AfD-Stiftungschef ganz rechtsaußen

Von Julian Feldmann
07.03.2017 -

Der AfD-Mitgründer und Vorsitzende der parteinahen „Desiderius-Erasmus-Stiftung“, Konrad Adam, ist bei der extrem rechten „Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft“ (SWG) in Hamburg aufgetreten – zusammen mit einem Kriegsschuld-Leugner.

AfD-Politiker Konrad Adam (links) mit Walter Post; Photo: Julian Feldmann

Das ehemalige AfD-Bundesvorstandsmitglied Adam referierte am Samstag bei einem „Seminartag“ der SWG unter dem Motto „Wort und Bild als Waffen in Politik und Gesellschaft“. Die SWG gilt als Scharnier zwischen Rechtskonservativen und Rechtsextremen, tritt mit geschichtsrevisionistischen Veröffentlichungen hervor. Immer wieder lädt die von früheren NS-Funktionären gegründete SWG Referenten aus dem rechtsextremen Spektrum ein, zu den Gästen bei ihren Veranstaltungen zählen NPD-Funktionäre und Holocaust-Leugner.

Dabei gilt Adam (Jg. 1942) nicht als Rechtsaußen seiner Partei – er stellte sich rechtsextremen Kräften innerhalb der AfD sogar entgegen. So warnte Adam Ende 2015, der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke verwische bewusst die Grenzen zur NPD. „Höcke fischt in Teichen, in denen die AfD als demokratische Partei ihre Netze nicht auswerfen darf“, wird er im Berliner „Tagesspiegel“ zitiert. Jetzt sprach Adam selbst vor einem Publikum, das in diesen Gewässern beheimatet ist.

Münchner Historiker veröffentlicht in rechtsextremen Verlagen

Zusammen mit Bernd Lucke und Frauke Petry saß Adam im AfD-Bundesvorstand, aus dem er im Juli 2015 ausschied. Auch in seinem Landesverband Hessen hat er kein Amt mehr inne. Doch seit Dezember ist Adam in anderer wichtiger Funktion für die AfD tätig: Er ist Vorsitzender der parteinahen „Desiderius-Erasmus-Stiftung“, mit der die Partei an staatliche Gelder kommen will. Die AfD hofft auf Zuschüsse in Höhe von 80 Millionen Euro aus Steuergeldern, berichtete „Zeit Online“.

Neben Adam trat beim SWG-„Seminartag“ der Münchner Historiker Walter Post (Jg. 1954) auf, der zusammen mit dem Ex-AfD-Chef am Veranstaltungsort eintraf. Post leugnet die deutsche Schuld am Zweiten Weltkrieg, für ihn war der deutsche Angriffskrieg gegen die Sowjetunion 1941 ein „Präventivschlag“. Der Historiker veröffentlicht in den rechtsextremen Verlagen Grabert, Druffel & Vowinckel sowie Pour le Mérite. Er hält Vorträge vor vom Verfassungsschutz beobachteten Organisationen und kandidierte 2008 für die rechtsextreme Gruppierung „pro München“ für den Stadtrat der bayerischen Landeshauptstadt.

Freier Mitarbeiter bei Rechtsaußen-Blättern

Einführende Worte beim „Seminartag“ sprach Oberst a.D. Manfred Backerra (Jg. 1936), der Vorsitzende der SWG. Laut Einladung sollte auch Bernd Kallina, bis 2016 Redakteur beim „Deutschlandfunk“, auftreten. Sein Thema: „Wort und Bild als Waffen in Medienkampagnen“. Der Alte Herr der extrem rechten Münchner „Burschenschaft Danubia“ ist Vorstandsmitglied der SWG. Kallina ist freier Mitarbeiter der Rechtsaußen-Blätter „Zur Zeit“ (Wien), „Neue Ordnung“ (Graz) und der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“.

Als Gäste ins Adolph-Woermann-Haus der Stiftung „Seefahrtsdank“ in Hamburg-Altona kamen – wie bei Treffen der SWG üblich – auch Rechtsextremisten. Neben dem Vorsitzenden des NPD-Kreisverbands Unna/Hamm, Hans-Jochen Voß, reiste auch der rechtsextreme Verleger Uwe Berg aus Toppenstedt in Niedersachsen an. Einige ehemalige Seeleute, die zum „Seefahrtsdank“ gehören, nahmen an der Tagung teil. Nicht zum ersten Mal treffen sich die stramm-rechten Kameraden in den Räumlichkeiten der Stiftung „Seefahrtsdank“ – im Dezember sollte dort auf Einladung der SWG der ehemalige Präsident des Thüringer Verfassungsschutz, Helmut Roewer, sprechen. Das Hamburger Bündnis gegen Rechts hatte damals gegen die SWG-Zusammenkunft protestiert.

„Grußwort“ von Holocaust-Leugner auf der Webseite

Für Adam war es indes nicht der erste Auftritt vor der SWG. In Kiel referierte er im vergangenen Jahr über die „Freiheit Europas und ihre Feinde“. Zu den von der SWG eingeladenen Referenten zählten 2016 der österreichische Rechtsextremist Richard Melisch, der ehemalige NVA-General und Druffel & Vowinckel-Autor Bernd Schwipper sowie ein namentlich nicht genannter „Vertreter der Identitären Bewegung“.

Die rechtslastige „Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft“ mit Sitz in Hamburg wird zur Neuen Rechten gezählt. Zu ihren Gründungsmitgliedern 1962 zählte der einstige Goebbels-Referent Hugo Wellems. Die SWG lädt nicht nur Referenten aus dem rechtsextremen Spektrum zu Vortragsveranstaltungen ein, sondern publiziert auch selbst Beiträge mit geschichtsklitterndem Inhalt. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte die SWG auf ihrer Internetseite ein „Grußwort“ des Holocaust-Leugners Gerard Menuhin.

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