Zu rechts für's Oi-Konzert

Von Sebastian Lipp
12.10.2017 -

Wegen ihrer Verbindungen in Neonazi-Kreise wurde die Band „Southern Rebels“ am Donnerstag von einem Konzert in Augsburg ausgeladen. Die Skinhead-Rocker sollten am 21. Oktober zusammen mit unpolitischen und Grauzone-Bands ein Konzert in Augsburg geben.

Im April traten die „Southern Rebels“ schon mal mit den Allgäuer „Prolligans“ auf die Bühne; (Screenshot, Karte für das Event)

14 Euro sollte es kosten, das „Herbst GrOIl Konzi“. Auf der Facebook-Seite des Veranstalters des Konzerts in der Augsburger Kradhalle heißt es, auf „Antifa und Naziköpfe können wir verzichten“. Telefonisch darauf angesprochen, dass die „Southern Rebels“ Verbindungen in Neonazi-Kreise unterhielten, sagte der Veranstalter Tobias L. am Donnerstag zunächst, dass ihm die Teilnahme zwei der Bandmitglieder an einem Neonazi-Konzert bekannt sei. Diese seien damit konfrontiert worden und hätten sich schriftlich vom Rechtsextremismus distanziert. Trotzdem werde er die Vorwürfe gegenüber der Band prüfen und dann über eine mögliche Absage entscheiden.

Wenige Minuten nach dem Telefonat teilte L. über seinen privaten Facebook-Account mit, man habe „über mehrere Ecken erfahren das eine Unserer Bands in der Rechten Ecke Aktiv ist das wollen und tolerieren wir nicht“. (Fehler im Original) Man habe die Band aus dem Programm genommen. Wenig später schreiben die „Southern Rebels“ auf Facebook: „Aufgrund medialer Hetze und dem schlechten Ruf unseres Labels wurden wir ausgeladen!“ Ein weiteres Konzert mit den „Southern Rebels“ ist am 8. Dezember in Berlin geplant.

Bei dem Konzert in der Augsburger Kradhalle am 21. Oktober sollten dem ursprünglichen Flyer nach die „Southern Rebels“ aus Landsberg, die wegen umstrittener Auftritte – etwa im Thüringer Rechtsrock-Lokal „Skinhouse Menfis“ – als Grauzone-Band geltende Gruppe „Lammkotze“ aus Baden-Württemberg sowie die Streetrock-Band „Promilleritter“ aus Neu-Ulm und die „Sachsenjungs“ aus Freiberg spielen. Die Punkrock Band „Die Römer“ aus Friedberg sollte ebenfalls performen, hat ihren Auftritt aber einen Monat vor dem Konzert laut Veranstalter wegen beruflicher Gründe abgesagt. Auch die „Sachsenjungs“ tauchen auf einer aktualisierten Version des Konzert-Flyers nicht mehr auf, dafür sollen „Hardfive“ einspringen.

Inzwischen beim Plattenlabel „Subcultural Records“

Die „Southern Rebels“ spielten bereits rund ein Jahr zuvor mit „Promilleritter“* und „Sachsenjungs“ in Neugablonz. Zuvor sah man Mitglieder der „Southern Rebels“ noch auf Facebook in „Against Racism & Hate“-Shirts posieren. Die Band beschreibt sich selbst als „not brown, not red, just Skinhead“. (bnr.de berichtete)

Inzwischen sind „Southern Rebels“ jedoch beim Memminger Plattenlabel „Subcultural Records“ aus dem Landkreis Unterallgäu untergekommen. Als Zugpferd des Allgäuer Labels gelten die „Prolligans”, die sich als Oi!-Band geben. Mehrere ihrer Mitglieder spielen aber zugleich in anderen einschlägigen Rechtsrock-Bands. Gründer des Labels ist Benjamin Einsiedler, der als „Oldschool Records“ auch eindeutig neonzistische Tonträger produziert und vertreibt. „Subcultural Records“ erscheint dagegen als Versuch, eine vorgeblich unpolitische Skinhead-Szene mit astreinen Neonazi-Bands zusammenzubringen. Der Gig in Augsburg ist nicht das erste Mal, dass Auftritte von Bands aus dem Angebot von „Subcultural Records“ deshalb abgesagt werden. (bnr.de berichtete)

Bandmitglieder der „Southern Rebels“ sah man vergangenen Samstag auf einem konspirativ organisierten Konzert der Kameradschaft „Voice of Anger“ aus dem Großraum Memmingen, an dem etwa 250 Neonazis teilnahmen. Plattenproduzent Einsiedler gilt als Führungsfigur der Neonazikameradschaft, die der bayerische Verfassungsschutz als die größte ihrer Art im Freistaat einstuft.

* Die Streetrock-Band „Promilleritter“ hat uns wissen lassen, dass sie sich „ausdrücklich und klar von jeglichem rassistischen, homophoben, menschenverachtendem und sonstigem populistischem Gedankengut“ distanziert. Konzerte mit den „Southern Rebels“ werde es demnach nicht mehr geben.

 

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