Rheinländische Neonazis mit antisemitischem Singsang

18.04.2019 -

Berlin/Kreis Heinsberg – Ein erstes gerichtliches Nachspiel dürften antisemitische Gesänge von Neonazis aus dem Rheinland bei einem Aufmarsch in Berlin zu Ehren des früheren Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß bald haben.

Der Angeklagte soll in der Neonazi-Gruppe „Syndikat 52“ engagiert sein; Photo (Archiv): M. K.

Bei dem Aufmarsch am 18. August 2018 in Berlin fiel unter den rund 700 Neonazis besonders der „Rheinland-Block“ auf, weil aus dessen Reihen der Gesang angestimmt wurde: „Wo man Juden deportiert, da ist das Rheinland, schalalalala…“ Die Deportation von Juden wurde dabei in Kombination mit einem rheinischen Singsang in einer Mischung aus Fröhlichkeit und Aggressivität besungen. Die Szene auf Video festgehalten und publiziert hatte das „Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus“ (JFDA).

Dem „Rheinland-Block“ gehörten bei dem Aufmarsch im August 2018 Neonazis aus dem Großraum Aachen sowie solche aus dem Kölner und Düsseldorfer Umland, vom Niederrhein und aus dem Bergischen Land an. Der ehemalige „Kameradschaftsführer“ der 2012 verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), Rene L. (Kreis Düren), begleiteten den „Rheinland-Block“ zeitweise als Ordner.

Vorwurf der Volksverhetzung

Weil ein Heranwachsender aus Hückelhoven als Träger des Fronttransparents besagten „Blocks“ seinerzeit mitgesungen haben soll, muss er sich am Donnerstag nach Ostern wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung vor dem Amtsgericht Erkelenz (beide Städte: Kreis Heinsberg) verantworten. Wie in Jugendverfahren üblich findet der Prozess in der Heimat und nicht am Ort der Tatbegehung statt.

Der 21-Jährige ist nach bnr.de-Recherchen in der Neonazi-Gruppe „Syndikat 52“ (S52) sowie dem lokalen Kreisverband der Neonazi-Partei „Die Rechte“ (DR) engagiert. S52 ist der DR im Raum Aachen, Düren und Heinsberg als „Projekt“ untergeordnet und gilt als eine auf diese Weise legal abgesicherte Fortführung der verbotenen KAL. Der Prozess sollte ursprünglich schon am gestrigen 16. April stattfinden, musste dann aber auf den 25. April verschoben werden. (mik)