Zoff in der Neonazi-Szene

Von Horst Freires
28.06.2019 -

In Nordrhein-Westfalen befehden sich der Kopf der „Volksgemeinschaft Niederrhein“ und Spitzenfunktionäre der Minipartei „Die Rechte“.

Die VGN ist in Teilen der Neonazi-Szene unerwünscht; (Screenshot)

Wie es ist, wenn Neonazis sich in den Haaren liegen, das ist seit kurzem in gebührender Breite auf einschlägigen Seiten im Netz nachzulesen. Im Fokus steht dabei Kevin Giuliani und eine Gruppierung, die sich „Volksgemeinschaft Niederrhein“ (VGN) nennt und deren Kopf er ist.

Die Fehde wird mit harten Bandagen geführt, veranlasst aber längst Reaktionen, die über die Region hinausgehen und in der braunen Szene für erhebliche Unruhe sorgen. Zuletzt ist Giuliani mit einem Videoclip unter dem Titel „Ich gebe niemals auf!!!“ an die Öffentlichkeit getreten und hat damit sogar noch einmal Öl ins ohnehin lodernde „Streit-Feuer“ gegossen. Insbesondere Wortführer aus der Partei „Die Rechte“ sind Widersacher Giulianis.

Szene-Bann gegen die VGN-Kameradschaft

Bei der Auseinandersetzung geht es darum, dass der Umzugsunternehmer aus Kamp-Lintfort (Kreis Wesel) in seiner früheren Zeit in Moers und Duisburg auch Kontakt mit dem Verfassungsschutz gehabt haben soll, was er auch gar nicht in Abrede stellt. Vor mehr als 15 Jahren ging es dabei auch um einen möglichen Szene-Ausstieg. Seit einigen Jahren haftet ihm nun das Image eines „Verräters“ an, was er allerdings strikt von sich weist. Die letzten 14 Jahre habe er keinen Kameraden angeschwärzt. Und in seiner Verteidigungsrede mit pathetischen Zügen beteuert er: „Mein Herz gehört der Sache.“

Seit knapp zwei Jahren hat Giuliani seine Aktivitäten wieder gesteigert, lädt zu Zusammenkünften auf einem umzäunten Anwesen ein oder organisiert ebenfalls dort Liedermacherabende, die bis zu knapp 100 Interessierte anlocken. Aber auf der anderen Seite hat er offenbar auch immer wieder Gegenwind bekommen. Zu etlichen auswärtigen Szene-Konzerten wurde ihm beispielsweise der Eintritt verwehrt, bei diversen Demonstrationen aus dem rechtsextremen Spektrum wird er abgewiesen. Und der zum Teil praktizierte Szene-Bann erstreckt sich inzwischen auf die gesamte VGN-Kameradschaft. Insofern ist es immer wieder interessant zu beobachten, bei welchen Akteuren Giuliani und seine VGN nicht weichen müssen. So geschehen zuletzt bei einer Demonstration von „Mönchengladbach steht auf“ Anfang Juni.

„Verrat verjährt nicht!“

Ein so genannter „Freier Widerstand“-Zusammenschluss thematisierte die Personalie Giuliani bereits Anfang 2005, erklärte ihn zur Persona non grata. Eine Distanzierung erfolgte seinerzeit auch seitens der NPD in Person von Claus Cremer. 2009 warnte die „Aktionsgruppe Essen“ vor Giuliani. Nun hat der Duisburger Kreisverband der Minipartei „Die Rechte“ (DR) aktuell nachgelegt, erklärt ihn zum Feind, nennt ihnen einen „VS-Kollaborateur“. Das Ganze mündet in dem Appell, ihm bei Veranstaltungen die Tür zu weisen. Außerdem werden Szene-Liedermacher und Rechtsrock-Vertreter aufgefordert, ihn zu boykottieren. Wörtlich heißt es: „Keine Zusammenarbeit mit Kevin Giuliani: Verrat verjährt nicht!“ Auch der DR-Spitzenfunktionär Sven Skoda aus Düsseldorf hat inzwischen gegen Giuliani Stellung bezogen.

Der Zwickauer Neonazi-Liedermacher Maik K., der unter dem Namen „FreilichFrei“ auftritt und bereits ein Gastspiel bei Giuliani hinter sich hat, reagierte darauf. Er schreibt unter Nennung von DR-Spitzenfunktionären: „Ich stehe nicht auf seiner Seite, aber auch nicht auf der von Sascha Marcel Krolzig, Michael Brück und alle anderen, die sich hier so zu Wort melden.“

Brück, stellvertretender NRW-Landesvorsitzender von „Die Rechte“, zieht einen Vergleich. „Es gibt Dinge, die müssen getan werden. Genauso, wie es in Dortmund notwendig war, den damaligen NPD-Vorsitzenden Matthias Wächter mit Nachdruck aus allen Strukturen auszuschließen, nachdem er mit polizeilichen Repressionsorganen gegen nationale Aktivisten kooperiert hat, ist es am Niederrhein notwendig, deutlich zu machen, dass Kooperation mit dem Verfassungsschutz (...) ein No-Go ist.“ 2012 und 2013 hatten sich „Die Rechte“ und die NPD in der Dortmunder Kommunalpolitik gegenseitig bekämpft, was Berichten zufolge zum Teil über das Verbale hinausging. Wächter sah sich dabei nach eigenen Aussagen diverser Aggressionen ausgesetzt.