Rechtsrock hat Konjunktur

Von Kai Budler
14.08.2018 -

Die Zahl der Rechtsrock-Veranstaltungen in Deutschland bleibt auf hohem Niveau. Durchschnittlich fand im ersten Halbjahr 2018 bundesweit an mindestens jedem zweiten Tag ein Neonazi-Konzert statt.

Thüringen gilt als Hochburg des Rechtsrock, Ende August findet schon wieder ein braunes Event statt; Photo (Archiv): K.B.

Insgesamt 131 Rechtsrock-Konzerte mit mehr als 13.000 Besuchern haben die Behörden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gezählt. Das teilte das Bundesinnenministerium auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag mit. Außerdem wurden zwei geplante Konzerte von der Polizei verboten, drei solcher Veranstaltungen im Vorfeld verhindert, heißt es in der Antwort. Im Vorjahreszeitraum zählten die Behörden 148 Konzerte der rechtsextremen Szene, im gesamten Jahr 2017 nahmen etwa 29.700 Personen an 296 braunen Konzertveranstaltungen im Bundesgebiet teil.

Allein im zweiten Quartal dieses Jahres registrierten die Behörden demnach 95 Straftaten im Zusammenhang mit rechten Musikveranstaltungen. Als Maßnahmen gegen den zunehmenden Einfluss der Neonazi-Musik wurden im ersten Halbjahr 66 Tonträger indiziert. Gründe für die Indizierung waren unter anderem gewaltverherrlichende Inhalte und die Verherrlichung des Nationalsozialismus. Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag Ulla Jelpke kritisierte ein fehlendes „abgestimmtes Vorgehen der Behörden in Bund und Ländern (…), um diesem Treiben der Naziszene wirksam etwas entgegenzusetzen“.

Neonazi-Open Air findet zum dritten Mal statt

Mehr als ein Sechstel der gesamten Besucherzahl von rechtsextremen Musikveranstaltungen im vergangenen Jahr entfiel auf das Neonazi-Event „Rock gegen Überfremdung“ im Juli 2017 im südthüringischen Themar. Als politische Veranstaltung unter freiem Himmel angemeldet, spielten auf einer Wiese am Ortsrand von Thema acht braune Bands, die sich mit zwölf Rednern abwechselten. Unter anderem zeigten Dutzende Neonazis bei dem Auftritt einer Band den Hitlergruß und schrien „Heil Hitler“, ohne dass die Polizei einschritt.

Am 25. August dieses Jahres soll das Neonazi-Open Air nun das dritte Mal stattfinden. Angemeldet ist es in dem 500 Einwohner zählenden Ort Mattstedt im Weimarer Land. Laut Anmeldung werden etwa 3000 Teilnehmer erwartet, die Behörden gehen von einer höheren Besucherzahl aus. Bislang sollen mehr als 5000 Tickets verkauft worden sein. Das Bündnis „Wir für Mattstedt“ mobilisiert für denselben Tag ab 10.00 Uhr zu mehreren Protestaktionen wie Demonstrationen, ein Bürgerfest und ein Konzert am Samstagabend. Die Polizei will mit etwa 1500 Beamten vor Ort sein. Thüringen gilt als eines der Kernländer des Rechtsrock, allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Mobile Beratung in Thüringen (MOBIT) im dritten Jahr in Folge erneut einen Anstieg der braunen Konzerte im Freistaat.

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