AfD: Wahlschlappe in NRW

Von Rainer Roeser
14.09.2020 -

Auf 5,0 Prozent kam die Partei bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen. Gehofft hatte sie auf das Doppelte.

Die NRW-AfD hat ihr Wahlziel verfehlt.Die NRW-AfD hat ihr Wahlziel verfehlt. (Screenshot)

Dass die AfD ihr Ziel nicht erreicht hat, zweistellig bei den nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen abzuschneiden, räumte Rüdiger Lucassen ein. Doch ansonsten versuchte ihr Landessprecher, sich die Schlappe nicht anmerken zu lassen. Die AfD gehöre doch zu den zwei oder drei Parteien, die an diesem Tag zugelegt hätten, sagte er am Sonntagabend in einer Diskussionsrunde des WDR. Die Zahlen scheinen ihm auf den ersten Blick Recht zu geben. Verglichen mit der Kommunalwahl 2014 legte seine Partei um 2,5 auf nun 5,0 Prozent zu. Gehofft hatten Lucassen und sein sich „bürgerlich“ gebender Landesvorstand freilich auf das Doppelte. (bnr.de berichtete ) Deutlich blieb die NRW-AfD auch entfernt von ihren Ergebnissen bei anderen Wahlen. 7,4 Prozent holte die Partei bei der Landtagswahl 2017, 9,4 Prozent bei der Bundestagswahl im selben Jahr, 8,5 Prozent bei der Europawahl im Mai 2019.

Nur in Gelsenkirchen zweistellig

Lucassen verwies auf das Ergebnis in Gelsenkirchen. Auf 12,9 Prozent kam die AfD dort. Doch das sollte an diesem Tag die einzige kreisfreie Stadt mit einem zweistelligen Wert bleiben. Mit deutlichem Abstand folgten Hagen und Duisburg mit jeweils 9,3 Prozent, Herne (8,5 %), Oberhausen (7,6 %) und Essen (7,5 %) auf den nächsten Plätzen. Noch schwächer schnitt die AfD in den Landkreisen ab. Im AfD-internen Ranking führten Recklinghausen (7,1 %) und Siegen-Wittgenstein (6,7 %) vor Euskirchen (6,5 %) und Düren (6,4 %). Ganz am Ende der Rangliste standen Remscheid (1,0 %) und der Kreis Coesfeld (0,6 %), wo die AfD nur so wenige Wahlbezirke besetzen konnte, dass sie nicht annähernd flächendeckend wählbar war.

367.433 Bürger stimmten für die AfD. 185 Mandate kann sie künftig in den Räten der kreisfreien Städte und in den Kreistagen besetzen: 167 Männer und 18 Frauen wurden auf dem Ticket der Partei in diese Parlamente gewählt. Hinzu kommen sieben Vertreter im neuen Ruhrparlament: sechs Männer und eine Frau. Auf 7,1 Prozent kam die Partei bei der erstmals stattfindenden Wahl zur Verbandsversammlung des Regionalverbands Ruhr.

Desaster in Münster

Lucassens parteiinternen Gegnern dürften die Zahlen des Wahltages weitere Munition liefern. Dabei lassen die Ergebnisse vermuten, dass die – aus Sicht der AfD – guten oder weniger guten Werte kaum etwas mit der Lagerzugehörigkeit der örtlichen Protagonisten zu tun haben. Der Landtagsabgeordnete Christian Blex, einer der führenden Leute des formal aufgelösten „Flügels“ in NRW, konnte das Ergebnis im heimischen Kreis Warendorf gerade einmal um 0,4 auf 3,4 Prozent steigern. In Minden, wo sein „Flügel“-naher Abgeordnetenkollege Thomas Röckemann als Landratskandidat antrat, legte die AfD ebenfalls nur unterdurchschnittlich um 1,7 auf 5,9 Prozent zu. In Hamm, wo ein weiterer Parteirechtsaußen Regie führt, standen am Ende lediglich 4,7 Prozent zu Buche.

Doch auch die vorgeblich „Bürgerlichen“ verfehlten ihre Ziele. In Münster schaffte es Martin Schiller, Landesvize und quasi der „Obergemäßigte“ in NRW, ein schon vor sechs Jahren dürftiges Ergebnis in ein desaströses zu verwandeln: Von 2,6 Prozent schrumpfte die AfD bei der Wahl des Stadtrates auf nun nur noch 2,2 Prozent. Eines der bisher zwei Stadtratsmandate muss sie abgeben. In Dortmund, wo mit Matthias Helferich ein weiterer Lucassen-Stellvertreter aktiv ist, landete die AfD bei 5,5 Prozent – nichts war es mit dem erhofften großen Ruhrgebietsbonus. Lucassens dritter Stellvertreter Michael Schild hatte gar mit dafür gesorgt, dass seine Partei im Kreis Unna ganz ohne Kandidatenliste blieb – und damit trotz ihrer kreisweit 5,0 Prozent auch ohne jede Chance auf den Einzug in den Kreistag.