„Silberjunge“ vermarktet sich selbst

14.07.2020 -

Berlin/Hamm - Der AfD-nahe, verschwörungsideologische Publizisten Thorsten Schulte soll nach eigenen Angaben wegen des Aufnehmens eines Werbevideos im Deutschen Bundestag eine Geldbuße von 200 Euro zahlen.

Der „Silberjunge“ hat für sein Buch auch im Bundestag geworben; (Screenshot: mik)

„Schäuble geht vermutlich im Auftrag Merkels gegen mich vor! [...] Anscheinend ist Merkel sauer, weil ich sie in [meinem] Video [...] zeigte“ teilte der auch als „Silberjunge“ firmierende Autor und Redner (bnr.de berichtete) am 10. Juli via Facebook mit. So inszeniert er sich einmal mehr als Opfer – obschon er sich durch eine provokative Aktion selbst in die Bredouille brachte. Parallel dazu verbreitete Schulte auf seinem Telegram-Kanal den Bußgeldbescheid. Demnach hat er am 23. Dezember 2019 gegen die Hausordnung des Bundestages verstoßen, indem er dort ein Video aufnahm und darin für sein Buch „Fremdbestimmt“ (bnr.de berichtete) warb.

Werbeaufnahmen für kommerzielle Zwecke sind im Parlament jedoch verboten. Als ehemaliger Mitarbeiter eines oder einer in dem Bußgeldbescheid nicht namentlich genannten Abgeordneten habe der „Silberjunge“ schon einmal Videoaufnahmen getätigt, somit sei er kein unwissender Wiederholungstäter.

In Begleitung von AfD-Abgeordneten

Schulte blickt auf eine kurze Anstellung als Mitarbeiter der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel zurück, die ihn jedoch alsbald wieder entließ. Laut dem von Schulte selbst verbreiteten Schriftsatz warb der Autor aus Hamm bei seinem Dreh mehrfach für sein Buch. Zudem sei er zeitweise in Begleitung der beiden AfD-Abgeordneten Albrecht Glaser und Hansjörg Müller gewesen. Beide sprechen laut Bußgeldbescheid in dem Video auch mit Schulte über dessen Buch. Laut des Schreibens habe Schulte zudem mitgeteilt, beide hätten ihm den Einlass zum Parlament ermöglicht. Provokativ will der „Silberjunge“ bei dieser Gelegenheit zudem Buchexemplare an den Fraktionsvorstand der Unionsparteien verschenkt haben.

Die verschwörungsgläubigen Fans des Autors glauben ebenso wie er selbst, man wolle ihn unterdrücken. Ein Anhänger kommentierte bei Facebook, er habe wegen eines Postings, in dem er das Buch bewarb, von dem sozialen Netzwerk „die Drohung einer Sperre bekommen“. Sein Posting sei zudem gesperrt worden. Der„Silberjunge“ befand zu diesem Kommentar und einem Screenshot von dem inkriminierten Posting seines Lesers: „Ohne Worte!“ Tatsächlich hat Facebook in diesem Fall den Beitrag jedoch nur gesperrt wegen des Begleittextes des Schulte-Lesers. Der hatte das Buch empfohlen und dazu geschrieben: „Deutschland erwache!“ Das war eine zentrale und nun verbotene Parole von NSDAP und SA. (mik)