„Wut aus Liebe“ in der „Titanic“

Von Horst Freires
06.03.2019 -

Einmal mehr sticht die Gaststätte „Titanic“ in Neumünster als der zentrale Treffpunkt für die rechte Szene in Schleswig-Holstein hervor. Für den 9. März wird seit Wochen für ein Konzert in der Lokalität geworben.

Treffpunkt für die rechte Szene, die „Titanic“ in Neumünster; Photo: H.F.

Demnach werden am Samstag ein Auftritt von „Stonehammer“ und dazu „Karin“ angekündigt.  Für „Stonehammer“ steht bekanntermaßen der Sänger und Dudelsackspieler „Griffin“, bürgerlich David Allen Surette. Der Kanadier hat seit vielen Jahren seinen Lebensmittelpunkt in Berlin und Umgebung aufgeschlagen. Immer wieder verdient er auch als Tätowierer sein Geld. Er ist Mitglied bei der rechtsextremen sich rockerähnlich gebarenden Gruppe „Vandalen“. Auftritte mit „Griffin“ gab es in der Vergangenheit immer wieder aus der international vernetzten „Blood&Honour“-Bewegung heraus. Zuletzt wurde er für den 7. Februar im Vorlauf zum braunen „Day of Honour“ als Solokünstler in Budapest beworben.

Mit „Karin“ ist die Liedermacherin Karin Mundt aus Niedersachsen gemeint, die sich auch „Wut aus Liebe“ nennt. In der Vergangenheit begleitete sie häufig Informations- und Solidaritätsveranstaltungen für die derzeit inhaftierte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel. Mundt kennt die „Titanic“ bereits als musikalische Begleitung einer NPD-Veranstaltung am 25. März des Vorjahres.

Stumme Anwesenheit im Stadtparlament

Die Innenstadtkneipe wird von Horst Micheel betrieben. Seit der vergangenen Kommunalwahl im Mai 2018 ist Micheel neben Mark Michael Proch als zweiter NPD-Ratsherr ins Neumünsteraner Stadtparlament eingezogen.  Im Gegensatz zu den die Öffentlichkeit suchenden stellvertretenden schleswig-holsteinischen NPD-Landesvorsitzenden Proch, der bei der Europawahl Platz 9 auf der Parteiliste bekleidet, tritt Micheel dort nur durch stumme Anwesenheit in Ratsversammlungen und Ausschusssitzungen in Erscheinung.

Spätestens seit der Schließung der langjährigen überregional bekannten Neonazi-Anlaufstelle „Club 88“ am Stadtrand Anfang 2014 hat die „Titanic“ in Neumünster die Funktion als Treffpunkt übernommen. Immer wieder finden dort NPD-Sitzungen und -Parteitage statt. Fußballturniere für die rechte Szene sind von dort aus organsiert worden. Auch ein Aktivist der wegen Waffenfunde in die Schlagzeilen geratenen Gruppierung „Nordic Division“ wurde zuletzt in der „Titanic“ angetroffen. Im vergangenen Jahr gab es in Neumünster eine groß angelegte Kampagne aus linksalternativen Kreisen unter dem Titel „Titanic versenken“.

„Rock für die Titanic“

Auch wenn Micheel und seine Mitstreiter mit Tanzpartys, Karten- und Dartturnieren um ein in der Öffentlichkeit positives Image bemüht sind, wird nun erstmals zu einer Solidaritätsveranstaltung im rechten Spektrum mobilisiert. Auf einem Flyer ist dabei von „Rock für die Titanic“ und „…für den Erhalt der Titanic“ die Rede.