der Preis liegt aktuell bei 8,50 Euro. Damit hat das Institut ein Publikationsforum gefunden, worin in knapper Form einige Grundpositionen zum politischen Selbstverständnis vorgetragen werden können. In den letzten Jahren veröffentlichte man meist gleich drei Bände zusammen und bot sie als „Staffel“ für 20 Euro an. Die letzten Bände, die als „21. Staffel“ mit den Nummern 61, 62 und 63 herauskamen, sollen hier dargestellt und kommentiert werden.

Kapital und die Linke gleichermaßen für Masseneinwanderung

Als Band 61 erschien „Blick nach links“ von Benedikt Kaiser, der als Lektor im Verlag Antaios und als Redakteur der „Sezession“ arbeitet. Auffällig an ihm ist einerseits eine affirmative Einstellung zu französischen faschistischen Intellektuellen der 1930er und 1940er Jahre und andererseits sein Interesse für die Entwicklungen in der politischen Linken. Letzteres prägt auch den erwähnten „kaplaken“-Band, der neben einer Einführung fünf bereits an anderen Orten erschienene Texte enthält. Darin greift der Autor die Debatte darüber auf, ob die Identitätspolitik nicht für die Linke wichtiger als die Ungleichheit geworden sei. Diese habe auf Kapitalismuskritik immer mehr verzichtet und damit letztendlich auch den Neoliberalismus akzeptiert. Das Kapital und die Linke seien gleichermaßen für die Masseneinwanderung gewesen. Demnach solle die Kapitalismuskritik von der Rechten vereinnahmt werden. Außerdem könne man die Ansätze von Linkspopulismus wieder politisch vereinnahmen. Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht wird bei all dem sehr positiv rezipiert.

„Denkverbote“ und „Verschwulung“

Der Band 62 „Ansage“ stammt von Manfred Kleine-Hartlage, der sich publizistisch unter anderem im „Compact“-Magazin als Ex-Linker gibt und hier als „rechter Islam- und Globalisierungskritiker“ vorgestellt wird. Adressat seines Buches soll die politische Linke sein, ihr rechnet er auch pauschal die Amtskirchen, die Justiz, die Massenmedien und den Wissenschaftsbetrieb zu. Allgemein fallen dann als Bezeichnungen „Denkverbote“, „Infantilität“, „Utopismus“, „Verräter“ oder „Verschwulung“. Auch für Kleine-Hartlage hat die Linke sich mit den Machthabern gemein gemacht, sie sei zu den „Blockwarten“ der „herrschenden Klasse“ geworden. Gleichwohl argumentiert er in Form und Inhalt gegenüber Kaiser weit unter dessen intellektuellem Niveau. Für Kleine-Hartlage kann die Linke den Erfolg der Rechten nicht erklären, weil diese ein realistisches und die Linke ein nicht realistisches Weltbild habe. Für die Ausführungen fehlt es auch ansonsten an Beispielen und Belegen, die Betrachtungen klingen mehr nach Bierzelt und weniger nach Seminar.

Geschichtsbild zur Kriegsschuldfrage zugunsten des NS-Systems verändern

Und als Band Nr. 63 erschien „Balkanfront 1941“ von Stefan Scheil, einem promovierten Historiker, der in seinen Büchern meist die Hitler-Regierung hinsichtlich der Hauptkriegsschuld entlasten und diese mehr den alliierten Kriegsgegnern zuschreiben will. In diesem „kaplaken“-Band geht es um die Frage, warum Deutschland 1941 auch Krieg in Südosteuropa führte. Dies erklärt sich der Autor als Folge von „Churchills Strategie“, wie es im Untertitel heißt. Die Hitler-Regierung habe keine Interessen am Konflikt gehabt, der englische Premier um der Eröffnung einer weiteren Front willen aber schon. Scheil weist auch gleich an zwei Stellen darauf hin, dass Deutschland schneller als Großbritannien militärisch hätte auftreten müssen. Ähnlich hatte er schon in seinem Buch zur Skandinavien-Politik argumentiert. Der Autor macht bei all seinen Deutungen den Fehler oder bedient sich des Tricks, einzelne Ereignisse im Zweiten Weltkrieg isoliert zu betrachten, wobei das aggressive Agieren der Hitler-Regierung als Faktor im Grundsatz marginalisiert wird.

Alle drei Autoren haben bereits mehrere Bände in der „kaplaken-Reihe veröffentlicht und können daher als Stammautoren des Verlags Antaios gelten. Sie wollen damit auf unterschiedlichen Feldern zum „Kulturkampf von rechts“ beitragen. Dabei gibt es nicht nur inhaltliche, sondern auch strategische Unterschiede: In seinen Betrachtungen erweist sich Kaiser erneut als interessierter Beobachter der Diskurse und der Entwicklung der politischen Linken, wobei er dabei nach Anregungen für die Rechte hinsichtlich ihrer Strategien sucht. Im Aufgreifen der Kapitalismuskritik und des Linkspopulismus findet er solche Optionen. Demgegenüber wirkt das von Kleine-Hartlage vorgetragene „Linken-Bashing“ poltrig und selbstgefällig. Allenfalls als innere Befriedigung von manchen Lesern der Neuen Rechten mag so etwas dienen. Demgegenüber bemüht sich Scheil erneut, mit einer einseitigen Deutung von Einzelfakten bei gleichzeitiger Ignoranz gegenüber dem allgemeinen Kontext, das Geschichtsbild zur Kriegsschuldfrage zugunsten des NS-Systems zu verändern.