„Verlagstag“ der Neuen Rechten

Von Horst Freires
14.03.2019 -

Initiativen und Verlage aus dem neurechten Spektrum laden für Samstag zur „Werkstatt Europa“ nach Halle/Saale ein. Stattfinden soll das Treffen in den Räumlichkeiten von „Kontrakultur Halle“.

Gegenakzent von neurechter Seite zur Leipziger Buchmesse; (Screenshot)

Die Veranstaltung am 16. März soll eigenen Angaben zufolge einen Gegenakzent zu der in der nächsten Woche startenden Leipziger Buchmesse setzen, von der das verlegerische neurechte Spektrum sich diesmal weitgehend fern hält. Betitelt wird der „Verlagstag“ mit „Werkstatt Europa“ – im Jahr der Europawahlen wohl nicht ganz zufällig gewählt. Als Örtlichkeit haben die Organisatoren sich für den Sitz des „Identitären“-Projekts „Kontrakultur Halle“ mit dem Namen „Flamberg“entschieden, neuerdings auch in Anlehnung an den Straßennamen der Adresse (Adam-Kuckhoff-Straße) auch abkürzend mit AK16 betitelt. Die „Identitäre Bewegung“ ist jedenfalls eingebunden in die Veranstaltung, will nach eigener Aussage erstmals „unsere Europa-Kampagne“ präsentieren – eine Vision „eines Europas der Völker und Kulturen“. Als Leitmotiv der Kampagne wird die Losung „Unser Europa ist nicht eure Union“ ausgegeben.

„Sezession“ lädt zum Event

Angekündigt für besagten „Verlagstag“ sind die vier Verlage Antaios, Manuscriptum, Jungeuropa und Renovamen. Antaios mit Sitz auf dem Rittergut Schnellroda in Sachsen-Anhalt wird von Götz Kubitschek geleitet, der zugleich ganz eng mit der neurechten Kaderschmiede Institut für Staatspolitik (IfS) verbunden ist. Die IfS-Zeitschrift „Sezession“ hatte auf den „Verlagstag“ hingewiesen, agiert dabei als Einlader zum Event.

Renovamen ist ein Kleinstverlag, der laut Impressum in Bad Schmiedeberg ansässig ist. Die Geschäfte wurden dort 2013 aufgenommen. Der Verlag Manuscriptum residiert im westfälischen Lüdinghausen. Dort  ist seit ein paar Jahren auch der Landt-Verlag untergeschlüpft. Zudem wird die Vierteljahresschrift „Tumult“ verbreitet. Ein weiterer Verlag, der sich in Halle präsentieren möchte, ist Jungeuropa aus Dresden, 2016 gegründet und geleitet von Philip Stein, der inzwischen zu den einflussreichsten Gesichtern und Wortführern der neurechten Bewegung zu zählen ist. Stein ist Mitglied der rechtslastigen Marburger „Burschenschaft Germania“, Sprecher des stramm rechtsorientierten Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ und Führungskraft der Initiative „Ein Prozent“. Er pflegt zudem internationale Kontakte, saß 2017 auf dem Podium Veranstaltung der neofaschistischen Kulturbewegung „CasaPound“ in Italien.

Auf „Referenten aus dem In- und Ausland“ hingewiesen

„Sezession“ wirbt dafür, dass Redakteure und Autoren aus ihrem Hause am Samstag in Halle zugegen sein werden. Ausdrücklich wird auf die Anwesenheit von „Ein Prozent“ hingewiesen, verharmlosend als Bürgerinitiative tituliert. Dabei handelt es sich um eine umtriebige Vernetzungs- und Finanzierungsorganisation rechter Aktivitäten, bei der neben Stein auch Helge Hilse aus dem südostsächsischen Oybin als Vorstandsmitglied und Strippenzieher fungiert. „Ein Prozent“ bezeichnet sich in seiner Eigendarstellung als „Deutschlands größtes patriotisches Bürgernetzwerk“, aber auch als „professionelle Widerstandsplattform“.

Für den „Verlagstag“ wird durch „Sezession“ außerdem noch auf „Referenten aus dem In- und Ausland“ hingewiesen, ohne dass dabei Namen genannt werden. Als musikalischen Gast kündigt man den in Hannover geborene Pianist Kemal Cem Yilmaz an. Bereits 2016 verteidigte dieser um  rechtspopulistischen „Compact“-Magazin von Jürgen Elsässer die Anliegen der Pegida-Bewegung. Elsässer gehörte 2016 neben Philip Stein und Götz Kubitschek zu den Mitinitiatoren von „Ein Prozent“ ­– ein Beispiel für Netzwerkarbeit neurechter Couleur.