Unpolitische „Oi!“-Subkultur?

Von Sebastian Lipp
01.11.2017 -

Die „Southern Rebels“ haben das Neonazi-Label „Subcultural Records“ verlassen, „Loi!chtfeuer“ wollen nur noch im Geheimen spielen.

Erst im Oktober nahmen die „Southern Rebels“ an einem Konzert mit 250 Neonazis teil; (Screenshot)

Die so genannte „Oi!“-Subkultur der Skinheads: Für manche Szenevertreter entspringt sie aus einer explizit antirassistischen Tradition, andere sehen darin eine strikt unpolitische Spaßkultur und einige rechte Skinheads nutzen sie zur Verbreitung neonazistischer Ideologie.

Die „Southern Rebels“ aus Landsberg am Lech positionierten sich in diesem Spannungsfeld bislang als nicht-rechts. Auf Facebook etwa charakterisierten sie ihre Band als „not brown, not red, just Skinhead“ und zeigten sich in „Against Racism & Hate“-Shirts. Dann stießen sie zum extrem rechten Musiklabel „Subcultural Records“ aus der nahen Region Allgäu, wo sie ihr erstes Album veröffentlichen wollten.

Im April spielten die „Southern Rebels“ dann ein von ihrem neuen Label und „RACcoon Records“ organisiertes Konzert mit den „Prolligans“ bei Pforzheim. (bnr.de berichtete) Mehrere Bandmitglieder der „Prolligans“ spielen zugleich in anderen einschlägigen Rechtsrock-Bands wie „Faustrecht“, „Hard As Nails“ und „Smart Violence“ mit. (bnr.de berichtete) Sämtlich wurden diese Bands von „Oldschool Records“ (bnr.de berichtete) produziert und vertrieben. Das ist kein Zufall – hinter „Oldschool Records“ und „Subcultural Records“ steht derselbe Betreiber, der offenbar gezielt versucht, eine sich als unpolitisch verstehende Skinhead-Szene mit Neonazi-Bands zusammen zu bringen.

Ausladungen von „Subcultural Records“-Bands

Innerhalb eines halben Jahres wurden die Kontakte der „Southern Rebels“ in die rechtsextreme Szene so eng, dass sie im Oktober an einem von „Voice of Anger“ im Geheimen organisierten Konzert mit rund 250 Neonazis teilnehmen durften, das erst durch einen Bericht von „Allgäu rechtsaußen“ öffentlich wurde.

Auf kritische Berichterstattung folgten Konzertabsagen und Ausladungen von Bands aus dem Angebot von „Subcultural Records“. Betroffen waren auch die „Southern Rebels“. (bnr.de berichtete) Vor wenigen Tagen teilte die Band dann auf Facebook mit, ihr Label verlassen zu haben. Man habe sich im gegenseitigen Einverständnis getrennt, die Veröffentlichung des geplanten Albums für unbestimmte Zeit verschoben.

Auch die „Subcultural Records“-Band „Loi!chtfeuer“ beklagt sich über „etliche“ Konzertausfälle. (bnr.de berichtete) www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/kein-rechter-oi-im-bliesgau Deshalb kündigten vorige Woche auf Facebook an, in Zukunft „nur noch geheim Konzerte im Untergrund spielen“ zu wollen. „So halten wir auch den Abschaum fern“, heißt es weiter in dem Statement. Zuletzt wurde ein Konzert mit „Loi!chtfeuer“ für den 2. Dezember zum 18-jährigen Jubiläum der Kneipe „Ronjas Räubereck“ in Bremerhaven angekündigt.

Bekenntnis zum rechtsextremen RAC

„Loi!chtfeuer“ bewegen sich ebenfalls einer Grau- bis Braunzone zwischen „unpolitisch“ und stramm rechts, wie der Experte Sören Kohlhuber berichtet: „Deren Sänger, Michael Schäfer, war NPD-Funktionär in Bremerhaven, sein Mitmusiker Lasse Krüger Aktivist der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN).“ Das schlägt auch auf die Texte durch. In ihrem neuen Titel „Die Regenbogenfahne brennt“ besingt die Band etwa ihre Vernichtungsphantasien gegenüber Homosexuellen: „Die Zeit zum aufwachen ist da […] Wir wollen nicht mehr länger mit schwulem Terror leben […] werden niemals Schwule akzeptieren […] ihre Tuntenbar stürmen […] Homos […] können nun die Radieschen von unten sehen“.

Ein Mitglied der der „Prolligans“, das zugleich zu „Smart Violence“ gehört, reagierte indes auf Facebook mit einem Bekenntnis zum rechtsextremen „Rock Agains Communism“ (RAC) auf die Trennung der „Southern Rebels“ von ihrem Label: „erkenne die Wahrheit – Real Oi! is RAC“.

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