Wieder Rechtsrock in Ostritz

Von Kai Budler
11.01.2019 -

Auf dem Gelände des Hotels Neißeblick in Ostritz an der deutsch-polnischen Grenze soll Ende Juni eine Neuauflage des zweitägigen Neonazi-Festivals „Schild und Schwert“ stattfinden. Der Veranstalter und langjährig aktive Neonazi Thorsten Heise will damit offenbar auch seinen 50. Geburtstag feiern.

Thorsten Heise: Rechtsrock-Organisator und NPD-Funktionär; Photo: K.B.

Insgesamt rund 2000 Personen haben im vergangenen Jahr die zweitägigen Neonazi-Events „Schild und Schwert“ von Thorsten Heise im sächsischen Ostritz besucht. Die Organisatoren feiern dies als Erfolg und setzen in diesem Jahr am vierten Juniwochenende auf eine Neuauflage.  Die Eintrittskarten für die beiden Tage im Juni kosten vor Ort 25 beziehungsweise 40 Euro, für das gesamte Wochenende müssen Besucher an der Abendkasse 50 Euro zahlen. Neben dem neonazistischen Kampfsport-Event „Kampf der Nibelungen“ und einem „Politikforum“ sind bislang für Freitag und Samstag elf Rechtsrock-Musikprojekte und zwei braune Liedermacher angekündigt.

Auf der Bühne steht mit Ken McLellan der Sänger der britischen Band „Brutal Attack“, die zu den Gründungsmitgliedern des 2000 in Deutschland verbotenen Netzwerks „Blood&Honour“ zählen. Die Ende der 1970er initiierte Combo ist eine der ältesten Rechtsrock-Bands. Auch die Bands des Kanadiers David Allen Surette sind alte Bekannte bei „B&H“-Konzerten, ihr Sänger tritt in Ostritz unter dem Namen „Griffin“ mit Gitarre und Dudelsack solo auf. Surette ist „Ehrenmitglied“ der Neonazi-Gruppierung „Vandalen“, der auch der ehemalige Sänger der später verbotenen Band „Landser“, Michael Regener, lange Zeit als führendes Mitglied angehörte. Beide Neonazis hatten schon Ende der 1990er Jahre guten Kontakt, als Surette die „Landser“-Musiker bei ihren Aufnahmen in einem Studio in Amerika besuchte. Der Kanadier war an der konspirativen Herstellung der frühen „Landser“-CD „Republik der Strolche“ beteiligt. Weiterhin sind für Freitagabend die Rechtsrock-Bands „Frontfeuer“ und „Hausmannskost“ aus Brandenburg angekündigt.

„Frontalkraft“ und „Die Lunikoff Verschwörung“ auf der Bühne

Wesentlich attraktiver dürfte für die anreisenden Neonazis aber das Programm am 22. Juni sein, wenn Rechtsrock-Bands wie „Brutal Attack“, „Frontalkraft“, „Kategorie C“, und „Die Lunikoff Verschwörung“ auf dem Hotelgelände spielen sollen. Die Anfang der 1990er gegründete Formation „Frontalkaft“ aus Cottbus ist eine der ältesten Bands der neonazistischen „Hammerskin“-Szene in Deutschland und war auch im „Blood&Honour“-Umfeld tätig. Von „Frontalkraft“ stammt das Lied „Schwarz ist die Nacht“, in dem es heißt: „Schwarz ist die Nacht, in der wir euch kriegen, weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen, rot ist das Blut auf dem Asphalt“.

Fast schon obligatorisch ist an dem Samstag der Auftritt der „Lunikoff-Verschwörung“ um Michael Regener. Auf dem Programm stehen außerdem die Gruppen „LTW“ aus der polnischen B&H-Szene, „Skrewdriver (SoO)“ und die inzwischen auf eine Ein-Mann-Combo geschrumpfte Neonazi-Formation „Radikahl“ um Manfred Wiemer, die zu den ältesten und bekanntesten deutschen Neonazi-Bands zählt und ebenfalls für „B&H“ aufspielte.

Abschiedskonzert von „Kategorie C“

Für Zulauf dürfte am Samstag die vor rund 20 Jahren gegründete Bremer Hool-Band „Kategorie C“ in Ostritz sorgen. Ihr Sänger Hannes Ostendorf hatte bereits im November 2018 über eine mögliche Auflösung spekuliert, nun wird der Auftritt in Ostritz als letztes Konzert angekündigt. Von Seiten der Veranstalter heißt es: „Schade das Kategorie C sich auflösen will, aber umso schöner, dass sie Ihr Abschiedskonzert bei uns spielen!“. Dass das Neonazi-Spektakel mit der letzten Band am Samstag vorbei sein wird, ist jedoch unwahrscheinlich, denn Hauptorganisator Thorsten Heise begeht am folgenden Tag seinen 50. Geburtstag.

Bevor es aber soweit ist, kündigen die Organisatoren mit „Schild und Schwert in Concert“ noch einen „neuen Knaller“ an. Unter dem Motto „Skinheads Back to the Roots“ sollen an einem nicht genannten Ort in Sachsen am 23. März die deutschen Bands „Endstufe” und „Kraft durch Froide” sowie „Irreductibles“ und „Last Chance“ aus Spanien spielen, vor Ort müssen 35 Euro als Eintritt entrichtet werden. Da in der Ankündigung damit geworben wird, dass „Übernachtung auf dem Gelände gegen Unkostenbeitrag möglich“ ist, kann davon ausgegangen werden, dass auch dieses Rechtsrock-Konzert auf dem Hotelgelände in Ostritz stattfinden dürfte.

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