Subkulturelle braune Szene

Von Sebastian Lipp
20.04.2017 -

Die Allgäuer Combo „Prolligans“ spielte vor wenigen Tagen ein Kneipenkonzert bei Pforzheim – und sich sowie ihr Label „Subcultural Records“ an eine „unpolitische“ Skinhead-Szene heran.

Eintrittskarten für das Event; (Screenshot)

Nach Angaben der Mitveranstalter „RACcoon Records“  traten die Allgäuer „Prolligans“ zusammen mit den „Southern Rebels“ aus Landsberg am Lech und der baden-württembergischen Cover-Band „Oifach Oi!“ bei einem Konzert in einem Pub in Mühlacker bei Pforzheim auf. Die örtliche Polizei erfuhr indes von dem Rechtsrock-Event erst auf unsere Anfrage und verwies an die Kollegen beim Staatsschutz in Karlsruhe. Auch hier sei aber „präsidiumsweit nichts bekannt“. Ein Sprecher des Landesamts für Verfassungsschutz Baden-Württemberg antwortete kryptisch, er „kann weder bestätigen noch dementieren.“

Die seit 2004 aktiven „Prolligans“ stehen nach eigenen Angaben vor der Veröffentlichung ihres siebten Tonträgers und geben sich als unpolitische Oi!-Band. Auch das Allgäuer Plattenlabel „Subcultural Records“, das Tonträger der Band als „Eigenproduktionen“ im Sortiment hat und als Mitveranstalter des Konzertes fungiert, gibt sich betont subkulturell und sucht Anschluss an Oi!-Skins. Damit wird versucht, diese vorgeblich unpolitische Skinhead-Szene mit astreinen Neonazi-Bands zusammenzubringen.

„Oldschool Records“ und „Subcultural Records“ haben denselben Betreiber

Am Samstag vor Ostern ist das offenbar gelungen. Mit den „Southern Rebels“ aus Landsberg am Lech stand eine junge Band mit der Rechtsrock-Combo auf der Bühne, die sich selbst als „not brown, not red, just Skinhead“ bezeichnet und deren Mitglieder sogar in „Against Racism & Hate“-Shirts posieren. Der Auftritt mit den „Prolligans“ habe den Landsbergern gefallen, wie sie im Nachhinein schrieben.

Tatsächlich spielen mehrere Mitglieder der „Prolligans“ zugleich in anderen einschlägigen Rechtsrock-Bands wie „Faustrecht“, „Hard As Nails“ und „Smart Violence“ mit. (bnr.de berichtete) Sämtlich wurden diese Bands von „Oldschool Records“ (bnr.de berichtete) produziert und vertrieben. Das ist kein Zufall – hinter „Oldschool Records“ und „Subcultural Records“ steht derselbe Betreiber.

Noch in diesem Jahr wollen die „Prolligans“ auch im Raum Pforzheim und Leipzig erneut auftreten.
 

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