Verschwörungsideologen mit rechtem Touch

Von Horst Freires
02.02.2017 -

Vom morgigen Freitag bis Sonntag soll in der Nähe von Oettingen (Landkreis Donau-Ries) eine Zusammenkunft von Esoterikern, Wunderheilern, Pseudowissenschaftlern und Verschwörungstheoretikern stattfinden.

„Honigmann“ mit dabei beim Esoteriker-Treffen; (Screenshot)

Mitveranstalter des Treffens vom 3. bis 5. Februar ist der in München registrierte Verein „Mutter Erde Bayern“. Einen politisch rechten Touch bekommt die Zusammenkunft die in Wemding stattfinden soll, insbesondere, weil daran Ernst Köwing beteiligt ist, der seit Jahren als Blogger unter dem Namen „Honigmann“ im Internet aktiv ist.

Der Name bezieht sich darauf, dass der 70-Jährige sich lange Jahre als Imker betätigt hat. Er ist zu den so genannten „Reichsbürgern“ zu zählen und betreibt einen Kleinstverlag. Ende 2013 wurde er wegen Volksverhetzung vom Amtsgericht Varel zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Vor dem Oldenburger Landgericht zog er seine zunächst eingelegte Berufung zurück, so dass das erstinstanzliche Urteil rechtskräftig wurde. Er hatte den Holocaust leugnende Fremdkommentare über seinen Blog zugelassen, mache sich diese nach eigenen Worten aber nicht zu eigen.

Thema: „Hochverrat durch den politisch medialen Komplex“

Auf dem anstehenden Treffen will Köwing über die „aktuelle politische Lage“ reden. Hellhörig macht auch das Thema von Volker Wittmann – „Hochverrat durch den politisch medialen Komplex“. Traugott Ickeroth soll sich des Flüchtlingsthemas annehmen. Der Titel seines Vortrages lautet „Angriff auf Deutschland – Hintergründe der Masseneinwanderung“. Schon der Duktus im Impressum seiner Homepage, wo vom „Besatzerkonstrukt BRD“ die Rede ist, verortet auch ihn in die Ecke der Reichsideologen. Ickeroth benennt mit Wemding im Gegensatz zu Köwing den genauen Ort des dreitägigen Meetings vom 3. bis 5. Februar. Eine weitere Referentin mit „Reichsbürger“-Bezug ist Eva-Maria G. (Regensburg), die sich mit fragwürdiger Gesundheitsmedizin beschäftigt.

Treffen dieser Art werden von Köwing bundesweit seit mehreren Jahren organisiert. 2013 soll es sogar einmal bis ins ferne Paraguay gegangen sein. Auf der Homepage von „Mutter Erde Bayern“ findet sich kein Hinweis auf das Treffen. Anfang Dezember hatte es zuletzt ein gemeinsames Treffen in Thüringen gegeben. Wohl um sich weitere Optionen offen zu halten, sollte im vergangenen Sommer im Beisein Köwings auch der Verein „Mutter Erde Sachsen-Anhalt“ gegründet werden.

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