Verschwörungstheorie trifft AfD-Politik

Von Rainer Roeser
27.09.2019 -

Das „Compact“-Magazin organisiert eine Veranstaltung mit dem Titel „Ökodiktatur. Wie wir unsere Autos, unsere Energieversorgung und unsere Freiheit verlieren“. Mit dabei ist ein AfD-Bundestagsabgeordneter.

„Souveränitätskonferenz“ des „Compact“-Magazins, mit dabei ist auch ein AfD-Bundestagsabgeordneter; (Screenshot)

Jürgen Elsässer, von links nach weit rechts außen gewanderter Chef des „Compact“-Magazins, wähnt das Land auf dem Weg in einen „neuen Totalitarismus“ mit der „Klimalüge“ als „zentralem Dogma“. Diese Sicht der Dinge hat er nicht exklusiv. Rechtsradikale jeder Couleur haben den Klimaschutz neben Islam, Flüchtlingen, selbstbewussten Frauen und einem gemeinsamen Europa als neues Feindbild entdeckt. „Compact“ widmet dem Thema nun sogar seine diesjährige „Souveränitätskonferenz“. Mit von der Partie ist auch ein AfD-Politiker.

Elsässers zwischen Verschwörungstheorie und Rechtsradikalismus changierendes Monatsmagazin lädt zu der „Konferenz“ am 16. November nach Magdeburg ein. Ihr Titel: „Ökodiktatur. Wie wir unsere Autos, unsere Energieversorgung und unsere Freiheit verlieren“. Zwischen 500 und 600 Besuchern erwartet Elsässer. Referieren sollen der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel, der Vorsitzende des Vereins „Zentrums Automobil“, Oliver Hilburger, der als „Öko-Ikone“ vorgestellte Holger Strohm, „Bestsellerautor“ Gerhard Wisnewski sowie Michael Limburg vom „EIKE-Institut“.

Obskure Theorien

Den verschwörungstheoretischen Part übernehmen Wisnewski und Strohm. Strohm hatte in den 70er und frühen 80er Jahren nicht zuletzt wegen seines Buches „Friedlich in die Katastrophe“ große Bedeutung für die Umweltbewegung. Mit obskuren Theorien über Chemtrails, die Entstehung von Aids oder US-amerikanische Manipulationen des Wetters, bewegte er sich aber stetig Richtung Verschwörungstheoretischem. 2012 veröffentlichte das NPD-nahe Magazin „Umwelt & Aktiv“ ein Interview mit dem heute 77-Jährigen.

Wisnewski (59) machte sich in der Szene unter anderem einen Namen, als er beweisen wollte, dass es 1969 keine bemannte Mondlandung gegeben habe. Bei der Veranstaltung in Magdeburg wird er die „Fridays for Future“-Bewegung mit der chinesischen Kulturrevolution vergleichen, heißt es in einer Ankündigung.

Wissenschaftssimulation

Einen „wissenschaftlichen“ Anschein soll Limburg der Veranstaltung verleihen. Limburg ist Vizepräsident des Vereins „Europäisches Institut für Klima und Energie“ (EIKE) und hat an der energie- und klimapolitischen Programmatik der AfD mitgearbeitet. EIKE gilt in Deutschland als die wichtigste Organisation derer, die einen menschengemachten Klimawandel leugnen.

Hilburger ist Betriebsrat bei Daimler in Untertürkheim und Chef des Vereins „Zentrum Automobil“, der sich selbst „unabhängige Gewerkschaft“ nennt. Der Ex-Gitarrist der Neonazi-Band „Noie Werte“ ist nicht zum ersten Mal beim „Compact“-Magazin zu Gast. 2017 sprach er bei einer „Oppositionskonferenz“ des Blattes.

Umstrittener Experte

Der ehemalige Daimler-Ingenieur Spaniel schließlich wird vom „Compact“-Magazin als „AfD-Verkehrsexperte“ angekündigt. Im Bundestag gibt der Stuttgarter den unerschütterlichen Vorkämpfer des Verbrennungsmotors. Lange galt er in der AfD als unumstritten vorzeigbarer Fachmann in Sachen Verkehrspolitik. Doch mittlerweile mehrt sich die Zahl seiner parteiinternen Gegner – nicht zuletzt seit sich Spaniel immer klarer auf die Seite von Björn Höckes „Flügel“ geschlagen hat und gegen Bundessprecher Jörg Meuthen Front macht.

„Das, was Morgenthau verwehrt blieb, darf den Politikern der Altparteien in diesem Land nicht gelingen!“, sagt Spaniel in einer seiner vielen Reden, die im Internet verfügbar sind – so als würden die Berliner Regierung und die von ihm ebenfalls kritisierte EU an einer Umwandlung Deutschlands in einen Agrarstaat arbeiten. Auch für „Experten“ ist der Weg zur Verschwörungstheorie nicht weit.