Rechtsrock-Event mit NPD & Co.

Von Horst Freires
23.05.2018 -

Mit den „Tagen der nationalen Bewegung“ ist im südthüringischen Themar erneut eine Großveranstaltung unter NPD-Regie mit brauner Musik und Rednern geplant.

Beliebte Rechtsrock Open-Airs in Thüringen. Die geplante Veranstaltung im Juni steht aber verfahrenstechnisch in der Schwebe; Photo (Archiv): K.B.

Die Geschehnisse bei der „Rock gegen Überfremdung“-Veranstaltung im Juli des Vorjahres mit rund 6000 Besuchern in Themar (Landkreis Hildburghausen) sind noch bis heute ein überregionales Gesprächsthema, da steht vor Ort vorbehaltlich einer noch ausstehenden endgültigen ordnungsrechtlichen Entscheidung bereits eine ähnliche Folgeveranstaltung vor der Tür. Abermals als politische Versammlung angemeldet, soll es am 8. und 9. Juni in unmittelbarer Nähe des südthüringischen 3000-Einwohner-Ortes um die „Tage der nationalen Bewegung“ gehen, ausgerufen von der NPD.

Nach dem „Schild & Schwert-Festival“ im sächsischen Ostritz am 20. und 21. April (bnr.de berichtete) wäre dies nun die zweite Großveranstaltung unter der Regie der NPD, die sich damit abermals gegenüber der gesamten rechten Szene als parteioffener Bündnispartner anzubiedern versucht und dabei offen mit der Partei „Die Rechte“ zusammenarbeitet. „Wir müssen weg von der zerstückelten Szene, hin zu einer gemeinsamen nationalen Bewegung…“ heißt es dementsprechend auf der Veranstaltungshomepage. Hinsichtlich Strukturen, die im Rechtsrock-Milieu in die hierzulande verbotene „Blood&Honour“-Bewegung weisen, zeigen die NPD-Verantwortlichen dabei keine Berührungsängste. War es in Ostritz noch Bundes-Vize Thorsten Heise, der organisatorisch die Verantwortung besaß, ist diesmal Sebastian Schmidtke als Bundesorganisationsleiter der Partei der Strippenzieher für Themar. Als Unterstützer hat er unter anderem den „Gefangenenhilfe Freundeskreis“ und den Initiativkreis vom „Tag der deutschen Zukunft „um sich geschart.

Führende Neonazis als Redner

Politische Reden, rechte Liedermacherballaden und Rechtsrock sowie jede Menge Info- und Verkaufsstände bilden nach Schmidtkes Willen das simple Strickmuster für das zweitägige braune Spektakel. Kamen zwischen 1200 bis knapp 1500 Neonazis im April zum Festival nach Ostritz, so wäre eine Teilnehmerzahl dieser Größenordnung in Themar eine Enttäuschung. Die etwa 6000 Besucher im Vorjahr und ein verkehrstechnisch günstigerer Veranstaltungsort schrauben die Erwartungshaltung hinsichtlich des Zuspruchs bei Schmidtke & Co. hoch. Nach Diskussionen über kassierte Eintrittsgelder, die möglicherweise zu versteuern sind, vergessen die Initiatoren nicht zu betonen, dass mit den Einnahmen keine Gewinne erzielt werden. Immerhin werden für ein Zweitage-Ticket 45 Euro verlangt.

Die geplante Rednerliste umfasst das Führungspersonal der NPD, aber auch Spitzenfunktionäre von „Die Rechte“ sowie parteifreie Aktivisten, die im Hinblick auf die Europawahlen im nächsten Jahr unter dem Banner der „Rechten“ segeln. Die NPD will unter anderem ihren Vorsitzenden Frank Franz ans Mikro lassen, dazu seine Stellvertreter Thorsten Heise, Ronny Zasowk, den NPD-Europaabgeordneten Udo Voigt sowie Schmidtke. Für „Die Rechte“ (DR) sollen ihr Bundesvorsitzender Sascha Krolzig sowie Michael Brück reden. Als Freie Kräfte vorgesehen: Sven Skoda aus Düsseldorf sowie Dieter Riefling aus Hildesheim, die auf der DR-Liste zur Europawahl die Plätze 2 und 4 einnehmen. Die braune Splitterpartei muss derweil noch Unterstützungsunterschriften sammeln, damit sie überhaupt zur Wahl zugelassen wird.

Alle Bands bereits lange aktiv

Im Musikprogramm beider Tage finden sich nach Veranstalterangaben sowohl „Die Lunikoff Verschwörung“ mit Sänger Michael Regener, als auch die Bands „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ beziehungsweise „Nahkampf“. Beiden gibt Hannes Ostendorf ein Gesicht. Die viele Jahre von ihm beteuerte These, „Kategorie C“ sei keine politische Band, erwies sich schon länger als „Fake news“. Auftreten soll zudem „Brutal Attack“ aus Großbritannien. Deren Sänger Ken McLellan bestreitet zudem noch einen Solopart. Ferner gehören „Flak“ um Philipp Neumann, „Kraftschlag“, „Carpe Diem“, „Faust“, „Hausmannskost“ und „Sleipnir“ zum Line-Up. Auffällig ist, dass alle verpflichteten Bands bereits sehr lange aktiv sind, Neueinsteiger hingegen nicht berücksichtigt wurden.

Zum Kreis der Liedermacher zählt laut Ankündigung Frank Rennicke, der gerade erst wieder Vater geworden ist. Unter anderem war es die NPD, die seine neunte Vaterschaft vermeldete. Außerdem werden „Zeitnah“ aufgeboten. Auch der mit rechtem HipHop bekannte Michael Zeise alias „Mic Revolt“, der zu der der 2016 verbotenen Gruppierung „Weisse Wölfe Terrorcrew“ gehört haben soll, steht auf der Musikerliste. Sein Stil fungiert dort als Nationaler Sprechgesang.

„Thing-Kreis Themar“ in der Jurte

Die vor mehr als fünf Monaten angekündigte Veranstaltung wurde im März vom zuständigen Landratsamt Hildburghausen aus naturschutzrechtlichen Gründen untersagt. Dagegen ist die NPD vor Gericht gezogen. Das Verwaltungsgericht Meiningen hat den Streitparteien mitgeteilt, dass es in der Sache keinen Sofortvollzug geben wird, eine Entscheidung in der Angelegenheit erst später fallen soll. Das Landratsamt hat dagegen eine rechtliche Beschwerde eingelegt. Dazu wiederum ist in Kürze mit einer Entscheidung zu rechnen. Ob das Gelände vorerst weiterhin für entsprechende Veranstaltungen frei bleibt, ist verfahrenstechnisch damit noch in der Schwebe.

Momentan finden auf dem Areal, das in Behördenkreisen auch als „Konzertwiese Themar“ tituliert wird, regelmäßige Zusammenkünfte in einer kleinen Jurte statt. Diese laufen unter dem Begriff des „Thing-Kreises Themar“ und werden von Angela Schaller und Axel Schlimper verantwortet. Sie sind ebenfalls ordnungsrechtlich angemeldet.

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