Strafkolonie für braunen Gewalttäter

Von Rudolf Kleinschmidt
02.01.2019 -

Der militante russische Neonazi Maxim Martsinkevich wurde im Berufungsverfahren zu zehn Jahren verurteilt.

Brutale Gewalttaten von russischer Neonazi-Gang; Photo (Symbol): Rainer Sturm / pixelio

Ende Dezember wurde in einem Berufungsverfahren vor einem Moskauer Gericht das Urteil gegen den brutalen Neonazi Maxim „Tesak“ Martsinkevich bestätigt. Der mehrfach vorbestrafte Neonazi war 2017 zu einer zehnjährigen Haftstrafe in einer Strafkolonie verurteilt worden, nachdem er 2013 und 2014 unter dem Aktionsnamen „Occupy Narcophilia“ mit weiteren Neonazis angebliche Rauschgiftsüchtige und Rauschgifthändler überfiel, oft brutal zusammenschlug, quälte, folterte und beraubte. Zudem stellten er und seine Anhänger Videoclips der Gewalttaten online. Laut Gericht soll mindestens eines der Opfer danach gestorben sein. Neben Martsinkevich waren neun weitere Bandenmitglieder zu Haftstrafen von drei bis zehn Jahren verurteilt worden.

Gewaltvideos mit „Landser“-Musik

Der 1984 geborene Martsinkevich hat eine lange gewaltsame neonazistische Vergangenheit mit zahlreichen Übergriffen auf Minderheiten, die er und seine Anhänger unter verschiedenen Gruppennamen verübten. Nach Aktivitäten in militanten Skinhead-Gruppen gründete er 2005 „Format 18“, eine militante Neonazi-Gruppe, die ihre brutalen Überfälle auf Menschen aus dem Kaukasus und Asien sowie auf Linke auch filmte und im Internet veröffentlichte – darunter Videos, hinterlegt mit der Musik der früheren deutschen Band „Landser“, in denen Menschen in der U-Bahn brutal zusammengetreten wurden.

2007 wurde der militante Neonazi wegen Aufstachelung zu Rassenhass zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, „Format 18“ schließlich 2010 verboten. Eine weitere Haftstrafe erhielt Martsinkevich 2009 wegen eines (angeblich gefälschten) Videos mit der Erhängung eines Drogenhändlers durch „Format 18“-Neonazis in Ku Klux-Klan-Roben. Er wurde zu weiteren drei Jahren Haft verurteilt.

Teilnahme an Grausamkeiten gegen Bezahlung angeboten

Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde, begann er, mit Gesinnungsfreunden unter dem Aktionsnamen „Occupy Pedophilia“ Menschen zu jagen, denen Homosexualität unterstellt wurde. (bnr berichtete) Die  Neonazis suchten ihre Opfer meist übers Internet und quälten und folterten sie teils stundenlang. Dabei gingen sie mit besonderer Gewalt vor: So stellte Tesak bei einem Übergriff sein Opfer vor die Wahl, mit einer Gabel ein Auge ausgestochen zu bekommen oder sich damit zu penetrieren. Videos der brutalen Aktionen wurden im Internet veröffentlicht, und gegen Bezahlung boten sie an, dass andere an den Hetzjagden und Grausamkeiten teilnehmen konnten. Ein weiterer Aktionsname für brutale Gewalt war „Occupy Gerontophilia“, der sich angeblich gegen Menschen richtete, die gleichgeschlechtliche Beziehungen mit älteren Partnern suchten.

2014 wurde Martsinkevich (nur) wegen Aufstachelung zu Rassenhass und Gewaltandrohung zu einer fünfjährigen Haft in einer Strafkolonie verurteilt. Die Strafe wurde noch im selben Jahr auf zwei Jahre und zehn Monate reduziert. 2015 startete der Prozess wegen „Occupy Narcophilia“ und endete 2017 mit dem Urteil, das jetzt im Berufungsverfahren bestätigt wurde.

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