Urteilsserie gegen Dortmunder Neonazis

05.12.2019 -

Dortmund – Der Neonazi-Kader Matthias Drewer wurde gestern zu einer neuen Haftstrafe verurteilt, der Mitangeklagte Sascha Krolzig verließ den Gerichtssaal diesmal mit einem Freispruch.

Matthias Drewer 2014 als Redner bei einem Neonazi-Aufmarsch in Aachen; Photo (Archiv): M.K.

Drewer ist seit Jahren in der Neonazi-Szene aktiv, auch bei der Partei „Die Rechte“ (DR) respektive in deren Umfeld. In die Schlagzeilen geriet er nicht nur wegen seiner radikalen Reden bei Aufmärschen und der Beteiligung an Straftaten, sondern ebenso, weil unter anderem Bilder mit ihm vor rund fünf Jahren Veröffentlichungen illustrierten, die sich dem Phänomen der „Nazi-Hipster“ respektive „Nipster“ annahmen. Sowohl als Fotograf für die Szene als auch als „Anti-Antifa“-Aktivist fiel er auf. Sein Bruder Christoph, ein führender DR-Funktionär, trat kürzlich eine Haftstrafe an. (bnr.de berichtete)

Matthias Drewer sitzt wegen des gestern angeklagten Vorfalls schon seit Oktober in Untersuchungshaft. Einem Prozessbericht des Lokaljournalisten-Portals „Nordstadtblogger“ gleicht der 27-Jährige einem politischen Intensivtäter, er sei „bereits zehn (!) Mal rechtskräftig verurteilt“ worden. Gestern wurde er nun am Amtsgericht Dortmund wegen gefährlicher Körperverletzung und antisemitischer Beleidigung zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weswegen formal die Untersuchungshaft andauert. Die ihm vorgeworfenen Taten hat er unter laufender Bewährung begangen.

Mehrfach verurteilter „verhinderter Jurist“

Angeklagt war Drewer, weil er und andere Neonazis im Oktober zwei „Passanten“ („Nordstadtblogger“) respektive „Antifaschisten“ und „Linksextremisten“ (Neonazis) in ihrem „Nazi-Kiez“ bedrängt und verfolgt haben sollen. (bnr.de berichtete) Die Neonazis hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass man nach Wortgefechten nur in Notwehr gehandelt habe. Drewer selbst soll dabei Pfefferspray eingesetzt haben. Angeblich sei eine Attacke durch einen der beiden Linken gegen ihn und die „Kameraden“ erwartet worden, hieß es immer wieder. Eine Internetseite aus dem Umfeld der DR rügte daher auch das Urteil als falsch sowie als „wohl ein weiteres Exempel im ‚Kampf gegen Rechts‘“.

DR-Bundeschef Sascha Krolzig – den das seiner Partei sehr nahe stehende Portal als „beliebten Volkspolitiker“ glorifizierte – war ebenso wegen des Verfahrenspunktes mit angeklagt worden. Jedoch sah das Gericht bei ihm die Vorwürfe nicht belegt und sprach ihn frei. Krolzig drohen jedoch weitere Verfahren. (bnr.de berichtete) Mehrere zuletzt gegen ihn gesprochene Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Laut „Nordstadtblogger“ wurde der „verhinderte Jurist [jedoch schon] bereits 13 (!) Mal rechtskräftig verurteilt“. Wegen des gestern angeklagten Vorfalls müssten sich laut des Blogs zudem zwei weitere Neonazis –  darunter Alexander Deptolla vom „Kampf der Nibelungen“ (KDN) – in abgetrennten Verfahren verantworten.

Gegen Matthias Drewer wurden in dem Prozess gestern zudem Vorwürfe verhandelt, dass er Menschen – auch antisemitisch – beleidigt haben sollte.  Wegen eines Vorfalls aus dem Jahr 2018 wurde er daher zudem verurteilt, so dass das Schöffengericht die oben genannte Gesamthaftstrafe bildete. Drewer soll in diesem Fall jemanden als „Du Scheiß-Jude, Du Untermensch, Du feige Sau!“ tituliert haben. (mik)