AfD-Bundestagskandidat unter Hooligan-Verdacht

Von Rainer Roeser
17.08.2017 -

Der rheinland-pfälzische AfD-Spitzenkandidat Sebastian Münzenmaier steht in Mainz vor Gericht. Er soll an einem Überfall gewalttätiger Fußball-„Fans“ aus Kaiserslautern auf Anhänger des FSV Mainz beteiligt gewesen sein.

Der AfD-Spitzenkandidat in Rheinland-Pfalz muss im Wahlkampf immer wieder vor Gericht erscheinen; Photo (Symbol): bnr.de

Die rheinland-pfälzische AfD gilt nach den Maßstäben der rechtspopulistischen Partei als gemäßigter Landesverband. Rüpeleien wie in Sachsen-Anhalt gibt es zwischen dem Westerwald und Kaiserslautern eher nicht. Auch das Personal wirkt zwar unscheinbar, aber doch vor allem unbelastet. Als Frauke Petry vor dem Kölner Parteitag die AfD auf einen „realpolitisch“ genannten Kurs verpflichten wollte, fand sie im Mainzer Landeschef Uwe Junge einen treuen Paladin. Der Ex-Bundeswehroffizier wollte sogar eine Spaltung in Kauf nehmen. In diesen Wochen muss die rheinland-pfälzische AfD allerdings feststellen, dass alles Bemühen um seriöse Optik nicht vor bösen Nachrichten schützt.

Gericht statt Infostand

Verantwortlich für die negativen Schlagzeilen ist Sebastian Münzenmaier. Er ist Spitzenkandidat der AfD in Rheinland-Pfalz zur Bundestagswahl. Als die Basis ihn, den politischen Nobody, im März auf den ersten Listenplatz wählte, war seine frühere Mitgliedschaft in der islamfeindlichen Partei „Die Freiheit“ der einzige bekannte dunkle Fleck in seiner politischen Vita. Bis zu seinem Eintritt in die AfD im Sommer 2013 habe noch kein Grund bestanden, „Vorbehalte“ gegen „Die Freiheit“ zu hegen, sagte er. Bei den Mitgliedern kam so etwas an. Zumal sich an solchen Ausflügen weit nach rechts in der AfD ohnehin niemand stört – befindet sich Münzenmaier doch in bester Gesellschaft auch mit Junge, der selbst der rechtspopulistischen Kleinpartei angehört hatte, ehe er sein Glück in der AfD fand.

Für schlechte Nachrichten sorgt Münzenmaier momentan aus anderen Gründen. Statt Tag für Tag im Lande unterwegs zu sein, um wenige Wochen vor der Bundestagswahl um Stimmen zu werben, muss der 28-Jährige ab und an Zwischenstopps vor dem Mainzer Amtsgericht einlegen. Angeklagt ist er dort wegen des Vorwurfs des versuchten Raubes und der gefährlichen Körperverletzung.

Von Vergangenheit eingeholt?

Münzenmaier hat es inzwischen bis zum AfD-Vorsitzenden in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt geschafft. Seine Brötchen verdient er als Geschäftsführer bei der AfD-Landtagsfraktion. Folgt man der Staatsanwaltschaft, holt ihn jetzt aber seine Vergangenheit abseits der Politik ein – und das zum unpassendsten Zeitpunkt. Laut Anklage soll er vor fünf Jahren bei einem Überfall Kaiserslauterer und Stuttgarter Fußball-Ultras und -Hooligans auf Anhänger des FSV Mainz mitgemischt haben. Eine Art Racheaktion soll es gewesen sein. Mainzer Fans erlitten bei dem abendlichen Angriff nach Rückkehr von einem Auswärtsspiel Platzwunden und Knochenbrüche. Angeklagt waren zunächst fünf Männer. Drei von ihnen wurden mittlerweile zu Bewährungsstrafen von drei und sechs Monaten verurteilt. Außerdem müssen sie Geldstrafen zwischen 2000 und 4500 Euro bezahlen.

Gegen Münzenmaier, der sich damals im Umfeld der Lautern-Ultras bewegt haben soll, und einen weiteren Angeklagten aus Kaiserslautern wird der Prozess jedoch fortgesetzt. Einen Deal mit dem Gericht – Geständnis gegen mildes Urteil – lehnte der Jung-Politiker ab. Zu den Tatvorwürfen schweigt er vor Gericht. Medien gegenüber spricht stattdessen der AfD-Landtagsabgeordnete Damian Lohr, der den Prozess beobachtet. Er betont, er glaube an Münzenmaiers Unschuld. Anfang September wird die Verhandlung fortgesetzt. Für Oktober wird mit einem Urteil gerechnet – dann eventuell gegen einen neuen Bundestagsabgeordneten.

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