Waffensammler zu Haftstrafe verurteilt

Von Horst Freires
08.01.2021 -

Das Landgericht Flensburg verurteilte einen 41-Jährigen rechten Waffensammler und -händler aus Nordfriesland zu drei Jahren und drei Monaten Haft. Dieser kündigte bereits Rechtsmittel gegen das Urteil an.

Unzählige Waffen und Munition wurde bei F. bei Razzien gefunden, Foto (Symbolbild): BOSSI BY-NC-SA 2.0

Gleich zweimal wurde bei dem nicht vorbestraften Windenergieanlagentechniker Frederic F. ein riesiges Depot an Waffen entdeckt: Das Landeskriminalamt hob zunächst im Juli 2015 in einem Privathaus in der 730-Seelen-Gemeinde Winnert bei Husum ein umfangreiches Arsenal aus, ehe die Strafverfolgungsbehörden dann im Februar des vergangenen Jahres erneut bei ihm fündig wurden, ohne dass es dazwischen zu einer Gerichtsverhandlung kam. Im zweiten Fall lagerte das Gros in einer angemieteten Scheune im Ort.

Bei Razzia auch NS-Devotionalien gefunden

Die Liste der Funde 2015 ließ einen bereits erschauern: Frederic F. hortete 70 voll funktionsfähige Waffen in Form von Maschinenpistolen, Sturmgewehren und anderen Handfeuerwaffen wie Revolver, dazu Munition, rund 90 Kilo TNT-Sprengstoff, Panzerfäuste, eine russische Landmine und illegale Feuerwerkskörper. Zum Abtransport waren drei Lkw notwendig. Eine Handgranate musste vom hinzugezogenen Kampfmittelräumdienst aus Sicherheitsgründen sogar vor Ort gesprengt werden. Nachverfolgen konnte man zu all den Funden zunächst nur Bestellungen von Dekorations- und Salutwaffen aus der Slowakei. Im Zuge der Ermittlungen stieß man dann aber auch auf Bezüge aus Österreich und Deutschland. F. betätigte sich jedoch nicht nur als Sammler, sondern auch als Bastler und Tüftler. Einige Waffen verkaufte er daher auch nach Griechenland, Österreich oder Süddeutschland.

Und während die zuständige Staatsanwaltschaft in Flensburg sich in Bezug auf jede einzelne Waffe akribisch mit den etwaigen Anklagepunkten von Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz oder gegen das Waffengesetz beschäftigte, sammelte der unscheinbare und in der Nachbarschaft freundliche zweifache Vater einfach weiter. Der entscheidende Tipp vor der zweiten Razzia im Vorjahr kam von spielenden Kindern, die in der Scheune Kisten mit Mörsergranaten entdeckten. Und auch diesmal addierte sich zusammen mit der Hausdurchsuchung im Neubaugebiet ein abermaliger Schreckensfund: Diverse Langwaffen, Revolver, ein Maschinengewehr, ca. 500 Kilo Sprengstoff, Chemikalien und andere Werkstoffe zur Munitionsherstellung. Außerdem werden Reichskriegsflaggen, Hakenkreuzfahne und andere NS-Devotionalien bei F. beschlagnahmt sowie eine Menge an Marihuana, die den Eigenbedarf übersteigt.

Kontakte zu „Supernazifreunden“

Nach dem ersten Fund 2015 hieß es durch die Ermittlungsbehörden trotz Sicherstellung von NS-Utensilien, darunter Hitlers „Mein Kampf“, Verbindungen von F. in die rechte Szene oder in Reichsbürgerkreise lassen sich nicht aufzeigen. Der seit Anfang Dezember in Flensburg laufende Prozess, bei dem zu Beginn allein die Verlesung der Anklage über eine Stunde dauerte, brachte nun anderes zu tage. Der geständige F. räumte ein, früher Kontakt mit der nationalen Szene gehabt zu haben, sprach von „Supernazifreunden“. Sich selbst ordnete er politisch „der AfD am nächsten“ stehend ein. In einem WhatsApp-Chat fabulierte er von „Rassenschande“.

Eine psychiatrische Gutachterin attestierte dem 41-Jährigen volle Schuldfähigkeit. Sie konstatierte, der Mann laufe mit einem inneren Hass herum. Selbst versuchte F. sein Handeln als Leidenschaft und Hobby wie ein Modellbahnsammler darzustellen. Dazu habe auch gehört, selbst hergestellte Munition auf ihre Funktion und Sprengkraft zu testen.

Während die Staatsanwaltschaft für eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten plädierte, forderte die Verteidigung eine Bewährungsstrafe für ihren Mandanten. Das Gericht verurteilte den Mann schließlich zu drei Jahren und drei Monaten Haft, F. hat angekündigt, Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen zu wollen.

Erschienen in: Aktuelle Meldungen
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