„Vortragsnachmittag“ mit Günter Deckert

Von Horst Freires
14.10.2019 -

Im Südwesten hat sich seit nunmehr eineinhalb Jahren eine einem Stammtisch gleichende Gesprächsrunde mit wechselnden Referenten der extrem rechten Szene etabliert. Für den 20. Oktober wird zur nächsten Zusammenkunft eingeladen.

Illustre Gesprächsrunde im Südwesten; (Screenshot)

Anfangs war von einem „überparteilichem Gesprächskreis“ die Rede, aktuell wird ein „überparteilicher Vortragsnachmittag“ beworben. Die Gesprächskreise fanden noch bis in diesen Sommer hinein immer in Kaiserslautern statt, jetzt ist vom „Großraum Saar/Pfalz“ die Rede. Die Organisation obliegt aber in unveränderten Händen, wird doch eine identische Kontakttelefonnummer angegeben.

Diesmal sollen als Gäste der ehemalige NPD-Bundeschef und Holocaust-Leugner Günter Deckert aus Weinheim, der zuletzt einmal mehr ein Kommunalmandat für die Wählergruppierung „Deutsche Liste“ geholt hat, über „Nationale Erfolge durch Graswurzelarbeit“ und Wolfgang Thiel zu „Die 2. Saar-Abstimmung 1955“ sprechen.

André Poggenburg beim „Gesprächskreis“

Diese Gesprächsrunden trafen sich seit April 2018 und sammelten nach eigenen Angaben bis zu 50 Teilnehmende. Dabei kamen in diesem Jahr bereits der Ruhestands-Geistliche Friedrich Bode aus Bremen, der auch im Kreis von Holocaust-Leugnern anzutreffen ist, sowie der ehemalige AfD-Spitzenfunktionär aus Sachsen-Anhalt, André Poggenburg zu Wort.

Im Vorjahr hielt dort der AfDler Jens Ahnemüller aus Rheinland-Pfalz einen Vortrag zum Thema Diesel-Fahrverbot. Das und Begegnungen mit dem früheren stellvertretenen NPD-Landesvorsitzenden Sascha Wagner, der auch immer wieder die Gesprächsrunde besucht, haben schließlich im September 2018 zu Ahnemüllers Rauswurf aus der AfD-Landtagsfraktion geführt. Begründung war eine zu große Nähe zu rechtsextremen Kreisen und speziell zu Wagner. Dagegen wehrte sich der Betroffene sogar vor dem rheinland-pfälzischen Verwaltungsgerichtshof, scheiterte allerdings.

Wagner hatte in Folge der Diskussion um Ahnemüllers Rausschmiss nur von einem losen Kennverhältnis gesprochen und betont, dass er im Mai 2017 nach 26-jähriger Mitgliedschaft die NPD verlassen habe. Ahnemüller ist weiterhin AfD-Mitglied und sitzt nunmehr als fraktionsloser Abgeordneter im Mainzer Landesparlament.