Rechtsrock-Ritual in Nordostitalien

Von Horst Freires
15.03.2019 -

Das jährliche braune Spektakel der Gruppierung „Veneto Fronte Skinheads“ (VFS) aus Verona mündet wieder in einem internationalen Neonazi-Meeting mit Zulauf aus ganz Europa und sogar aus Übersee. Ausgeguckt dafür ist wie zuletzt immer das lange Oster-Wochenende.

Braune Hassklänge rund um den Hitler-Geburtstag; (Screenshot)

Bereits seit dem Jahr 1986 gibt es den VFS-Zusammenschluss. Er zählt zum international engagierten Rechtsrock-Netzwerk, das sich in Nordostitalien und darüber hinaus die Verbindungen von „Blood&Honour“ und der „Hammerskin“-Bewegung zunutze macht, um rechtes Musikmilieu und neonazistische Strukturen zusammenzuführen. Seit vielen Jahren werden derartige Musikveranstaltungen in Italien behördlich nicht unterbunden. Somit hat sich das südeuropäische Land zu einem regelrechten diesbezüglichen Szene-Drehkreuz entwickelt. Die „Veneto Fronte Skinheads“ verfügen mit Tuono Records auch über ein aus ihren Reihen entsprungenes RAC-Label.

Hassklänge am Hitler-Geburtstag

In diesem Jahr fällt der in Neonazi-Kreisen zelebrierte Hitler-Geburtstag genau auf den Tag des Rechtsrock-Festivals. Dort sorgen diverse Bands für Hassklänge via Stromgitarren. Einen Tag zuvor, am 19. April, wird bereits ein Akustik-Konzert mit fünf Acts quasi als Warm Up angeboten. Das gesamte Spektakel läuft dann unter dem Motto „Defend Europe“ und „Easter Fest“.

Für den Unplugged-Auftakt wird laut Ankündigung der Australier Scott McGuinness, Gründungsmitglied von „Fortress“, sorgen. Die australische Combo hat im vergangenen Jahr ein neues Album beim sächsischen Label Front Records von Dierck W. herausgebracht. Ebenso wird der Gitarrist Steve Calladine, besser bekannt als „Stigger“, von der mittlerweile inaktiven britischen Rechtsrock-Kultband „Skrewdriver“ aufgeboten. Aus Schweden ist das Duo „Snöfrid“ angekündigt. Mit „H8red“ ist das Solo-Projekt der serbischen Combo „Razor 88“ am Start. Der italienische Beitrag wird von „Katastrof“ beigesteuert, die dem VFS-Umfeld zugerechnet werden.

Ein Wiedersehen bei den VFS

Neun Namen sind zum Rechtsrock-Event am Folgetag aufgelistet. Allen voran steht auch hier „Fortress“, die seit Bandbestehen im Jahr 1992 enge Kontakte nach Deutschland haben und ihren Debüt-Tonträger seinerzeit über Rock-o-Rama-Records veröffentlichten. Das Festival-Motto „Defend Europe“ ist auch ein Titel auf dem Vorjahresalbum der Australier. Für die Bühne vorgesehen sind zudem „Squadron“ aus London, „Legion Twierdzy Wroclaw“ (LTW) aus Polen, die ihren Herkunftsort im Namen führen, und „Jolly Rogers“ aus Barcelona. Die Spanier spielten zuletzt in ihrer Heimat am 20. Oktober 2018 ein konspiratives Konzert zusammen mit der Bremer Rechtsrock-Band „Endstufe“, zu dem auch deutsche Besucher anreisten. Aus Schweden sollen wie schon am Tag zuvor wieder „Snöfrid“ mitmachen.

Als deutscher Rechtsrock-Vertreter bewirbt man „Sleipnir“, die Band von Marco Bartsch und Martin Böhne aus Nordrhein-Westfalen. Komplettiert wird das Line Up von den drei italienischen Combos „Katastrof“, „Acciaio Vincente“ und „Gesta Bellica“. „Acciaio Vincente“ aus Mantua stand zuletzt am 28. Oktober 2018 mit „Sleipnir“ beim Neonazi Tommy Frenck in Kloster Veßra in Südthüringen an den Mikrofonen. Ein Wiedersehen gibt es nun bei den VFS.