Zwischenruf: Der Schoß ist fruchtbar noch

Von Klaus-Henning Rosen
06.06.2018 -

Politik und Gesellschaft müssen den geistigen Brandstiftern und Angstmachern entschieden und klar entgegentreten.

„Millionen fremder Menschen dringen ein in Dein Land. In Zukunft wirst Du in Deinem eigenen Land nur schwer eine bezahlbare Wohnung finden, weil die Fremden Vorrechte genießen. Abermillionen wesensfremder Menschen belasten die Umwelt zusätzlich. … Etwa 80% aller Gewaltverbrechen in Deinem Land werden von Ausländern verübt. In den Großstädten blüht das ausländisch organisierte Verbrechen. Deutsche Mieter werden von deutschen Stadtverwaltungen aus ihren angestammten Wohnungen geworfen, um darin Asylanten, Scheinasylanten, Zigeuner und Rauschgifthändler unterzubringen. Politiker … preisen das Grundgesetz mit dem Asylrecht als ein angeblich schützenswertes Grundrecht. Aber es ist ein von Feinden Deutschlands für Ausländer gemachtes Recht. … Und wenn Du in Notwehr Dein Leben, Dein Land, Deinen Besitz und Deine Gesundheit gegen die Eindringlinge verteidigen willst, dann wirst Du von Deinen Politikern und Deinen Medien als Rechtsextremist beschimpft und verfolgt.. ...“

Aber auch wenn einem diese Hetze heute seltsam vertraut vorkommt, so liegt sie doch schon Jahrzehnte zurück. Die Sätze stammen nämlich aus dem Jahr 1991 aus der „Remer-Depesche“ des Altnazis und Ex-Wehrmachtsgenerals Otto Ernst Remer. Der orakelte schon vor einem Vierteljahrhundert über einen drohenden Untergang Deutschlands und Europas. Und seitdem, und bis heute, sind ähnlich klingende Beschwörungen und Untergangsszenarien von rechter Seite zu vernehmen: Von NPD & Co, von Rechtspopulisten von der AfD bis zu Pegida, von so genannten „besorgten Bürgern“ oder „Wutbürgern“ bis hin zu „Reichsbürgern“. Der Schoß ist bekanntlich fruchtbar noch. Auch heute noch taugen den geistigen Nachfahren Remers und den Rechtspopulisten aller Schattierungen solche Sätze nach wie vor, um Angst zu verbreiten, unser Land mieszumachen, obwohl sie ja seine „Größe“ bewahren wollen. Politik und Gesellschaft sind aufgerufen, dieser Hetze entschieden entgegenzutreten. Auch wenn die Prophezeiungen des Altnazis Remer letztlich nicht zutrafen, darf dies kein Grund sein, etwaige Fehler zu wiederholen, Versäumnisse zu leugnen oder sie laufen zu lassen. Die Menschen müssen erkennen, dass ihre Ängste und Nöte von der Politik gesehen und ernst genommen werden. Und die Menschen müssen mitgenommen werden. Wichtig ist, dass wir diejenigen, die unser Land klein reden, ins Unrecht setzen, indem wir seine demokratischen Werte stärken. Und das ist jedermanns Aufgabe.

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