Terrorverdächtige „Prepper“

11.09.2017 -

Hinter den beiden der möglichen Vorbereitung einer schweren Gewalttat beschuldigten Personen in Mecklenburg-Vorpommern steht ein Netzwerk von „Preppern“.

Beim Beschuldigten H. in Rostock stellten die Polizeibeamten Unterlagen sicher; Photo: J.F.

Die Anti-Terror-Einheit GSG9 der Bundespolizei war vor zwei Wochen ausgerückt, um die Wohn- und Geschäftsräume von sechs Männern in Mecklenburg-Vorpommern zu durchsuchen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt nämlich gegen zwei Beschuldigte wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat – ein Terrorparagraf, der sonst zumeist gegen Salafisten zum Tragen kommt. Die Beschuldigten Jan Hendrik H., ein Anwalt aus Rostock, und Haik J., ein Kriminalpolizist aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim, sollen für den Fall einer Staatskrise ins Auge gefasst haben, Linke zu kidnappen und zu ermorden. Wie die „Welt“ berichtet, soll J. seinen Dienst-Computer missbräuchlich dazu genutzt haben, um an Meldeadressen zu gelangen. H. gehört der Rostocker Bürgerschaft an, war früher in der FDP aktiv.

Nicht nur die beiden Terrorverdächtigen, sondern auch die vier als Zeugen geführten Personen, bei denen ebenfalls Durchsuchungen stattfanden, verfügen legal über Schusswaffen. Deshalb stürmte die Eliteeinheit GSG9 die Wohnhäuser der sechs Personen. Die Landespolizei in Mecklenburg-Vorpommern wurde vom Bundeskriminalamt nicht mit einbezogen, da zwei der von der Razzia betroffenen Männer im Polizeidienst des Bundeslandes sind.

Die Beschuldigten und die vier Zeugen verbindet, dass sie alle in der Gruppe „Nordkreuz“ organisiert sind, ein Zusammenschluss von so genannten Preppern im Nordosten Deutschlands. „Prepper“ bereiten sich auf mögliche Katastrophen und den Zusammenbruch der staatlichen Strukturen vor, horten dafür Lebensmittel, Treibstoff und teils auch Waffen. Die Gruppe „Nordkreuz“ besteht aus rund 30 Personen – plus Familien –, die überwiegend etwa als Sportschützen und Jäger über legale Waffen verfügen. Die Gruppe, die sich offenbar für drei Monate mit Lebensmittel eingedeckt hat, kommuniziert über den Messenger-Dienst „Telegram“.

„Nordkreuz“ als Reaktion auf die „Flüchtlingskrise“

In einem Schuppen auf dem Grundstück von H. stellte das Bundeskriminalamt Aktenordner sicher, in denen sich auch steckbriefartig die Daten von politischen Gegnern befinden sollen. Dabei soll es sich um Unterstützer eines linken Wohnprojektes und einer Flüchtlingsunterkunft handeln. Er habe die Daten gesammelt, um Gegnern dieser Vorhaben „Ansprechpartner für ihren persönlichen Protest benennen zu können“, so H. gegenüber dem ARD-Magazin „Panorama“. Wie das Innenministerium in Schwerin inzwischen mitteilte, bestehe nach Einschätzung des Bundeskriminalamts „gegenwärtig (…) keine unmittelbare Gefährdung“ der in den Unterlagen genannten Personen. Der Generalbundesanwalt übermittelte die Unterlagen auch an das Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern (LKA). Dies ist brisant, da einer der Durchsuchten ein langjähriger LKA-Beamter ist.

Der in dem Verfahren als „nicht tatverdächtiger Dritter“ geführte Marko G. aus der Nähe von Schwerin, ein Polizeibeamter des Landes, äußerte sich gegenüber „Panorama“ zu den Vorwürfen und zur Gruppe „Nordkreuz“: Man befürchte einen Zusammenbruch des Banken-Systems, Stromausfälle oder andere Krisen. Von Mordplänen wisse er nichts, sagt G., so etwas sei niemals diskutiert worden. „Nordkreuz“ wurde von G. Anfang 2016 gegründet und war unter anderem eine Reaktion auf die „Flüchtlingskrise“ und den Ukraine-Konflikt. Der Zeuge Marko G. und der Beschuldigte Haik J. sind Mitglieder der AfD.

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