Trutzbund: Admin von rechtem Portal angeklagt

Von Horst Freires
03.03.2021 -

Sehr aufwändige Ermittlungen seit August 2019 haben in Sachsen zu einer Anklage gegen einen 56-jährigen Chemnitzer geführt, der als mutmaßlicher Administrator eines rechtsesoterischen offen zugänglichen Internetportals angesehen wird.

Die Internetseite ist bereits seit längerer Zeit nicht mehr zu erreichen.

Der Mann soll aus Sicht der Strafverfolger in 600 Fällen für das Verbreiten verfassungswidriger Kennzeichen wie etwa des Hakenkreuzes verantwortlich gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hat am 11. Februar Anklage gegen den Mann erhoben Das mittlerweile nicht mehr erreichbare Portal war Mitteilungs- und Informationsplattform für eine rechtsesoterische Vereinigung unter dem Namen Trutzbund, die Ende 2017 in der Schweiz gegründet wurde, auch in Deutschland schnell Fuß fasste und sich regional in Gaue unterteilte.

„Tag X“ kommuniziert

Die Gruppierung hatte sich offenbar auf ihre Fahnen geschrieben, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu zerschlagen und durch ein „neues Deutsches Reich“ zu ersetzen. Entdeckte Sitzungsprotokolle belegen regelmäßige Zusammenkünfte. Neben dem Chemnitzer ist als mutmaßlicher Haupttäter ein 58-Jähriger aus dem mittelsächsischen Brand-Erbisdorf ins Blickfeld der Ermittler geraten.

Die umfänglichen Überprüfungen der vielen Trutzbund-Aktivisten führten zur Erkenntnis, dass sich die Protagonisten in Chats und Kommentaren virtuell verbalradikal miteinander austauschten und Grußformeln wie Sieg Heil verwendeten. Der Verdacht, eine kriminelle Vereinigung zu bilden, bestätigte sich real aber nicht, auch wenn untereinander über einen „Tag X“ kommuniziert wurde. 

Trutzbund-Zirkel zählte 260 Angehörige

Nach Angaben der Polizei führte die Auswertung eines Datenbestandes von rund 7.000 Gigabyte zu 59 weiteren Tatverdächtigen im gesamten Bundesgebiet. In etlichen Verfahren wurde bereits mit der Ausstellung von Strafbefehlen mit bis hin zu 10.500 Euro reagiert.

Insgesamt rechnet die Polizei dem Trutzbund-Netzwerk etwa 260 Angehörige zu. Am Ende des Ermittlungskomplexes stand die Einleitung von 153 Strafverfahren. Ausgangspunkt, der alles ins Rollen brachte,  war ein 2018 erfolgter Zeugenhinweis beim Landeskriminalamt in Baden-Württemberg.           

Erschienen in: Aktuelle Meldungen
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