Wolfsbrigade 44: Auf den Spuren der Nationalsozialisten unterwegs

Von Horst Freires
02.12.2020 -

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die 2016 zusammengefundene Gruppierung „Wolfsbrigade 44“, die von 2018 an auch als „Sturmbrigade 44“ agierte, mit sofortiger Wirkung verboten. Die Organisation hat sich ideologisch in den Fußstapfen des Nationalsozialismus bewegt und sich überregional in mehreren Bundesländern aufgestellt.

Auch in Szeneshops kommte man bis gestern die passenden Shirts kaufen. Foto: Screenshot

Zum ersten Mal wurden Sicherheitsbehörden Anfang 2018 auf die offenkundige Gefährlichkeit der Kleingruppe aufmerksam, als in einem Zug eine Tasche mit Waffen und einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Sturmbrigade 44 Köthen-Anhalt“ gefunden wurde. Strafrechtliche Ermittlungen starteten schließlich im Sommer 2018 bei der Staatsanwaltschaft im thüringischen Gera, die die Angelegenheit unter anderem nach Auswertung von Chat-Verläufen wegen der besonderen Bedeutung in die Hände der Generalbundesanwaltschaft legte.

Diese fokussierte sich seitdem auf einen kleinen zweistelligen Personenzusammenschluss im Hinblick auf Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Stadt Köthen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) sollte auch fortan im Fokus bleiben. Im September 2018 gab es nach dem Tod eines 22-Jährigen, dessen Bruder der rechten Szene zuzuordnen ist, mehrere Demonstrationen. Dort tauchten auch junge Männer mit einheitlicher Kleidung und dem an Rocker-Embleme erinnernden Rücken-Patch „Wolfsbrigade 44“ auf.

Erste Razzia im Sommer 2019

Zwei Monate später wurde auf einem Facebook-Profil von Rostocker Neonazis kommentarlos das „Sturmbrigade 44“-Gruppenlogo mit dem Zusatz Rostock veröffentlicht, ein Umstand, der dann auch Niederschlag im Verfassungsschutzbericht von Mecklenburg-Vorpommern fand. Ende Juli 2019 schlugen die Strafverfolgungsbehörden dann ein erstes Mal in Form einer Razzia zu. Aufgesucht wurden Objekte von zehn Personen in Sachsen-Anhalt, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Unter anderem gab es Hausdurchsuchungen in Rostock, sowie im Raum Köthen und Gardelegen.

Dabei wurden Waffen und rechtsextremistische Devotionalien gefunden und Speichermedien beschlagnahmt. Die Bundesregierung teilte im Herbst 2019 auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion mit, dass zumindest ein „Wolfsbrigade“-Angehöriger von den Sicherheitsbehörden als Gefährder geführt werde.

„Präsident“ in Hessen beheimatet

Im Zuge des jetzt ausgesprochenen Verbots, für das sich Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) bereits im vergangenen Jahr im Bundesinnenministerium stark gemacht hatte, kam es erneut zu diversen Hausdurchsuchungen sowie Razzien in Haftzellen und an Arbeitsplätzen der Zielpersonen. Die Aktion richtete sich gegen Mitglieder der Gruppierung in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. Für die Einbeziehung von Angehörigen in Sachsen-Anhalt fehlte allerdings ein richterliches Einverständnis.

Laut hessischem Innenministerium sind acht der 13 führenden Gruppenmitglieder in Nordhessen beheimatet. Demzufolge soll auch der „Präsident“ der Organisation von dort stammen. In Nordrhein-Westfalen suchten Ermittler drei Objekte in den sauerländischen Orten Winterberg und Medebach auf. Auch diesmal wurden bei der Aktion Waffen, NS-Devotionalien wie Hakenkreuze und IT-Asservate sichergestellt. Drogen wurden ebenfalls gefunden.

Mit dem Zahlencode 44 ist die Huldigung der SS-Sondereinheit „Division Dirlewanger“ gemeint, benannt nach dem besonders grausam agierenden SS-Obersturmführer Oskar Dirlewanger.