Stelldichein im rechten Wallfahrtsort

Von Horst Freires
01.02.2019 -

Der vom Verfassungsschutz beobachtete „Verein Gedächtnisstätte“ im thüringischen Guthmannshausen (Landkreis Sömmerda) lädt zum 16. und 17. Februar zum wiederholten Mal zu einem Wochenendaufenthalt in seine Räumlichkeiten ein.

Geschichtsrevisionistisches Wochenende auf dem ehemaligen Rittergut in Guthmannshausen; Photo (Archiv): K.B.

Beworben werden für das Wochenende Mitte Februar vier Vorträge. Der nationalistische, geschichtsrevisionistische „Verein Gedächtnissätte“ kündigt seine diesbezüglichen Aktivitäten unter dem Sammelbegriff „Kulturangebot“ an.

Den Beginn macht am 16. Februar ein Referat des langjährigen NPD-Kaders Roland Wuttke. Das Thema lautet: „Auf den Spuren der toten Krieger – Ostpreußische Impressionen“. Wuttke ist stellvertretender Vorsitzender des von Wolfram Schiedewitz geführten Vereins, dem bereits vor einigen Jahren die anfangs noch erteilte Gemeinnützigkeit wieder entzogen wurde. Für das rechtsextreme Blatt „Volk in Bewegung – Der Reichsbote“ fungiert Wuttke zudem als Schriftleiter.

„Hohe Meißner-Preis“ für den „Volkslehrer“

Auf der Liste der Vortragenden befindet sich auch Heilwig Holland, langjährige Vorsitzende des rassistischen, bereits 1981 ins Leben gerufenen, „Schutzbunds für das deutsche Volk“ (SdV). Im vergangenen Herbst verlieh der SdV erstmals den „Hohe Meißner-Preis“ an den in der rechten Szene gehypten und oft in Holocaust-Leugner-Kreisen verkehrenden selbst ernannten „Volkslehrer“ Nikolai Nerling. Der Name der Auszeichnung ist nach SdV-Angaben angelehnt an einen Versammlungsort 1913 der ersten Freideutschen Jugendbewegung. Holland (Jahrgang 1941) war früher einmal Funktionärin in der Partei Die Republikaner. Berührungsängste zu Kontakten in die rechtsextreme Szene gab es für die frühere Ökobäuerin nie. So lieferte sie der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) ebenso einen Aufsatz, wie sie dem NPD-Organ „Deutsche Stimme“ für ein Interview zur Verfügung stand. Holland soll in Guthmannshausen über „Vertreibung, die Benes-Dekrete und die Haltung der Sudetendeutschen“ referieren.

„Deutschlands falsches Geschichtsbild“

Als Gast im Wallfahrtsort der rechten Szene vorgesehen ist auch Gerd Medger aus Dresden. Er fiel 2017 mit einem Brief auf, in dem er sich für den inhaftierten Antisemiten Horst Mahler einsetzte. Auszugsweise veröffentlichte der Oberhausener Holocaust-Leugner Henry Hafenmayer das Schreiben. Medger referierte bereits 2017 über deutsches Brauchtum beim „Verein Gedächtnisstätte“. Dieses Mal sind von ihm Ausführungen zu Geopolitik und Geostrategie zu hören.

Schließlich wird für das dritte Februarwochenende Gerd Schultze-Rhonhof (Jahrgang 1939) als prominenter Redner präsentiert. Er soll sich über „Deutschlands falsches Geschichtsbild – ein Grund für die deutsche Selbstverachtung“ auslassen. Der frühere Generalmajor der Bundeswehr ist seit vielen Jahren publizistisch und als Referent zu geschichtsrevisionistischen Themen unterwegs. 2014 erhielt er die „Ulrich-von-Hutten-Medaille“ der GfP.

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