„Zeitzeugenvortrag“ im MC-Clubhaus

Von Rike Schröder
10.07.2018 -

Am Sonntag fand in Malchow eine Vortragsveranstaltung mit einem früheren Untersturmführer der Waffen-SS statt. Das Publikum setzte sich größtenteils aus einschlägig bekannten Neonazis zusammen.

„Zeitzeugenvortrag“ beim „Freizeitverein“; Photo: Ronny Wolff

Wieder einmal lud das rechtsextreme Magazin „Ein Fähnlein“ zu einem seiner regelmäßig stattfindenden „Zeitzeugenvorträge“ ein. Das Neonazi-Projekt hat es sich als Aufgabe gestellt, die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg aus seiner Sicht aufrecht zu erhalten und an die jüngere Generation weiter zu geben. So werden regelmäßig Biographien ehemaliger Soldaten über die NS-Zeit herausgegeben. Wie Helden gefeiert, erzählen dann die noch lebenden SS- und Wehrmachts-Soldaten in Vorträgen über ihre Erlebnisse.

„Geschlossene Veranstaltung“ beim „Syndikat Malchow“

Am Wochenende gab es dann solch einen Vortrag von einem ehemaligen Untersturmführer der Waffen-SS in Malchow in Mecklenburg-Vorpommern. Unter dem Werbeslogan „Letzte Chance! Nutzt die Gelegenheit!“ versuchte „Ein Fähnlein“ Interessierte anzulocken. Öffentlich angekündigt wurden zwei Veranstaltungen für den Samstag und Sonntag in „Mitteldeutschland“. Für den Sonntag veröffentlichte man kurze Zeit später einen Flyer, in dem die Vortragsveranstaltung öffentlich zugänglich für den Großraum Malchow beworben wurde. Mittels einer Handynummer konnte jeder Interessierte den Weg in die Lokalität am Rande von Malchow finden.

Hier fand dann schließlich im Clubhaus des „Syndikats Malchow“ beziehungsweise „Freizeitvereins B2 e.V.“ die Veranstaltung statt. Ein Infozettel an der Tür des Clubhauses mit dem Hinweis „geschlossene Veranstaltung“ wies den Besuchern den Weg. Schon in seinem Facebook-Auftritt wird die Affinität des „Freizeitvereins“ deutlich. Gepostet wurden in der Vergangenheit mehrfach eindeutige Bilder von Personen in NS-Soldatenuniform auf Motorrädern. Hierbei posierten die Abgelichteten mit Waffen und Handgranaten aus der Weltkriegszeit.

Hammerskins, NPD und Rechtsrocker

Die bis zu 90 Teilnehmer setzten sich größtenteils aus dem Spektrum der militanten „Hammerskins“, NPD-Anhänger und rechtsextremer Musikszene zusammen. So fanden sich derzeitige sowie ehemalige Mitglieder der Bands „Path of Resistance“, „Nordmacht“ oder „Painful Awakening“ ein. Auch frühere Aktivisten der seit 2009 verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ lauschten der Erzählung des ehemaligen SS-Soldaten. Überraschend war das Auftreten von Sven Kuschnereit, der 2004 in den Kreistag Müritzkreis gewählt worden war. In den Folgejahren war es ruhiger um ihn geworden und er trat öffentlich nicht mehr in Erscheinung. Für die Veranstaltung am Sonntag hatte Kuschnereit aber organisatorische Aufgaben übernommen: er wies die anreisenden Neonazis in den Parkplatz ein, begrüßte jeden persönlich und überwachte zeitgleich die Umgebung auf unerwünschte Personen.  

Polizei hält sich im Hintergrund

Laut einer Anfrage der Fraktion Die Linke im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern fanden im vergangenen Jahr mehrere Veranstaltungen dieser Art in Malchow statt. So gab es bereits im vergangenen Jahr mindestens zwei Zeitzeugenvorträge, an denen 80 beziehungsweise 100 Personen teilnahmen. Bei den vergangenen Veranstaltungen gab es keine Polizeieinsätze. Es wurde lediglich Aufklärungsarbeit durchgeführt beziehungsweise die Veranstaltung war erst im Nachhinein bekannt geworden.

Obwohl sich das Publikum am Wochenende größtenteils aus einschlägig bekannten Neonazis zusammensetzte, fand auch an diesem Tag in Malchow kein Polizeieinsatz statt. Demnach gab es auch keine Kontrollen auf jugendgefährdende Schriften oder verbotene Kennzeichnungen, die beispielsweise unter den Paragraphen 86a „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ fallen. Lediglich zwei Beamten in Zivil schauten sich das Spektakel aus der Ferne an. Diese verpassten allerdings einen Teil der Anreise und verließen auch noch vor Ende des Vortrages den Veranstaltungsort. Malchow zeichnet sich als neues Schwerpunktgebiet für rechte Veranstaltungen in der Region ab.

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