Saar-AfD: „Feuersturm“ auf den Landtag

Von Rainer Roeser
23.03.2017 -

Für jene in der AfD, die auf einen soliden und seriösen Ruf ihrer Partei Wert legen, muss ihr saarländischer Landesverband ein Graus sein – eigentlich. In Wahlkampfzeiten werden alle Bedenken beiseite gewischt.

Die saarländische AfD wird in den Umfragen nur noch bei sechs bis sieben Prozent gehandelt; (Screenshot)

Die Saar-AfD verkörpert vieles, was AfDler, die sich „gemäßigt“ nennen, schaudern lässt. Da ist – erstens – der Landesvorsitzende Josef Dörr mit seinem Hang zu pathetischem Gedröhn. Zuweilen philosophiert er über die „Glut einer mächtigen Wut“. Das klingt dann so: „Die Missstände in unserem Land sind der Wind, der diese Glut entfacht. Eine Flamme kommt zur anderen Flamme. Die Flammen wachsen zu einem Flammenmeer und schließlich zu einem Feuersturm. Dieser Feuersturm wird alles hinwegfegen und vernichten, was schlecht ist.“ Da ist – zweitens – ein Landesverband, der wirkt, als würde er ganz nach Klüngel-Prinzipien geführt. AfD-Chefin Frauke Petry sprach einmal von einem Prinzip „Family and Friends“, das den Chef der Saar-AfD leite. (bnr.de berichtete)

Da ist – drittens – ein Landesvorstand, der monatelang wegen seiner Kontakte zu rechtsextremen Gruppen Schlagzeilen machte. Der „Stern“ berichtete unter dem Titel „Die AfD und die Neonazis“ ausführlich über Kontakte Dörrs und seines Stellvertreters Lutz Hecker ins Lager der extremen Rechten, auch zu einer NPD-nahen Gruppe. Und da ist – viertens – ein Spitzenkandidat, gegen den die Staatsanwaltschaft im Vorfeld des Wahlkampfs ermittelte, weil in seinem Antiquitätenladen Orden mit Hakenkreuzen verkauft wurden. Solide und seriös geht anders.

Unterstützung von rechtsaußen

Knapp ein Jahr ist es her, da votierte ein Bundesparteitag dafür, die Saar-AfD wegen ihrer Rechtsaußenkontakte aufzulösen und einen Neuaufbau bei Null zu beginnen. Das Bundesschiedsgericht vereitelte solche Überlegungen: Das sei unverhältnismäßig. In seltener Eintracht forderten die beiden Bundessprecher Frauke Petry und Jörg Meuthen daraufhin Ende Oktober letzten Jahres die Saar-AfD auf, „mit Rücksicht auf die Gesamtpartei“ nicht an der Landtagswahl teilzunehmen. Es bestünden „erhebliche Zweifel an der Integrität von maßgeblichen Teilen des Landesvorstandes“. Aus der AfD-Spitze war zudem zu hören, man setze nun auf individuelle Ausschlussverfahren gegen Dörr und Hecker.

Doch die so gescholtenen Saar-AfDler ließen sich nicht beeindrucken. Fürsprecher fanden sie beim rechten Flügel der AfD, bei Björn Höcke und der „Patriotischen Plattform“. Wenn die Saarländer nun am Sonntag ihren neuen Landtag wählen, stehen drei besonders umstrittene Funktionäre vor dem Sprung ins Parlament: Dörr als Listenerster im Wahlkreis Saarbrücken, Hecker auf AfD-Platz eins im Wahlkreis Neunkirchen und ihr Pressesprecher Rolf Müller als Spitzenkandidat auf der Landesliste. (bnr.de berichtete)

AfD-„Größen“ geben sich die Klinke in die Hand

Trotz dieses Personaltableaus und trotz der Rückzugsaufforderung vom vorigen Herbst gibt sich dieser Tage die AfD-Prominenz zur Wahlkampfhilfe quasi die Klinke in die Hand. In der vergangenen Woche waren Uwe Junge und Georg Pazderski, die Landes- und Fraktionschefs aus Rheinland-Pfalz und Berlin, in Merzig. Am Dienstag sprachen Petry und Parteivize Albrecht Glaser in Homburg. Zum Wahlkampfabschluss werden am Donnerstag Meuthen und der stellvertretende Bundessprecher Alexander Gauland in Dudweiler erwartet.

Er rechne „auf jeden Fall mit einem deutlich zweistelligen Ergebnis“, erklärte Spitzenkandidat Müller im Februar. Womöglich täuscht er sich. Nachdem sie Anfang des Jahres noch auf zehn Prozent gekommen war, wird die Saar-AfD in den aktuellsten Umfragen nur noch bei sechs bis sieben Prozent gehandelt. Für drei oder vier Mandate dürfte das aber dennoch reichen.

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