Saar-AfD versucht den Neustart

Von Rainer Roeser
05.10.2020 -

Die Ära Josef Dörr ist bei der AfD im Saarland erst einmal zu Ende. Der Bundestagsabgeordnete Christian Wirth (57) wurde am Wochenende bei einem Parteitag in Saarbrücken zum neuen Landesvorsitzenden gewählt.

Versucht einen Neustart: die Saar-AfD. (Screenshot)Versucht einen Neustart: die Saar-AfD. (Screenshot)

Die Gräben sind tief im zweitkleinsten Landesverband der AfD. Vor einem halben Jahr setzte der Bundesvorstand die Führung der Partei an der Saar ab und installierte einen dreiköpfigen Notvorstand. Für die einen in der Saar-AfD war die Amtsenthebung des Dörr-Vorstands ein Akt der „Befreiung“, wie das ein Mitglied am Samstag formulierte. Für die anderen war es der Beginn einer sechsmonatigen „Fremdherrschaft“, die nun wieder enden sollte.

Doch die, die sich als Opfer einer Okkupation wähnten, erlebten bei dem zweitägigen Treffen eine Schlappe. Sie kam nicht unerwartet. (bnr.de berichtete) In den letzten Monaten hatten sich mehr und mehr frühere Dörr-Unterstützer vom 82-jährigen Parteipatriarchen abgewandt, der fünf Jahre an der Spitze der AfD im Saarland gestanden hatte. Zu massiv waren die Vorwürfe gegen die Amtsführung seines Vorstands. Dörrs Gegner warfen ihm vor, er habe Bundessatzung und Parteiengesetz ignoriert, die Aufnahme neuer Mitglieder boykottiert, AfD-interne Wahlen manipuliert und Kritiker „konsequent mit allen Mitteln mundtot gemacht“.

Christian Wirth neuer Landeschef

Seine Chancen schrumpften weiter, als klar war, dass der Notvorstand alle rund 480 Mitglieder zum Parteitag einladen würde. Delegiertenparteitage hatte Dörr zwar stets zu steuern gewusst. Doch seine einzige Niederlage hatte er in den letzten Jahren bei einem Mitgliederparteitag hinnehmen müssen. Ähnlich war es diesmal. Im ersten Wahlgang erhielt der amtsenthobene Ex-Vorsitzende nur 52 von 169 Stimmen (knapp 31 %). Den Einzug in die Stichwahl verfehlte er. Seine Kontrahenten Christian Wirth (Dörr-Gegner seit Langem) und Christoph Schaufert (Dörr-Gegner seit ein paar Monaten) kamen auf 60 und 55 Stimmen. In der Stichwahl votierten 94 Mitglieder für Wirth und 62 für Schaufert.

Erster stellvertretender Vorsitzender wurde der Landtagsabgeordnete Lutz Hecker, der im Sommer aus der von Dörr dominierten Landtagsfraktion ausgeschlossen worden war. Zweiter Vize wurde Ex-Landesgeschäftsführer Schaufert.

Ob die Konflikte an der Saar damit ausgeräumt sind, bleibt derweil offen. Zwar hat Dörr in der Partei nichts mehr zu sagen – doch im Landtag ist er weiter Fraktionsvorsitzender. Erst im Frühjahr 2022 wird ein neues Landesparlament gewählt.