Verschwörungsideologisches Sammelsurium

18.05.2020 -

Mönchengladbach - Die Kundgebung des Rechtsextremisten Dominik Roeseler und des Vereins „Mönchengladbach steht auf“ gegen die Corona-Einschränkungen verlief weniger erfolgreich als erdacht.

Erneut eine Kundgebung angemeldet? Rechtsextremer Dauerdemonstrant Roeseler (hier bei einer Kundgebung im November 2015); Photo (Archiv: mik)

Die Versammlung auf dem Marktplatz in Rheydt konnte am gestrigen Sonntag erst nach mehreren Anläufen stattfinden. (bnr.de berichtete) Auch diesmal hatte Dominik Roeseler Probleme mit den Behörden. Nachdem diese ihn als Versammlungsleiter abgelehnt hatte, akzptierte sie auch dessen Vereinsmitstreiter Josef H. und den „Reichsbürger“ Sascha V. nicht für diese Position. Letztlich musste Marion de B., die sich vor Jahren im Umfeld der AfD im Rhein-Erft-Kreis bewegte, als Leiterin der Kundgebung in die Bresche springen.

Corona-Epedemie „für beendet“ erklärt

Die angemeldeten 300 Teilnehmer erschienen überdies nicht. Lediglich rund 100 Rechtsextremisten, Hooligans, Verschwörungsgläubige, Esoteriker und „Wutbürger“ waren anwesend. Da zudem Redner kurzfristig abgesagt hatten sprachen regulär nur Roeseler selbst und V. zum Publikum. Der verschwörungsideologische Musiker V. sang zudem einige seiner Lieder. (bnr.de berichtete) Der Rechtsextremist Roeseler erklärte per„Proklamation“ die Corona-Epidemie „für beendet“ und alle Politiker in den Regierungen hätten sich „traditionsbedingt in Nürnberg“ (wie die Nazi-Kriegsverbrecher; mik) zu verantworten „für den Schaden den sie am deutschen Volk zu verantworten haben“.

Nach dem offiziellen Teil öffnete Roeseler das Mikrophon für das Publikum. Was folgte war ein Sammelsurium aus Reden von etwas mehr als zehn „Reichsbürgern“, Sektierern, Verschwörungsgläubigen, Esoterikerinnen und Naturmenschen am Open Mic. Corona wurde dabei mehrfach als weniger gefährlich bezeichnet als etwa die neue Mobilfunktechnik 5G, als Elektrosmog und als die Lebensmittel heute. Eine Rednerin glaubte, Naturmenschen seien „immunstark“ gegen das Virus, eine andere leugnete die Gefahren von Corona „als [derzeit] kleinstes Übel auf Erden“. Die größere Abordnung der rechtsextremen „Bruderschaft Deutschland“, üblicherweise gewaltaffin und erlebnisorientiert, langweilte sich bei solchen Erzählungen. Noch vor Ende der Versammlung des einstigen Mitbegründers der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) leerte sich der Marktplatz allmählich. Gleichwohl kündigte Roeseler im Video-Livestream der AfD-Frau Yennyfer I. aus Düren an, ihm sei zu Ohren gekommen, jemand habe schon eine neue Demonstration angemeldet. (mik)