Weitere Strafe für Holocaust-Leugner

Von Sebastian Lipp
12.08.2019 -

Wegen der Leugnung der Shoa und eines Hitlergrußes vor Gericht verurteilt das Amtsgericht München den Deutsch-Kanadier Alfred Schaefer erneut.

Dem Deutsch-Kanadier Schaefer droht eine weitere Gefängnisstrafe; Photo (Symbol): Gerd Frassa / pixelio.de

Auf weitere anderthalb Jahre Gefängnis ohne Bewährung darf sich Alfred Schaefer einstellen. Dendeutsch-kanadischen Neonazi hat das Amtsgericht München am Donnerstag zu einer Haftstrafeverurteilt, nachdem dieser in seinem letzten Wort vor einem Jahr am Landgericht München erneut die Shoa in Frage stellte und den Hitlergruß zeigte.

Als damals kurz vor Verhandlungsbeginn bereits zahlreiche Zuschauer und Pressevertreter imSitzungssaal anwesend waren, erhob der Wahl-Tutzinger seinen rechten Arm mehrfach zum Hitergruß. Dazu begrüßte er seine Schwester und Mitangeklagte mit den Worten: „Sieh mal, Monica, ich habe den Leuten in Nürnberg gezeigt, wie hoch unser Hund springen kann. So hoch, so hoch...“ (bnr.de berichtete)

Perfide antisemitische Weltsicht

Verantworten mussten sich die Schaefer-Geschwister im Juli vergangenen Jahres wegen Volksverhetzung. Mit einer ganzen Serie von teils aufeinander aufbauenden und im Internet verbreiteten Videoproduktionen hatte vor allem Alfred Schaefer den Holocaust geleugnet und eine vermeintliche jüdische Weltverschwörung zum Zwecke der „Vernichtung der weißen Rasse“propagiert. Während des mehrmonatigen Prozesses gab Alfred Schaefer immer wieder seine perfide antisemitische Weltsicht wieder, die nicht trotz sondern wegen Auschwitz im Vernichtungswahngipfelt. (bnr.de berichtete)

Doch auch den letzten Akt vor der Urteilsverkündung nutzte Alfred Schaefer im Oktober vergangenen Jahres, um rassistisch zu hetzen und im Sinne seines antisemitischen Verschwörungswahns zu agitieren. Mehrmals ermahnte ihn der Vorsitzende Richter, dass das letzte Wort nicht dazu da sei, weitere Straftaten zu begehen. „Es geht Ihnen um Verbreiten von Hass unterdem Aufhänger des Holocausts“, begründete der Richter das Urteil von mehreren Jahren Haft ohne Bewährung für Alfred Schaefer. Das Propagierte sei „rassistischer Dreck“. (bnr.de berichtete)

„Der Holocaust lediglich ‚Humbug’“

Für die antisemitischen Tiraden vor Gericht erhob die Staatsanwaltschaft München I im April erneut Anklage gegen Schaefer. Demnach führte der inhaftierte Rechtsextremist während seiner mehrstündigen Rede unter anderem aus, „dass es um die ‚Hololüge‘ gehe und der Holocaust lediglich ‚Humbug‘ sei. Jeder wisse mittlerweile, „dass der so genannte Holocaust nur eine perfide Lüge“ gewesen sei, „um viel Geld zu ergaunern“ und von einem angeblichen „Massenmord an den Deutschen abzulenken“. Dadurch stellte er die systematische betriebene Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas unter der NS-Gewaltherrschaft in Abrede, so die Staatsanwaltschaft. Neben weiteren Leugnungen der Shoa habe Alfred Schaefer gegen Personen jüdischen Glaubens gehetzt. Dabei richtete sich Alfred Schaefer nicht nur an Pressevertreter und Justizpersonal. Bis zu zwei Dutzend Anhänger seiner Thesen verfolgten die über mehrere Monate andauernde Verhandlung, darunter etwa Mittäter, bekannte Holocaust-Leugner wie Sylvia Stolz oder der rechtsradikale YouTube-Aktivist Nikolai Nerling, der sich „Volkslehrer“ nennt. Am Donnerstag verzichtete Schaefer auf eine vergleichbare Mobilisierung seiner Anhänger.

Geläutert sah ihn das Gericht allerdings nicht und urteilte auf eine weitere Haftstrafe ohne Bewährung von einem Jahr und sechs Monaten. Es ist davon auszugehen, dass Alfred Schaefer mit Hilfe seines als Szeneverteidiger bekannten Fürther Rechtsanwalts gegen das Urteil in Berufung gehen wird. Gegen das Urteil vom vergangenen Jahr läuft ein Revisionsverfahren.